1 subscription and 3 subscribers
Article

FabLab: "Nürnberg hat uns verloren"

Drei Monate haben sie in Eigenregie renoviert, 500 Liter Farbe und acht Tonnen Trockenbaumaterial verarbeitet, acht Kilometer Kabel verlegt, allein zwölf Tonnen Maschinen und Arbeitsutensil bewegt und knapp 400 Quadratmeter Brache ihren Bedürfnissen angepasst. Jetzt hat Experimentier- und Lern-Labor „FabLab“ seine neue Wirkungsstätte bezogen. Und sagt: „Nürnberg hat uns für die kommenden fünf bis zehn Jahre verloren.“


Denn auch der Verein, der seit 2012, also quasi seit der Gründung, auf AEG beheimatet war, war im April dieses Jahres von der Kündigung der dort ansässigen Einrichtungen betroffen. Auf den Schreck, berichtet Vorstandsvorsitzender Michael Mosburger, folgte erstmal Ernüchterung. Denn nicht nur, dass sich herausstellte, dass „es fast nicht machbar ist, als Verein einen bezahlbaren Ort in Nürnberg zu finden“, zumal in der für das FabLab erforderlichen Größe, sondern habe sich auch die amtsseitige Hilfe als eher dürftig dargestellt. In Überlegung sei zwar, die ehemalige Feuerwache 1 am Deutschherrnkarré zur künstlerischen Zwischennutzung freizugeben, doch erstens ist das ein ungelegtes Ei und zweitens die Gefahr zu groß, in unabsehbarer Zeit wieder umziehen zu müssen. Ein Kraftakt, so Mosburger, den man lieber nicht so schnell wiederholen möchte. Und so kommt es, dass das FabLab seit Dezember auf der Stadtgrenze balanciert – und dabei nach Fürth kippelt. In der Schwabacher Straße 512, einem Industrie-, Gebäude- und Bürokomplex mit ähnlich undurchsichtigem Lageplan wie in Muggenhof, hat das FabLab „zehn Räume an unsere Anforderungen angepasst.“ Was auf den ersten Blick wie ein großer Verlust mindestens in puncto Erreichbarkeit aussieht, sei, versichert Michael Mosburger, halb so wild, kreuzten doch sieben Busse die Station, die wiederum per U-Bahn bestens erreichbar seien. So ist denn auch keine größere Abwanderung der fast 180 Vereinsmitglieder zu verzeichnen. Rund zehn von ihnen haben angepackt, um in Eigenregie und drei Monaten Schwerstarbeit das neue FabLab zu formen. Und umziehen. Wer schon einmal vor Ort war, hat vielleicht eine Idee davon, was das bedeutet. Alle anderen stellen sich einen Baumarkt mittlerer Größe vor. Laserschneider, Brennofen, Werkbänke, „und das ganze Kleinmaterial – allein kistenweise Widerstände“, berichtet Mosburger, und dass jetzt aber alles gut ist. Oder sogar: besser. So gibt es in der neuen Heimat künftig nicht nur eine separate Dunkelkammer, sondern generell mehr Platz. Um mit Ton zu experimentieren. Um den ersten eigenen Roboter zu konstruieren. Um Plexiglas zu lasern. Für Nähmaschinenkurse, RepairCafé und TextileLab. Ungefähr für alles, was man immer schon mal ausprobieren wollte, aber die Zutaten nicht hat, was man lernen möchte, aber nicht weiß, wo und wie. Denn das FabLab ist nicht einfach nur ein Ort, an dem viele einzelne Blasen vor sich hintüfteln, sondern will „ein Schmelztiegel sein“, eine offene High-Tech-Werkstatt, bei dem es „um den Menschen geht und nicht um die Maschine.“ Ein Ort, der Zusammenkunft, an dem man Ideen verwirklicht, etwas gemeinsam (er)schafft und sich gegenseitig hilft. Ein Himmelweiter Unterschied freilich zum so beliebten You-Tube-Tutorial, bei dem einen dann letztlich doch keiner an die Hand nimmt und den einen Knoten, den einen Kniff erklärt, bei dem es immer hakt. Um das zu erleben gibt es verschiedene Konzepte und Angebote. Vormittags, erklärt Michael Mosburger seinen Wunschtraum und erklärtes Ziel, sollen im besten Fall Schüler zugange sein können, die sowohl handwerkliche Fähigkeiten als auch Soft Skills entwickeln und „im besten Fall später begeistert weitermachen.“ Mitglieder des Vereins, der jedem Interessierten offen steht, treffen sich immer Mittwochabend zum tüfteln und gemeinsam sein. Ein KidsLab richtet sich speziell an junge Menschen: Immer freitags von 14 bis 18 Uhr können Kinder und Jugendliche von 8 bis 15 Jahren unter sorgfältiger Anleitung und Aufsicht ihre Ideen umsetzen, sukzessive und spielerisch erfahren, was so möglich ist, „ihre Fähigkeiten langsam anschieben und das Handwerkszeug vermitteln“ lassen. Für die Orientierungslosen hält das FabLab Baukästen-Ideen bereit. Das sogenannte OpenLab, immer samstags von 15-21 Uhr, ist dann für Erwachsene gedacht und „funktioniert prinzipiell genau so“, versichert Michael Mosburger. Es gibt mindestens zwei Ansprechpartner, die mit Rat und Tat bereitstehen. Außerdem, so der Vereinsvorstand, sei das OpenLab eine gute Gelegenheit, um den schon aktiven Bastlern mal über die Schulter zu schauen und sich einen Eindruck davon zu vermitteln, was so möglich ist. Das alles ist übrigens kostenlos – fast. „Wir freuen uns natürlich über Spenden, bei denen jeder geben kann, was er kann uns was es ihm wert ist“, erklärt Mosburger und aber auch, dass man bestimmte Verbrauchsmaterialien wie eine Holz- oder Laserplatte im Lab kaufen kann. Aber nicht muss, besteht doch die Möglichkeit, daheim vorhandenes Utensil einfach mitzubringen und zu bearbeiten. Auch wieder im Programm ist freilich das RepairCafé, bei dem vermeintlich kaputte Staubsauger, Kaffeemaschinen oder Plattenspieler unter professioneller Anleitung Reanimationsversuchen unterzogen werden können – in vielen Fällen ist es nur ein kleines Schräubchen oder Käbelchen, das ersetzt werden muss und so das Gerät vor dem Müll und den Besitzer vor einer teuren Neuanschaffung bewahrt. Ergänzt wird das regelmäßige Angebot von regelmäßig stattfindenden Workshops höchst abwechslungsreichen Inhalts, bei denen immer freitagabends für einen Obolus von 5 Euro beispielsweise profundes Wissen in puncto „3D Druck Modellierung“ vermittelt wird.

http://fablab-nuernberg.de/