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Apostile

Die Partykolumne - Mützenshaming

Man geht ja grad vergleichsweise gern schlafen, und da kann man gern einmal vorher ein bisschen Radio hören, wegen Beruhigung. Sehr gut eignet sich da Radio Mikro, das ist sozusagen der Sandmann für Bildungsbürgerkinder im Bayern2, und da liegt man dann sehr schläfrig spätabends um 18.30 Uhr umeinander und bildet eine gewisse Fäule aus und sich dabei aber weiter. Neulich über das Forscherleben am Südpol, das war schön, keine Eisbären weil Pinguine und aus Abwasser kann man frisches machen, und dann hat der Südpolforschermann gesagt, er wünscht sich eine Mütze, weil auf der Polarstation haben alle die gleiche Mütze und da käme man manchmal ein wenig durcheinander, weil alle rote Kopfverhüllung. Der hat Sorgen, hab ich mir gedacht. Ich hingegen, ich hab ja immer gesagt, Mütze geht nicht, weil erstens sofortige Verwechslungsgefahr mit Michl aus Lönneberga beim Aufsetzen und nachher beim Absetzen mit altem Wischmopp. Und dann gibt’s ja da Leut, die kennen gar nichts! Ich mein, erwachsene Frauen mit so einem Bommel auf dem Schädel, wo man sich fragt, ob der eigentlich größer ist als die darunter verborgene Denkstruktur oder da in Wahrheit eine kleine Brotzeit drin verpackt ist. Oder andere, wo du denkst, da muss man es vielleicht mit der Liebe und Sehnsucht nach Lappland auch nicht übertreiben, nur weil’s jetzt grad einmal nur noch fünfzehn Grad hier hat. Oder diese Kerle, denen du pfeilgrad ansiehst, dass der mit der Wollumhüllung auch nur versucht, von der frühzeitigen Alopezie abzulenken, und dann hörst du da Geschichten von Frauen und morgendlichen Überraschungen, hör mir auf! Von den saulustigen Rentiergeweihblinkbaummützen, die da grad am Abend wieder in der Innenstadt umeinanderbegeistert haben, gar nicht zu sprechen. Ich also immer ohne. Warum? Weil ich’s kann, und überhaupt Beauty first, Safety second! Gesundheit auch. Bisher. Weil jetzt stellt sich da anscheinend eine schwierige Situation im Stirn- und vor allem auch Ohrensegment ein, wo man sagt: Drei Stunden Ohrenschmerz und abends immer mit der Wärmflasche auf den Kopf gebunden, ist es das wirklich wert? Und nach vielen Stunden innerer Einkehr und Zwiegespräch hab ich mir gedacht, das ist es eigentlich nicht. In der Folge hab ich mir fünf Mützen und acht Stirnbänder gekauft, immer erst so „Jetzt stell dich nicht so an!“ und dann zum würdelosen Brezngesicht im Spiegel: „So geh ich keinesfalls aus dem Haus!!“ Krise. Jetzt hat aber eine Freundin einen guten Vorschlag entwickelt, nämlich dass man die Frisurenproblematik vielleicht lösen könnte, wenn man unter die Mütze so eine Art Reifrockgestell basteln würde. Das sieht dann vielleicht nur ein bisschen aus wie Rastafari, hätte aber den irren Vorteil, dass die sorgsam ondulierte Frisur darunter nicht zu einem erbärmlichen Gatsch gepresst würde. Oder ich mützl was Blaues drüber und dann sag ich einfach immer, ich bin Marge Simpson und auf dem Weg zu einer geheimen Spezialfaschingsfeier. Und der Vorwurf, man tät mich nicht mehr erkennen, wenn ich eine Mütze aufhab, weil dann der weißhaarige Orientierungspunkt fehlt, der güldet dann auch nicht mehr! Bis gleich! „Nbg grooves Festival“ (Z-Bau, Frankenstr), „Querbeat“ (Zwinger, Lorenzer Str), „Südpunkt-Disco“ (Pillenreuther Str), „Pink Terminal“ (Flughafen), „Mdnght Cty“ (Stereo, Klaragasse) und am Samstag „12 Jahre MUZClub“ (Fürther Straße), „Indie Playbackshow“ (Stereo), „Retro“ (Parks, Stadtpark), „Shake your hips“ (Cult, Dooser Str), „Vibes“ (Z-Bau), „METrixx“ (Matrixx, Klingenhof), „Single Party“ (T90). Man könnt auch vielleicht statt des Bommels einen Meisenknödel dranheften an die Mütze und dann hoffen, dass so arg viele Vögel kommen, dass die einen über die mordsgefährliche Winterlandschaft, wegen der man sich jetzt so viel aufregen muss, einfach hinforttragen. Oder halt einfach weil Vögel und Tierliebe und so.