Katharina Schuster

Freie Journalistin und Nachrichtenredakteurin

1 Abo und 0 Abonnenten
Artikel

Wo bleibt der „grüne Aufschrei" in der Medienbranche?

Grüne Medienproduktion

Für Kulturstaatsministerin Grütters ist es ein „Meilenstein" für die Filmbranche. Mitte Februar haben sich Film- und Fernsehproduzent*innen in einer gemeinsamen Erklärung zu mehr Klimaschutz bei ihrer Arbeit verpflichtet. Warum wir als Medienschaffende nicht mehr an Green Shooting vorbeikommen - ein Überblick.


Von Katharina Schuster 


Es ist ein ungewöhnliches Duo, dass sich in Wien zusammengetan hat: Auf der einen Seite ist da Klimaaktivistin Greta Thunberg. Die junge Schwedin protestiert seit August 2018 regelmäßig dafür, dass sich die Politik mehr für den Klimaschutz einsetzt. Auf der anderen Seite ist da Schauspieler Arnold Schwarzenegger. Seine politische Karriere fand ihren vorläufigen Höhepunkt in der Ernennung zum Gouverneur von Kalifornien.


Was die beiden trennt, sind 56 Jahre an Lebensalter; was die beiden vereint, ist der Kampf gegen die Klimakrise. Denn auch der 72-Jährige kämpft nicht nur als Terminator gegen das Böse, sondern auch als Medienschaffender gegen den Klimawandel. Anlässlich des dritten Klimagipfels seiner selbst gegründeten Nichtregierungsorganisation R20 - Regions of Climate Action am 28. Mai 2019 drängten beide darauf, keine Zeit mehr zu verlieren. Thunberg rief dazu auf, in allen Bereichen des Lebens umzudenken.


Was also unternimmt die Medienbranche gegen die globale Erderwärmung?

Denn auch die „schöne und kreative" Branche leistet einen nicht zu vernachlässigbaren Beitrag zum Klimawandel. Die Film- und Fernsehbranche verbraucht in hohem Maße Ressourcen, ihr ökologischer Fußabdruck wird in der Öffentlichkeit weit unterschätzt. Das hat die University of California zwei Jahre lang zwischen 2003 und 2005 untersucht. Die Langzeit-Studie Sustainability in the Motion Picture Industry kam zu dem Ergebnis, dass die Filmindustrie zu den größten Umweltverschmutzern in Los Angeles gehört. 


Vor dem Fernseher oder dem Laptop ist für die Konsument*innen davon erstmal nichts zu spüren. Aber sieht man genauer hin fällt schnell auf: Die meisten Wege werden mit dem Auto zurückgelegt, statt langen Zugfahrten wird eher auf den Flieger zurückgegriffen. „Bisher sind in der Welt herumfliegende Filmcrews nicht gerade ein Paradebeispiel für Klimaschutz. Das hat auch die Branche erkannt", sagte Kulturstaatsministerin Grütters bei der Vorstellung des Entwurfs für mehr „Green Shooting" in der Filmbranche. 


Für das Catering wird Unmengen an Plastik verwendet und die Scheinwerfer - die funktionieren nur zu einem Bruchteil mit den ökologischeren LEDs. Bei der Produktionskette über Transport, Unterbringung, Energieverbrauch, Dekorationsbau, Spezialeffekte oder Catering kommt eine gewaltige Umweltbelastung pro Person und Drehtag zusammen.

Philip Gassmann, Regisseur und Green-Shooting-Experte, arbeitet zurzeit an einer Erhebung, wie viel das ist. Seine Einschätzung: Man könne definitiv sagen, dass die Emissionen und die Umweltbelastungen in der Film- und TV-Branche auch in Deutschland zunehmen.


Green Producing - Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Doch es gibt Hoffnung: Das Green Filmshooting, auch Green Producing genannt, ist ein nachhaltiges Drehen, das die Ressourcen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einer Produktion schonen soll. Seinen Ursprung hat es in Hollywood, wo Schwarzenegger das nachhaltige Produzieren mit seiner Prominenz im Filmsektor vorantreiben konnte.

2009 formulierte Hollywood einen Code of Best Practice, einen Maßnahmenkatalog mit konkreten Schritten für die Filmbranche, der über die Jahre auch zu uns nach Deutschland kam. Doch noch ist das Green Producing in Deutschland eine Nische, obwohl das Wissen schon seit zehn Jahren vorhanden ist.


Politik und Gesellschaft beschäftigen sich immer mehr mit Nachhaltigkeit, Firmen versuchen ihren ökologischen Fußabdruck zunehmend gering zu halten und Journalist*innen greifen verschiedene Aspekte des Themas auf. Das kann im Umkehrschluss auch nur einen Wandel der Arbeitsweise von Medienschaffenden bedeuten. Hierzu gehört ein Bekenntnis zu nachhaltigerem Arbeiten, sowohl aus ökologischer als auch aus sozialer Sicht.

Zum Original