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Apostile

Die Partykolumne - Gebuhrzeit

Liebe aufmerksame Zwangsbiographiechronistisierte, wie ihr alle aus leidvoller Erfahrung wisst, nähern wir uns der herrlichen Zeit des Jahrestags zur Huldigung des Wunders meiner Geburt. Beruhigt euch, ich bin ganz entspannt, weil die Aufregung hab ich schön übers zurückliegende Jahr verteilt und so auch meinem Umfeld ein bisschen den Druck des wichtigen Ereignisses von den morschen Schultern nehmen wollen. Deswegen hab ich jeden Monat immer am entsprechenden Datum kurz in einer Rundmail aufmerksam gemacht, wie alt ich jetzt also bin und wie lang noch hin ist zum Feiertag – also ihr wisst schon: Heute bin ich [geheimnisumrankte Zahl]einhalb … heute [geheimnisumrankte Zahl]dreiviertel, wobei mir an dieser Stelle ein Aufmerksamkeitsdefizit in der Gefolgschaft auffällt, weil wenn der Franke zu 18.45 Uhr korrekterweise „Dreiviertelsieben“ sagt, dann darf er auch nicht sagen „Ich werd heut sechsunddreissigdreiviertel“ sondern muss es selbstverständlich heißen „Ich werd heut dreiviertelsiebenunddreissig“ … – und dann hab ich auch noch nebenbei die sogenannte „Gebuhrzeit“ fest im Wortschatz etabliert, wobei das ist gemein, weil das können alle nach dem 23. Geborenen nicht mehr haben, weil so ein 24.-12.-Christkindl, das sieht seine Gebuhrzeit leider nicht so oft am Digitalwecker. Ich meine schon, jeden Tag in morgendlicher Frische, und dann kann man laut und hilfsbereit „GEBUUUUUHRZEIT“ posaunen, und schon atmet der andere erleichtert auf, weil sieht er sich erinnert an das rauschgoldige Jubeldatum. Jetzt ist mir nur leider dieses Jahr also wirklich was Saublödes passiert. Jaabababababaa zu blöd zum Treppenlaufen, ich weiß schon, aber nein, das mein ich nicht, sondern hat vor ein paar Monaten mir eine Weibsperson ein Fröhlichkeitselixier in meinen Mate Zero Soja Latte Light geträufelt und mir dann den Plan untergejubelt, man könnte doch, weil ganz zufällig habe sie einen sehr runden Uraltgeburtstag zu überstehen, vielleicht Anfang März eine Landflucht betreiben, sprich Italien. Ich: Jasuuuuuperpizzapastabiancoundeinenrossogleichhinterher! Und dann hab ich mit meinem Blut unterschrieben und bin davongesprungen und hab ein Bündel mir geschnürt und gesagt, es kann jetzt losgehen. Quasi genau so war’s. Wirklich. Vor lauter Pizzapastavinooléolé hab ich nur eine winzigkleine Sache übersehen, und jetzt müsst auch ihr stark sein: Wird nicht nur die Freundin zum Wiegenfest im Italien geehrt, sondern ich gleich mit dazu. Hab ich also alle selbstgeschöpften Einladungskarten wieder zusammengesucht und dem Birthdayplanner abgesagt und der Burgfreiung auch und hab gedacht es ist vielleicht eh gut, wenn ich gleich hier in der großen Runde allen Honoratioren sag, es tut mir wirklich, also echt wahr sauleid, seit Monaten ist der Termin gebloggt und dann passiert sowas. Aber mir ist auch schlimm, weil sitz ich mutterseelenallein auf der Piazza und außenrum Gesang und Knaben und schlimmstenfalls ist da noch eine Sonne, pfui Deifi! Also dann: arrivederci und pfiadeich! „Weltfrauentag“ (T90, Flughafen), „Querbeat“ (Schmelztiegel, Bergstr), „Xylotrip Superfete“ (Z-Bau, Frankenstr), „Township Rebellion“ (Rakete, Vogelweiher), „James Cole“ (Mitte, Hallplatz), „Shake your Hips“ (Cult, Dooser Str), „Gift“ (Stereo, Klaragasse) und am Samstag „Küsse am Pier“ (MUZ, Fürther Str), „Pull the Trigger“ (Hirsch, Vogelweiher), „Retro“ (Parks, Stadtpark), „Single Party“ (T90), „METrixx“ (Matrixx, Klingenhof), „Don’t stop the Rock“ (Mississippi Queen, Hafen), „King Kong Kicks“ (Stereo). Und schwups ist Sonntag und ich wieder zurück. Als wär nix gewesen. Doch merke: Eine Gruppenreise ist kein Jungbrunnen.