Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Die "Eisdiele" in der Rothenburger Straße eröffnet neu

Lange stand die „Eisdiele“ in der Rothenburger Straße leer. Jetzt hat Florian Karnik ein Design- und Kunst-Café daraus gemacht. © Foto: Pilar Schacher

Was sich lange wehrt, wird endlich gut: Nach vielen Jahren des Leerstandes und der nicht minder langwierigen Phase der Renovierung, Sanierung und Neugestaltung bekommt Nürnberg ab heute ein kleines großes Stück Kulturgut zurück. Die ehemalige "Eisdiele" in der Rothenburger Straße hat mit "Galerie" nicht nur einen neuen Vornamen, sondern vor allem ein gänzlich neues Konzept erhalten.

„Eine Begegnungsstätte für Kunst, Kultur und Design“ zu werden wünscht sich Florian Karnik für die "Galerie Eisdiele", sein Baby, zu dem der 35-Jährige „wie die Jungfrau zum Kind“ gekommen ist. Professionell und stylisch ist das Ergebnis dessen, was nach monatelanger Arbeit endlich fertig gestellt ist. Auf rund 110 Quadratmetern, leicht versetzt über zwei Etagen, befindet sich hinter der historischen, allseits bekannten grünen Fassade mit blauem Schriftzug entlang der Rothenburger Straße nun eine höchst moderne Galerie, die Kunst und Lifestyle mit Tradition verbindet.

Der der klassischen Eisdiele nämlich, die neben der süßkalten Schleckerei (aus dem Hause „Eis im Glück“) Kaffee, Tee, Wein, Biere und Softdrinks im Angebot hat, darüber hinaus Suppen und verschiedene Patisserie-Waren. Alles andere, meint Karnik, werde man sehen. „Die Leute ein bisschen bereichern“ möchte der Nürnberger, ihnen ein Gefühl vermitteln, gut aufgehoben zu sein, alle Menschen ansprechen, auch diejenigen, die mit der Kunst sonst nicht so viel am Hut haben. Grade die, und „ihnen anbieten, das Blickfeld zu öffnen.“

Das geschieht durch zahl- und inhaltlich abwechslungsreiche Bücher und Bände rund um Urban Art, Fotografie und Design, in denen geschmökert werden kann – oder schon allein durchs dafür Hinsetzen, schließlich sind die meisten Stühle, Hocker oder Bänke selbst Designer-Stücke wie der „Fat Cab Chair“, eine überdimensionale Sprühdosenkappe, oder der „Sparkling Chair“ aus PET-Flaschen des niederländischen Designers Marcel Wanders oder die riesigen Törtchen und Eistüten der Spanier von Woouf. „Ein Spektrum, aus dem ich ehrlich schöpfe“ möchte Florian Karnik bieten, „authentische Produkte mit Hintergrund, über die ich was erzählen kann“ und „nichts, von dem ich zwar weiß, dass es hip ist, aber sonst nichts“.

So authentisch und persönlich die Einrichtung der Galerie Eisdiele, in der man fast alles, was man sehen auch erwerben kann, so individuell die Auswahl der Künstler, deren Werke in „ungefähr monatlich wechselnden“ Ausstellungen die hohen Wände zieren sollen, beginnend mit dem Hamburger N.o. Madski (Vernissage am Freitag, 24.10., 19 Uhr). Der offizielle Startschuss für die Eisdiele fällt schon am Dienstag um 10 Uhr.

Auch Künstler aus der Region sollen hier einen Platz finden, so Karnik, dessen Mischkonzept als eines von knapp 200 eingereichten den Eigentümer der Eisdiele überzeugen konnte. Dazu gehören neben dem großzügigen Innenraum, der mit viel Handarbeit, Liebe zum Detail und Überraschungen gestaltet ist, auch zwei Außenbereiche – einmal entlang der Rothenburger Straße, zum anderen im Hinterhof mit viel Grün – auf denen man künftig Eis aus dem italienischen Eiswagen schlecken, sich vom Zocken am holländischen Arcade-Automaten oder einfach vom Leben erholen  kann. „Um der Historie Willen und der Leute wegen, die das Gebäude seit vielen Jahren lieben.“ Mit Kaugummi-Automat.


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