Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Baden in Franken? Natürlich!

Über sieben Seen sollst du geh’n, sieben Strände Frankens einmal seh’n … Natürlich sind es die sieben Gewässer, die der fränkischen Seenplatte ihren erfrischenden Namen verleihen. Doch neben diesen großen Abkühlungs- und Planmöglichkeiten liegen überall in der Region verteilt kleine, liebevoll geführte Badeanstalten, die auf Naturfilter setzen statt Chemie und im ursprünglichsten Sinne zum Schwimmen(lernen) einladen: Naturbäder verzichten auf Chlor und blaues Wasser – und bekommen das mit zunehmender Beliebtheit gedankt. 
Nürnbergs einziges und ältestes Naturbad ist das im östlichen Pegnitzgrund gelegene „Freibad Langsee“: Statt wie von vielen Skeptikern angenommen, speisen sich die 2400 Quadratmeter Wasserfläche mitnichten aus aufgestauter Pegnitz, sondern unterirdischen Grundwasserquellen. Das macht den Langsee (Ebenseestraße 35, Nbg; ÖZ Mo-So 10-20 Uhr, Eintritt 2-4 Euro, tsv1846nuernberg.de/freibadlangsee) im Besitz des TSV 1846 ganz schön frisch – und auch ganz schön sauber. So sauber, dass manche Badegäste nach dem Schwimmen gar nicht duschen mögen, „weil das gut für Haare und Haut ist“, weiß auch Badeaufsicht Ralf Chladny. Seit 2013 engagiert sich der 26-jährige Student in seinem Bad, das er gerade wegen der Naturbelassenheit so schätzt: „Im Gegensatz zu herkömmlichen Freibädern ist es hier immer ruhig, weil es viel weniger Hall gibt.“ Auch das Klientel sei stets entspannt – und erfreue sich an Fauna und Flora, beobachte Libellen beim Tanz oder frisch geschlüpfte Haubentaucher. Seit 1912 gibt es das Bad, das idyllisch in den Auen liegt und nicht nur deswegen am allerbesten mit dem Fahrrad anzusteuern ist. So manch Nürnberger dürfte hier das Schwimmen gelernt haben – wenngleich freilich nicht im tiefen See, sondern im eigens installierten (und dann doch ganz herkömmlichen) Nichtschwimmerbecken, dem für die allerkleinsten auch noch ein Minipool zur Seite steht. Sprungbrett, Seerosenteich, ruhige Schatten- und lustige Sonnenwiesen sowie Volleyballfelder und einer der wenigen innerstädtischen FKK-Bereiche machen das „Langsee“ zum beliebten Ausflugsziel. Und ganz vielleicht auch der gut bestückte Kiosk. Für Naturfreunde, denen das zu nah ist, gibt es gute Nachrichten: Alle anderen Naturbäder liegen deutlich außerhalb der großen Städte – so auch das „Naturbad Keidenzell“ (Farrnbachstraße, 90579 Langenzenn, ÖZ Mo-So 8-21 Uhr, Eintritt frei, stadtwerke-langenzenn.de/baeder/freibad/), das hinter Langenzenn bei Fürth zu finden ist. Der sogenannte „Kleinbadeteich“ bedient sich wie seine Artgenossen der reinigenden Wirkung von Wasserpflanzen bzw. den darin sich tummelnden Mikroorganismen in Schwimm- und Aufbereitungsbecken, durch die das Wasser gepumpt und dabei gesäubert wird. Als herrlicher Nebeneffekt bieten die klarsichtigen Anlagen so eine tolle Gelegenheit der Forschung, siedeln sich doch in den Biotopen kleine Tiere wie die sonst schwer zu entdeckenden Molche an, die Groß wie Klein zum Biounterricht-in-situ animieren. Das gelingt auch nebenan in Großhabersdorf (Rothenburger Straße 41, ÖZ Mo-Do 9-20 Uhr, Fr-So 9-19 Uhr, großhabersorf.de) denn hier befindet sich Mittelfrankens zweitgrößtes und topmodernes Naturbad, das mit künstlichem Bachlauf und Sandspielbereich, Wasserrutsche und -trampolin sowie Sprungfelsen schon