Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Unsere Kulturhauptstadt 2025 - ein Modell

„Was muss passieren, damit Nürnberg Kulturhauptstadt 2025 werden kann?“ ist eine Frage, die seit dem Entschluss zur Bewerbung vor gut einem Jahr viele Geister unterschiedlichsten Formats umtreibt. Neben den Aufrufen zur Bürgerbeteiligung, Diskussionsrunden und vielen Gedankenkonstrukten sind es freilich auch die Künstler der Stadt selbst, die sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzen. So auch „ Edel Extra“, der Verein zur Förderung ästhetischer Prozesse, der seit seiner Gründung im Jahr 2014 längst zu einem Kunstort in Nürnberg avanciert ist. Jetzt stellt man sich hier, in der Gostenhofer Müllnerstraße, einem großen Projekt: In einem Modellbau zeigt der Verein in Zusammenarbeit mit dem Bündnis „Noris ohne Mauer“ und dem Kunst- und Kurhaus Katana, „wie wir uns Nürnberg gut vorstellen könnten“ – detailreich, fiktiv, 100 Prozent ernsthaft und 100 Prozent ironisch. „Wenn Nürnberg alles hätte, was andere Städte auch haben“, das fände Tobias Lindemann gut. Ein kleiner Teil dieses Traums materialisiert sich in seiner „Pegnitzphilharmonie“. Die ist unschwer zu erkennen dem hanseatischen Vorbild nachempfunden, verzichtet hierbei jedoch freilich nicht auf das, was Nürnberg dringend ausmacht: Sandstein und Fachwerk. Charakteristisch für Nürnberg, so Lindemann: Man baue modern, müsse sich aber ins Stadtbild einfügen. Auf einer gut acht Quadratmeter großen Fläche bauen die Künstler alles nach, was es schon gibt, was ihrer Meinung nach kulturell erwähnenswert ist – und was sie dringend noch vermissen. Durch die Landschaft fährt ein Zug, über allem thront, eh klar: die Burg. Die muss. Und wird freilich säuberlich nachgebaut. Nachbauten kann man finden von der Quelle oder einschlägigen Brunnen, von Wirtshäusern und Bahnhöfen, lieber nicht vom Autoverkehr, denn „wir arbeiten zwar sehr lösungsorientiert, aber manche Probleme sind auch uns zu komplex.“ Weitere Nachbauten befassen sich mit stillgelegten Konsumgebieten und den verlassenen Industrieanlagen, welche in kurzer Zeit von der Natur zurück erobert werden. Wenn es einen Albrecht-Dürer-Airport gibt und Merchandise-Artikel, fragt sich Claudia Holzinger, warum dann nicht gleich ein Albrecht-Dürer-Kernkraftwerk? Absurditäten dürfen, ja: sollen ebenso auf die Spitze getrieben werden wie „die Richtlinien, wie Kultur in Nürnberg verstanden wird: Dürer, Söder, Bratwurst.“ eingehalten. Aber, da sind sich Tobias Lindemann, Claudia Holzinger und Künstlerin Susanne Wohlfart einig: „Nürnberg kann mehr – und deswegen bauen wir ein Modell so, wie wir uns das vorstellen.“ Ob auch ernsthaft Vorschläge dabei sind? „Man muss es halt wollen“, findet Tobias Lindemann. „Die Frage ist, ob Nürnberg den Willen zur großen Geste hat.“ In circa zehn Gebäuden, darunter utopische Gebilde wie die „Stattmauer“, mit mehr als 30 Details zum Thema, möchte man den Besuchern und Bewohnern der „zukünftigen Kulturhauptstadt einen einzigartigen Überblick über die Wandlung der zweitgrößten bayerischen Stadt zur lebendigen und attraktiven Kulturhauptstadt“ verschaffen. „Waschmaschinen, Bratwurst, Spielzeug – eigentlich“, meint Claudia Holzinger, „wird das was ganz Traditionelles.“ Auf jeden Fall, versichert auch Tobias Lindemann, „keine neuartige Kultur, vor der die Nürnberger manchmal so Angst haben, sondern alles Dinge, die sie kennen.“


„Unsere Kulturhauptstadt 2025 – ein Modell“, bis 7. Januar im Schaufenster des „Edel Extra e. V.“, Müllnerstraße 22, Nbg, weitere Infos und Veranstaltungstermine unter facebook.com/edelextra