Katharina Schuster

Freie Journalistin und Nachrichtenredakteurin

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Studie: Zuwanderung 2015 geht nicht auf Merkel zurück

Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt sich 2015 zusammen mit einem Flüchtling fotografieren. Quelle: dpa

Eine Studie zeigt, dass Merkels Flüchtlingspolitik im Jahr 2015 keinen messbaren Einfluss auf die späteren Migrationsbewegungen nach Deutschland hatte. Ein Überblick:


Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Studie zeigt, dass die starke Zuwanderung 2015 nicht auf Merkels Flüchtlingspolitik zurückgeht. 
  • Stattdessen waren die hohen Migrationszahlen Ergebnis eines Aufwärtstrends, der bereits 2010 begann. 
  • Nach 2015: Starker Rückgang der Migration, insbesondere durch die zunehmend restriktive Migrationspolitik Deutschlands.

Im Jahr 2015 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Tausenden Asylbewerber*innen ermöglicht, die Grenze nach Deutschland zu überqueren. Ihre Willkommenskultur in der Flüchtlingspolitik wird oft als Auslöser für einen Aufwärtstrend bei der Zuwanderung gesehen. Aber ist das wirklich so?


Eine Studie der Universität Potsdam und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft kommt zu dem Schluss: Die hohen Zuwanderungszahlen im Jahr 2015 lassen sich nicht auf die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel zurückführen. Stattdessen seien sie das Ergebnis eines Aufwärtstrends gewesen, der sich seit Jahren abgezeichnet habe.


Merkels Flüchtlingspolitik war kein Migrationstreiber

"Eine offene Migrationspolitik für Menschen in Not führt nicht zwangsläufig zu einer langfristig anhaltenden Zuwanderung", stellt Studienautor Tobias Heidland fest und weiter:

"Zwar verbreitete sich die Nachricht von Angela Merkels Entscheidung rasant über Medien und soziale Netzwerke, doch der von Kritikern befürchtete Pull-Effekt, dass sich erst deswegen viel mehr Asylsuchende auf den Weg nach Deutschland machen würden, trat nicht ein." Tobias Heidland, Co-Studienautor

Selbst die Auswanderungsabsichten potenzieller Migrant*innen in den Herkunfts- oder Erstasylländern wie der Türkei stiegen laut Studie höchstens kurzfristig an.


Über die Studie "The Myth of the Merkel effect"

Die Studie wurde von der Universität Potsdam in Zusammenarbeit mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft veröffentlicht. Die Forscher Jasper Tjaden und Tobias Heidland untersuchten eine breite Palette von Datenquellen: verschiedene Datensätze des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, der Europäischen Union, Umfragedaten in den Herkunftsländern und Google-Suchdaten.


Ursachen für den Aufwärtstrend bei der Zuwanderung

Die hohen Migrationszahlen nach Deutschland im Jahr 2015 waren demnach das Ergebnis eines Aufwärtstrends, der bereits 2010 begann und sich 2014 und 2015 zum Teil durch Finanzierungslücken bei der Versorgung von Geflüchteten in den Erstaufnahmeländern im Nahen Osten verstärkte.


Zwischen 2015 und 2017 erhielt Deutschland laut Studie etwa die Hälfte aller EU-weit eingereichten Asylanträge. Allein im Jahr 2015 gingen 1,1 Millionen Anträge ein. Dabei scheint 2015 eher den Höhepunkt eines Trends zu markieren als seinen Beginn. In der Studie heißt es: "Wir beobachten einen massiven Anstieg der Zahl der Einwanderer und Asylsuchenden bis 2015, der sich 2010 und 2011 - dem Jahr, in dem der syrische Bürgerkrieg begann - beschleunigte."


Nach 2015 gingen Migrationsbewegungen zurück

Statt sich weiter zu beschleunigen, gingen die Migrationszahlen nach 2015 deutlich zurück - sogar schneller als in anderen EU-Zielländern wie Frankreich, Italien oder Spanien. Das spiegelt sich laut Studie auch in den Anfragen bei Google wider: "Bei der Zahl der Personen, die auf der Online-Suchmaschine Google im Rahmen von Visa und Einwanderung nach Deutschland gesucht haben, beobachten wir nach einem nahezu linearen Aufwärtstrend zwischen 2006 und 2013, nach 2015 einen rückläufigen Trend."


Eine Vielzahl von Faktoren sei für den starken Rückgang in der Migration nach 2015 verantwortlich, insbesondere die zunehmend restriktive Migrationspolitik Deutschlands - unter anderem das EU-Türkei-Abkommen, die Schließung der Balkanroute, die Beschränkung des Familiennachzugs sowie die verbesserten Lebensbedingungen für syrische Geflüchtete in den Lagern des Nahen Ostens.


Ausblick: Was zeigt die Studie für die Zukunft?

"Unsere Analyse zeigt sowohl, dass eine Willkommenspolitik nicht zwangsläufig mehr Zuwanderung produziert, als auch, dass Staaten sich schnell an veränderte Rahmenbedingungen anpassen und Migration regulieren können", erläutert Co-Studienautor Jasper Tjaden. "Was wir aus der deutschen Flüchtlingspolitik seit 2015 lernen können, ist auch für andere Staaten relevant: Sie können dringend benötigten Flüchtlingsschutz gewähren - und wieder begrenzen, wenn Kapazitäten erreicht sind." Jasper Tjaden, Co-Studienautor

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