Katharina Kugelmeier

Journalistin / Redakteurin / PR / Social Media / Texterin, Grevenbroich

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Special

Beruf Pilot: Traum oder Albtraum?

„Was willst du mal werden, wenn du groß bist?“ Diese Frage kennt sicher jeder, und was früher ein typischer Kleinjungentraum war ist heute mehr und mehr auch der Traum vieler Mädchen und Frauen. „Pilot!“

Doch ist dieser Beruf der Traum, den viele damit verbinden? Was verspricht man sich davon, einen solchen Beruf zu erlernen? Denn wenn man nicht zu den wenigen Glücklichen gehört, die einen gesponserten Ausbildungsplatz einer renommierten Airline ergattern konnten, ist der Weg ins Cockpit nicht nur ein langer und harter sondern in erster Linie auch ein sehr teurer. Zwischen 60000€ und 70000€ liegen heute die durchschnittlichen Ausbildungskosten an privaten Schulen, und meist wird es im Laufe der Ausbildung mit Nebenkosten noch um einiges teurer.  Bei solch hohen Kosten drängt sich schnell die Frage auf, warum so viele junge Menschen bereit sind, meist ohne zu zögern so hohe Kosten für eine Berufsausbildung in Kauf zu nehmen. Und das, obwohl sie nicht einmal einen garantierten Job im Anschluss in Aussicht haben.

An dieser Stelle bringt der mit dem Beruf verbundene Traum  die nötigen Flügel. Piloten haben doch alles, wovon man träumt – sie haben ein überdurchschnittlich hohes Gehalt, einen besonders Prestigeträchtigen Beruf, sind ständig an den schönsten Orten der Welt und das alles kombiniert mit besonders viel Freizeit. Und genau damit werben die meisten Flugschulen, und auch in der Gesellschaft wird man wohl mit genau diesen Merkmalen den Beruf der Piloten umschreiben.  Doch wie sieht die Realität aus? Ist es wirklich das, was einen nach einer Ausbildung erwartet? Ein gerader Weg ohne Probleme in ein Cockpit? Nein, leider sieht die Wahrheit ganz anders aus. Natürlich ist das Gefühl, die Wolken zu durchbrechen und an der Sonne zu arbeiten unbezahlbar, doch der Weg nach der Ausbildung in den Beruf ist härter, als die Ausbildung selbst, und er ist lang und steinig. Nach wie vor gibt es Vorbehalte gegenüber Frauen im Cockpit, auch wenn sie nicht mehr laut ausgesprochen werden, die Auswahlverfahren sind teilweise unfassbar hart und haben mit den geforderten Fähigkeiten für den eigentlichen Beruf nur wenig gemein, die Kosten für den Erhalt der benötigten Scheine und Lizenzen laufen erbarmungslos weiter, und wenn man dann eine Stelle in Aussicht hat wird einem bei den gebotenen Gehältern meist übel. Die rosigen Zeiten mit exorbitanten Gehältern sind schon längst vorbei, Bruttoeinstiegsgehälter von 2200€ sind keine Seltenheit, eher der höhere Durchschnitt. Oft findet man Crews, wo Flugbegleiter mehr verdienen als der Pilot im Cockpit, und das obwohl weder Ausbildungskosten noch die Verantwortung auch nur im Ansatz vergleichbar sind. Häufig zu finden sind heutzutage sogar Programme, wo junge Piloten ihre geforderte Musterberechtigung (zwischen 10000€und 35000€) auf eigene Kosten erwerben müssen, ein Zustand, der vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Auch sicherheitsrelevante Aspekte werden auf Grund von Kosteneinsparungen oft sehr weit ausgelegt, jeder LKW Fahrer hat kürzere Lenkzeiten als die Flugdienstzeiten der Piloten. Doch eben diese Schattenseiten werden den jungen Menschen nicht vermittelt, statt dessen spielt man erbarmungslos mit den bekannten Träumen der Gesellschaft. Und nicht wenige, die in diesen Kostenstrudel nach der Ausbildung fallen, geben irgendwann auf, mit Schulden, zerbrochenen Träumen und nur wenig Perspektiven, denn als anerkannter Beruf gilt Pilot in vielen Ländern bis heute nicht.

Daher sollte sich jeder junge Mensch die Frage stellen, ob er bereit ist, für die zweifelsfrei vorhandenen schönen Momente solche Risiken und Kosten in Kauf zu nehmen.