beinahe spaßbadig anmutet. Auch hier steht ein Beachvolleyballfeld für alle bereit, denen es auf der Liegewiese zu fad wird. Die anderen dürfen entspannen – oder Fachwerkhäuschen zählen. Für alle, die bei „Sprungfelsen“ aufgehorcht haben, muss hier freilich unbedingt ein echtes Felsenbad geliefert werden. Das nämlich im malerisch-schweizerischen Pottenstein. Nach langen Jahren der Vernachlässigung wurde das wunderschöne 1920er Jahre-Relikt vor bald 20 Jahren wieder wachgeküsst. Bereits bei seiner Eröffnung 1926, damals noch mit Betonbecken, galt das Bad als eines der schönsten Freibäder Deutschlands, und daran haben die fast 100 Jahre auf dem Felsenbuckel nichts geändert. Jugendstil, Seebühne, Biergarten inmitten von Fels und Wald, und darin großes Sommerjauchzen – die Kombination dürfte sich schwer ein zweites Mal so finden. Praktische Kombinationsmöglichkeiten zum perfekten Ausflugstag bieten zudem die unweit gelegenen Sommerrodelbahn, Teufelshöhle und der herrliche, jedoch nicht zum Baden freigegebene Schöngrundsee. (Wermutstropfen: Aufgrund fehlenden Personals muss das Felsenbad aktuell geschlossen bleiben; Aufgrund eines Pächterwechsels sind noch keine weiteren Informationen verfügbar, die Seite felsenbad-pottenstein.info/ wird aber laufend aktualisiert). Oder aber auch das vergleichsweise nahgelegene Natur- und Höhenschwimmbad Gößweinstein (Schützenstraße 1, Gößweinstein, ÖZ Mo-So 10-19 Uhr, Eintritt frei, ferienzentrum-goessweinstein.de), das neben vieler regionaler Aktivitäten dank exponierter Anhöhenlage mit der Aussicht auf Ort, Burg und Basilika auftrumpfen kann. Naturbäder, die sich mal mit, mal ohne Eintritt für einen Besuch anbieten, beherbergt Franken noch vier besonders seltene Exemplare, nämlich: Flussbäder. Denn während in den Flüssen der Metropolregion trotz zahlreicher und höchst einladender Uferabschnitte, die sich einem beispielsweise bei einer schönen Radltour geschwind offenbaren, das Planschen freilich strengstens untersagt ist (einzig der der frisch eingeweihte Södersee erlaubt das Schwimmvergnügen mitten in Nürnberg), gestattet die Ansbacher Gegend gleich dreimal, nachzufühlen, wie es sich vor hundert Jahren so im Fluss gebadet hat. Leutershausen und Dinkelsbühl warten mit eigenen und zum Teil zur Lagune ausgebauten Wörnitz-Abschnitten auf, bei Wassertrüdingen ist es die Altmühl, gegen deren sanften Strom man bitte gerne schwimmen darf. Eine wahre Vorkriegsperle jedoch befindet sich in Bamberg – und zwar wirklich mitten drin: das Hainbad (Mühlwörth 18a, Bamberg, ÖZ Mo-So 9-20 Uhr, Nutzungsentgelt 2 Euro, stadtwerke-bamberg.de) existiert seit 1935, wurde 2018 rundum erneuert und hat dabei nichts von seinem kultigen Charme eingebüßt: Auf einer Holzveranda liegend blickt der müßige Besucher auf sanftes Flussschaukeln des linken Regnitzarmes und, ondulierte Stadtparkgewächse und hochwohlgeborene Architektur, klettert flink über eine Treppe hinein ins Nass und darf sich außen über Kiosk, Hängematten und kostenlosen Bücherausleih freuen – und das alles bei mit zwei Euro quasi freiem Eintritt. Ein wahrer Obolus, der die meisten Natur- und Flussbäder übrigens eint: Weil bei den oft von Fördereinen unterhaltenen Anlagen meist auf Badeaufsichten verzichtet und Nutzung auf eigene Gefahr empfohlen wird, heißt Eintritt oftmals „Nutzungsentgelt“ oder wird in Form von Spenden erbeten.