Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Squaredance mit den Honeycakes

Dass eine Musik spielt, jemand singt, Menschen tanzen, das ist ja an und für sich nicht weiter ungewöhnlich. Dass die Tänzer aber nie wissen, welchen Schritt, welche Figur sie gleich als nächstes ausführen werden, schon. Und dass sie hierzu mit höchster Konzentration auf die Worte des Sängers lauschen müssen, auch. Aber das, ist man sich an einem Mittwochabend im Gemeinschaftshaus Gostenhof einig, sei genau das, was den Reiz an ihrem Hobby ausmache. Das heißt „Square Dance“, und hinter diesem Namen verbirgt sich allerhand Verblüffendes.


Verblüfft über den Ansturm von Neugierigen auf den Square-Dance-Schnupperabend ist auch Monika Seitz-Dreschler, Vizepräsidentin des „Honeycake Squares e. V.“, seit fast 20 Jahren begeisterte Anhängerin dieses speziellen Hobbys und Mitveranstalterin des Schnupperabends, oder besser: Open House, der in Gostenhof stattfindet. Hier treffen sich die Tänzer und rund 30 Vereinsmitglieder jede Woche, um zu tanzen, zu lachen und vor allem zu lernen. Gut 60 Schnupperwillige haben sich nun eingefunden, um zu erkunden, was es auf sich hat mit diesem Sport, bei dem sich „nicht nur der Körper, sondern vor allem auch der Kopf bewegt“, wie Monika Seitz-Dreschler sagt. Es gibt hierbei nämlich keine feste Choreographie, sondern „jeder Abend, jeder Tanz ist anders“. Standardmäßig stellen sich vier Paare im „Square“ also im Quadrat auf – acht und 16 gehen auch, Hauptsache durch vier – um dann zu tun, was ein sogenannter „Caller“, also ein Zurufer, befiehlt. Je nachdem, was Caller Walter Lungner vorhat, entsteht ein Tanz, der aus aneinandergereihten Figuren, jeder mit einem eigenen Namen versehen, besteht. Tanzelemente, die aus zwei bis 32 Takten bestehen können, erklärt Vereinstvorstand Manfred Lichius, der nicht nur Square Dance erklärt, sondern auch lachen, wie er selbst sich vor 20 Jahren widerstrebend zum neuen Hobby hat hinführen lassen – um dann nie wieder davon loszukommen. Square Dance ist „Kopfsport für alle Altersklassen“, sagt Lichius. Entstanden in der Hochzeit amerikanischer Siedler, kam der Tanz mit dem Krieg als „Modern American Suqare Dance“ nach Europa. Weil die Pioniere damals kaum eine gemeinsame Sprache hatten, tanzen aber bekanntlich immer verbindet, pickte man sich aus den verschiedenen Volkstänzen die besten Stücke raus, versah sie mit englischen oder französischen Begriffen und rief sich die dann nacheinander zu. Und siehe da: Schon kann gemeinsam getanzt werden. Voraussetzung dafür ist natürlich, die Tanzelemente und deren Namen zu verinnerlichen – pro Level von Basic über Mainstream bis Fortgeschritten können das bis zu 50 Stück sein. Die gilt es, zu trainieren. Warum das so wichtig ist, demonstrieren die Honeycake Squares gleich zu beginn. Caller Walter Lugner singt zum Instrumental, die Tänzer klatschen, drehen sich, wechseln die Partner, haben Freude und alles sieht sehr harmonisch aus. Was für den Laien kaum erkennbar ist: In den Text des Liedes flicht der Caller die Befehle ein. Es gilt also, sich in höchstem Maße zu konzentrieren. Musikalisch ist alles drin: Country, Pop, aber auch schon Klassik hat’s gegeben, Hauptsache 4/4-Takt, und mit der passenden Kleidung aus Petticoats und Westernhemd fühlt man sich gleich ein bisschen wie im Wilden Westen. Ein Vorteil dieser Standardisierung: Weltweit können überall alle Square Dancer miteinander spontan Spaß haben. Anna Vilinski ist bereits infiziert: „Ich habe das schon einmal in Erlangen gesehen und das hat mir gut gefallen“, sagt die 66-jährige Schnupperabendbesucherin, „diese Bewegungen, dass man drauf achten muss, wie das geht, und dabei Leute kennenlernen und Spaß haben.“ So sehen das auch Daniela (62) und Lutz (63) Dargatz, die „mit dem Alter was fürs Gedächtnis tun wollen“, ihre baldige Rente sinnvoll gestalten und „immer schon einen Tanzkurs machen wollten, und das hier ist gut für meinen Mann“, lacht Frau Lutz: „Hier muss er sich nur Befehle merken.“ Auch Sascha Maisel will’s gerne angehen. Der 31-Jährige begleitet seine Freundin, die schon länger Square Dance betreibt. Da hat er zugeschaut und fand alleine das schon toll, „konnte aber nie auseinanderhalten, was Lied ist und was Call“, und ist „echt gespannt, wie das weitergeht.“ Seinen ersten Tanzversuch hat Sascha Maisel mit den übrigen Schnupperabendbesuchern schon absolviert: In sehr launiger Art und Weise vermittelte Caller Walter Lugner einem bunt gemischten Haufen verschiedene Figuren, da ging’s links und rechts und „all up to the middle with a cowboy-yeah“. Dass das in Windeseile viel Verwirrung und Menschenknäuel gibt – na klar. Aber vor allem gab es eins: viel viel Freude. Und den Rest? Den kann man lernen.


Wer auch mal schnuppern möchte, kann das am Mittwoch, 28.9. ab 19 Uhr im Nachbarschaftshaus Gostenhof (Adam-Klein-Str. 6) tun. Der eigentliche Kurs in Kooperation mit dem Bildungszentrum Nürnberg beginnt mit dem ersten von zehn Übungsabenden am 5. Oktober mit jeweils 90 Minuten immer mittwochs von 19 bis 20.30 Uhr.

http://www.honeycake.org/