Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Glosse

Runter vom Sofa - Urlaubssport

Ich hab mich grad ein bisschen umständlich hinter den Schreibtisch geklemmt. Also ich möchte fast eher von einer Art Einhaken sprechen, wegen der mitschwingenden Steifheit. Weil so ein Haken, der geschmeidigt sich ja auch eher nicht mal in die eine Form und dann in eine andere, sondern muss halt schauen wie er klarkommt. Muss ich auch. Das liegt zum einen an dem Exoskelett, in das ich mich eingeklinkt hab. Sagst du: Hey prima, Exoskelett, das würd mir den Kieser ersparen und eh überhaupt jede Ertüchtigung, weil wenn du so ein schönes Exoskelett hast, dann flutschst du deinen Gallertkörper da morgens hinein und schon bist du in Shape und abends gießt du dich selbst auf die Couch hinauf statt ins Fitness! So weit, so richtig, nur handelt es sich im vorliegenden Fall nicht direkt um eine futuristische Rüstung, sondern lediglich um eine profane Jeanshose. Ja babababaurlaubdolcevitapfft! In erster Linie ist die frisch gewaschen. Deswegen muss man jetzt eigentlich ein bisschen flach atmen und liegen. Wenn man dann eine Stunde später feststellt, dass sich am Beklemmungsgefühl nichts geändert hat, kann man immer noch in Wehklagen ausbrechen. Oder halt Prophylaxe, so wie ich, und das ist jetzt der zweite Grund für die relative Steifheit, weil ich gestern – eine Frau, ein Wort! – meine großspurigen Ankündigungen in die Tat umgesetzt hab, meine Fördermitgliedschaft im Fitnessstudio in eine aktive rückzuverwandeln. Weil es ist ja so, dass man im Sommer eh dauernd sich so viel mehr bewegt als in einem Winter oder Herbst und Frühling. Man fährt ja andauernd Fahrrad, man geht ständig mit einem Schläger auf einen Ball hinaufdreschen, man schwimmt unzählige Kilometer, und nicht zu vergessen die Unterarmkräftigung beim Grillkohlewedeln. Wo man bei genauerer Betrachtung sagen muss, dass das eigentlich der Hauptsport war, weil für alles andere war’s bekanntlich zu heiß. Um nicht vollends zu verschrumpeln hab ich im Urlaub tapfer die tägliche Teilnahme am Aqua-Gym verkündet, schön vormittags eine halbe Stunde planschen, dann hat man sich den restlichen Tag Pizzapastaprofiterol schon wieder verdient, das machen sicher alle so! Zehn Minuten später bin ich im Krebsgang heimlich aus dem Spaßpool getürmt und hab die fünf älteren Damen, die in der Mitte behäbig geturnt haben, während vorne Modelmädchen ihre Instaskills gezeigt haben und außenrum 300 kleine und große Menschen schenkelklopfend Handyfilme gedreht, zurückgelassen. Ob es später erniedrigender war, mangels Badehaube aus dem Schwimmerbecken gebademeistert zu werden oder anschließend mit einer frisch erworbenen solchen – signalblau und drei Größen zu klein – Bahnen zu ziehen, weiß ich gar nicht so genau, möchte mir aber nicht nachsagen lassen, ich hätte es nicht versucht! Die Jeanshose spannt übrigens immer noch gewaltig. Ist schon verrückt, wie schnell sich so eine Muskulatur wieder aufbaut, nach nur einmal wieder ein bisschen Pilates.