Katharina Nickel

Online-Journalistin (Digital, Tech & Science) & Medienmanagerin , Berlin

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Das Märchen vom Roboter und einem Scheißhaufen

Saugroboter Roomba ist im Haus vielleicht ein bisschen zu reinlich

Sie arbeiten reinlich, sorgfältig und eigenständig. Eigentlich sind Vakuum-Staubsauger eine Erfindung, von der alle begeistert sein könnten. Nicht so Jesse Newton. Vor allem dann nicht, wenn sein Haushaltshelfer auf die Exkremente seines Hundes trifft.


Es war einmal ein Familienvater namens Jesse Newton, der lebte in Little Rock, Arkansas, und hatte einen kleinen Roboter. Weil dieser sorgfältig und geschickt Böden in Wohnungen, Häusern und Büros saugte, nannten ihn alle Roomba. Er war sehr beliebt, war der Sieger bei Staubsauger-Tests, zählte bei Amazon zu den zehn meistverkauften Staubsaug-Robotern und war angeblich ideal für Haustierbesitzer.

Newton programmierte seinen Roboter deshalb so, dass er jeden Tag um 01:30 Uhr die Fußböden seines Hauses saugte, damit am Morgen auch alles schön sauber werden würde.


Eines Morgens jedoch hatte Evie, der Hund der Familie, einen kleinen Unfall: Er machte ein Häufchen auf den Teppich. Das ist an sich für ein Haustier nichts Ungewöhnliches. Bei den Newtons führte es allerdings zu einer Poopocalypse oder auch Pooptrastrophe, wie die Familie es nannte.


Im ganzen Land war dieser Begriff als Xbox-Spiel bekannt und tatsächlich lag auch in Little Rock die Wahrheit nicht weit entfernt. Roomba war nämlich wie jeden Morgen mit dem Saubermachen beschäftigt, aber beachtete das unerwartete Hindernis nicht. Mit voller Kraft fuhr er über die Hunde-Fäkalien und setzte dann seinen Weg unbeirrt fort.


Das war vielleicht ein schöner Schock für die Familie, als sie sah, dass ihr Roboter den Mist überall im Haus verteilt hatte. „Wir wachten in einem Haus auf, das einem Kacke-Bild von Jackson Pollock ähnelte", sagte der Vater. Boden, Stuhlbeine, Teppiche und alles, was in Reichweite des kleinen Roomba gewesen war, war voller Poop. „Die Räder, die eine bewegliche Oberfläche für bessere Zugkraft besitzen, haben über sieben Meter Spuren im ganzen Haus hinterlassen", beschwerte sich der Vater weiter.


Newton versuchte, den Roboter zu reparieren, aber das half nichts. Das verdross ihn sehr. Zur Sicherheit zeichnete er ein Diagramm des Kack-Pfades, den Roomba hinterlassen hatte, und machte die Katastrophe öffentlich. Er beschwerte sich bei der Firma iRobot, die die vielen Roombas herstellen. Sie wurde vor langer Zeit, im Jahr 1990, von Robotik-Spezialisten des MIT gegründet. Da ward der Roboter des Vaters gleich anstandslos ersetzt.


„Um ehrlich zu sein, sind uns viele dieser Vorfälle bekannt", reagierte ein Sprecher von iRobot. „Normalerweise sagen wir den Käufern, dass sie den Roomba nicht timen sollen, wenn sie zum Beispiel Hunde besitzen. Mit Haustieren kann alles passieren." Möglicherweise werde das Unternehmen künftig einen Sensor entwickeln, mit dem die Bots die Fäkalien sofort erkennen. Doch wenn sie nicht gestorben sind, verteilen sie's noch heute.

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