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Die Radikalität des Nichtstuns

Christian ist erst Anfang 20 als plötzlich nichts mehr geht. Er führt sein eigenes Unternehmen, druckt Werbefolien mit eigens angeschafften Maschinen, um damit Jeeps und Helikopter zu bekleben. 70 Stunden muss er pro Woche arbeiten, damit er die hohen Betriebskosten überhaupt reinbekommt. Das Wochenende verbringt er mit Feiern, vielen Drogen, viel Alkohol. Zwei Tage, um die restlichen fünf zu überstehen. Bis ihm ein LSD-Trip auf einem Festival die Augen öffnet. „Ich war so naiv", sagt Christian, der eigentlich anders heißt, heute über seine Arbeit. „Ich naiv, und das System kaputt." Zurück im Arbeitsalltag schafft er es in der Früh kaum noch aus dem Bett, die Müllsäcke beginnen, sich im Büro zu stapeln. Er fühlt sich ausgebrannt. Die Frage, die sein ganzes Leben umstürzen sollte, ist plötzlich unausweichlich: Braucht es meinen Job überhaupt? Christians Antwort: Nein. Er beschließt, die Lohnarbeit und ein für ihn sinnlos gewordenes System hinter sich zu lassen und vorerst mal nichts zu tun.


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