Katharina Wasmeier

Freie Journalistin, Autorin, Lektorin, Nürnberg

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Comedy-Mix - Die offene Bühne der Kulturkellerei

„Offene Bühne“, da kann man durchaus schon mal kurz Angst bekommen. Vor Selbstverwirklichern und Selbstdarstellern, vor Abkupferei und Trittbrettfahrern, vor Flachwitzen und sedierenden Überraschungen. Dass das gar nicht zwingend sein muss, beweist seit einiger Zeit Jürgen Grubers „Comedy-Mix“, der Ende 2012 im Café Ludwigs aus der Taufe gehoben wurde und mittlerweile einen festen Platz im Monatsprogramm der Kulturkellerei einnimmt. Das Konzept ist so unaufgeregt wie praktikabel: Vier bis sechs Künstler, die laut Gruber „meist durchaus über Bühnenerfahrung verfügen“, ergattern sich per Bewerbung acht bis 20 Minuten, die sie für Comedy im engeren und weiteren Sinn nutzen. Der Eintritt ist frei, der Spendenhut nimmt hinterher gerne an, was der Zuschauer als angemessen erachtet. Da dürfte am vergangenen Donnerstag einiges zusammengekommen sein, zumindest, wenn man davon ausgeht, dass Gelächter-Frequenz ein durchaus valides Messinstrument ist. 


Das Schöne an so einer Offenen Bühne ist ja, dass der Zuschauer weiß, was ihn im Zweifel erwartet, und zwar „eine Chance für jeden: Künstler, die neue Sachen, und Anfänger, die sich überhaupt mal ausprobieren wollen.“ Oder halt so thematische Ausrutscher wie eine Yela, die zwar durchaus hübsch anzusehen ist, ihre Bauchtanz-Darbietung aber reichlich wenig mit Lustig, sondern vielmehr mit Werbung für ein Bellydance-Festival zu tun hat. Aber man verzeiht’s dem Gruber, schließlich hat er sozusagen als Ausgleich „daEbner“ zu Besuch gehabt, und der bringt mit niederbaierischer Beleidigkeit, Gitarre und einer Mundharmonika, in der – Achtung, erste Reihe! – noch die „Bröckerl“ der letztens genossenen Raffaelo-Torte hängen müssten, das Lachtränenfass hurtig zum Überlaufen. Ein Verlierertyp, der Tatsachenberichte über die seelische Grausamkeit der Frauenwelt und gescheiterte Heldentaten mundartet, das mag man gern, mag man das, sowie auch in weiten Strecken das Moderatoren-Duo Gruber und Star FM-Jochen Prang mindestens mit dem bewährten Kollegen-Bashing bestens funktioniert. 


Das tut auch Marcel Wagner, kleiner Mann mit großem Gerät (namentlich einer Loop Station), mit dem sich nicht nur Schlager und Klassik in Windeseile eindrucksvoll als 17-stimmiger Kanon vortragen lassen, sondern auch eine „Schula-ula“ zum Afrika-Lied und weitere deutsche Nonsense-Wörter zu großer Rhythmik vereinen: „Comedy ist geil: Je blöder, desto besser.“ Stimmt nicht immer, aber das muss ein anderer erst noch lernen. Quod licet Bembers, not licet Chris Strobler, aber wenn er noch ein paarmal übt, dann könnte das durchaus weniger laut und dafür so gut werden wie der kleine Denis Matusczyk, der mit wenig Präsenz, dafür sehr viel sehr feinem Wortwitz und großer Selbstironie zugange ist und dabei nicht nur Muttergefühle weckt sondern auch den leisen Verdacht, dass da einer schon viel zu hören bekommen hat – neben Unterhosen-Tipps von der Mama  und Sex-Geräuschen vom WG-Kumpanen den Mega-Reim auf seinen Vornamen und allen Titulierungen, die eins mit einem prominenten Kinn so kriegen kann. Marin Luther Kinn. Burger Kinn. Ha! Leise-verträumtes Highlight: Akrobatik-Pantomime Lukas Aue, die verträumte Spielbudenfigur, die traurig-komisch die kleine Bühne ausreizt und zu améliesken Tönen als hölzerner Tanzclown eine Blume liebt. 


Nächster Termin: 3. April 2014, 20 Uhr, Kulturkellerei, Bewerbungen möglich unter info@comedy-mix.de; www.comedy-mix.de