1 subscription and 3 subscribers
Apostile

Die Partykolumne - Blaulichtparade

Gestern hab ich mir eine Lichterkette kaufen wollen. Um ehrlich zu sein ein bisschen wegen Gruppenzwang, weil wenn du bei mir in die Straße kommst dann denkst du, du bist auf einem Open-Air-Rave gelandet und gleich wellenhandet dir eine Love Parade entgegen, und so ganz in der Mitte von der Balkonfront ist dann so ein finsteres Loch, wo der Flaneur unten sagt „Ach schau, da wohnt also der Grinch!“ Tut er aber gar nicht, sondern es bin nur ich, und ich tu mich ein bisschen schwer damit zu verstehen, warum Menschen, die sagen wir mal sonst unterm Jahr täglich bei der Stadtverwaltung anrufen weil die Straßenlaterne flackert und das den Schlaf empfindlich stört, und die am liebsten noch der Feuerwehr das Blaulicht beim Nachteinsatz verbieten möchten, also warum die eigentlich plötzlich vier Wochen vorm Weihnachten meinen, ein Stroboskop wär die entspannendste Erfindung die die Welt überhaupt je einmal gesehen hat. Und weil es dann gar so besinnlich ist, wenn’s in zwölf Farben und halbsekundentaktlich umeinanderblinkt, muss man das nicht vielleicht so installieren, dass man sich ganz allein und nur für sich selbst, also quasi richtig vorweihnachtlich innere Einkehr, daran erfreuen kann und die Diskothekenanlage schön geizig vielleicht ein bisschen direkt unter der Bettstatt drapieren oder man könnte damit auch den Backofen auskleiden oder womöglich ja sogar den Kühlschrank, und dann am besten auch noch gleich so eine Last-Christmas-Melodie dazu wie in den Grußkarten zum Aufklappen, oder vielleicht hast du ja auch einen Safe daheim, so einen ganz superdicken ganz tief drin im Mauerwerk, und jetzt stell dir vor: Das wär dann nur deins, ganz allein! Aber nein, man muss raus damit in die Welt. Ich versteh das ja wirklich gut mit den Lichtern an sich, ich mag auch Lichter. So ein grindiger November oder Dezember, der wird schon wirklich gleich viel schöner mit Lichtern und Moosen und Zeug, die weisen dir den Weg durch Nebelschwade und Schnürlregen hin zum Glühmarkt und wenn’s dann später ein Tässchen zu viel geworden ist weisen sie ihn dir vielleicht auch wieder zurück nach Hause, und wenn du dich im Stadtpark verlaufen hast am stockfinsteren Nachmittag, dann freust du dich auch wenn du in der Ferne ein Kerzlein siehst oder vielleicht auch eine Zigarettenglut und weißt, du bist gar nicht allein. Und auch Adventskranz, ganz feine Sache, wobei mit Konfliktpotenzial und Gruppenspaltung, nämlich in diejenigen, die brav so wie sich das gehört eine Kerze nach der anderen anzünden und dann solchene, die, das musst du dir mal vorstellen, alle vier anzünden „damit die gleichmäßig abbrennen“, wo kommen wir denn da dahin? Das ist ja fast so schlimm wie „Ich hab schon meinen ganzen Adventskalender aufgemacht weil ich wollt ja wissen was drin ist!“ Naja also jedenfalls hab ich mir dann keine Lichterkette gekauft sondern überlegt, im Feuerwehrzubehörfachgeschäft ein Blaulicht zu erstehen, wegen glaub ich größerer Reichweite. Bis dahin freu ich mich leise und entspannt über meine zwei Kerzlein. Und dann bald auch schon über drei. Jessas wie die Zeit rennt … „Weihnachtswahnsinn“ (MUZ, Fürther Str), „Trouble in Paradise“ (Kantine, Bauhof), „Shutdown“ (Z-Bau, Frankenstr), „Shake your Hips“ (Cult, Dooser Str), „Indiefreitag“ (Stereo, Klaragasse) und am Samstag „Dröhnboot Revival“ (Zwinger, Lorenzer Str), „Orchid Queer Karaoke“ (Kantine), „Retro“ (Parks, Stadtpark), „Küsse am Pier“ (MUZ), „Rosa Hirsch“ (Vogelweiher), „Why so serious“ (Rakete, ebd.), „Nasty“ (Z-Bau), „Ich will nicht nach Berlin“ (Stereo).  Also jetzt hab ich nochmal nachgeschaut, es heißt: „Advent Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins dann zwei dann drei dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“ Und nicht: „Advent Advent, ich mach ein Mordstohuwabohu und wenn dann bei mir daheim ein Flugzeug an die Terrassentür klopft wegen Landebahnverwirrung dann schrei ich umeinander wegen Sicherheitslücke und Belästigung.“