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Canberra: Schwerreich und unglücklich in Australien

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Eines hasst Gina Rinehart angeblich besonders: wenn sie Millionen-Erbin genannt wird. Und dieser Unmut ist verständlich. Zwar hinterließ Bergbaupionier Lang Hancock seiner Tochter Gina in der Tat 1992 ein Vermögen von 75 Millionen australischen Dollar (52 Millionen Euro). Doch dieses Erbe vervielfachte Rinehart seither 266-mal. 20 Milliarden australische Dollar besitzt sie heute, vor allem dank Australiens Rohstoffboom und Chinas Hunger nach Eisenerz. Den hatte der Farmer und Pionier Hancock 1952 bei einem Flug übers westaustralische Outback im Gestein funkeln sehen, laut Legende reiner Zufall. Beim Betrieb der Minen und Verkauf der Rohstoffe bewies er unternehmerisches Geschick. Dazu gesellte sich seine Begeisterung für Superlative, die seine Tochter bis heute teilt. Im Mai begann der Abbau in der ersten Mine, die Rinehart zu über 70 Prozent allein besitzt: Roy Hill in der Pilbara Region ist mit 10 Milliarden australische Dollar das derzeit größte Bergbauprojekt des Landes und soll - sobald 2015 fertiggestellt - 55 Millionen Tonnen Eisenerz im Jahr für den Export produzieren.

Diese Aussicht könnte Rinehart verschmerzen helfen, dass sie eine andere Nummer-eins-Position kürzlich einbüßte. 29,2 Milliarden krönten die Australierin 2012 erstmals zur reichsten Frau der Welt. Den Titel musste sie an L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt abgeben, nachdem 2013 sinkende Eisenerzpreise ihr Konto schrumpften. Doch Australiens reichster Mensch ist die 60-Jährige nach wie vor, und zwar mit Abstand: Rinehart ist drei Mal so vermögend wie Australiens Nummer zwei auf der BRW-Reiche-Leute-Liste, Anthony Pratt, dessen Verpackungskonzern laut Business Review Weekly 7,64 Milliarden Dollar wert ist.

Besonders viel Freude oder Freunde allerdings scheint das Leben im Geldregen der Westaustralierin nicht zu bringen. Ihre Familie trifft sie eher vor Gericht als zum Tee, der Umgangston ist vor allem rau: Stiefmutter Rose Porteous beschimpfte Gina einst als "Filipino Hure". Lang Hancock selbst nannte seine Tochter damals "rachsüchtig und verschlagen", begleitet von unschönen Kommentaren über ihre Figur. Auch drei ihrer eigenen vier Kinder, John, Bianca und Hope, klagen gern. Sie wollen die Mutter als Treuhänderin des Familienvermögens entmachten.

Nur Ginia, die Jüngste, steht zur Mutter, belohnt durch Jobs in der Firma: Mit 25 wurde sie Direktorin von Hancock Prospecting und Hope Downs, einer Erzmine, die jede Woche 40 Millionen bringt. Hope Welker, die zweitälteste Tochter zog sich kürzlich aus dem Gerichtstrubel zurück, in dem jetzt noch John und Bianca mit der Mutter über die Treuhänderschaft des Vermögens streiten. Richtig glücklich klingt das alles nicht. Zu ihrer Hochzeit in Hawaii lud Bianca 2013 bewusst keine Familie ein.

Außer in Erz macht Rinehart in Uran, Gold, Diamanten, Kohle - und seit ein paar Jahren in Medien. Interviews gibt sie selten, hätte aber gern mehr zu sagen: Daher kaufte sie zehn Prozent am TV-Sender "Ten" und für 200 Millionen Dollar Anteile am Zeitungshaus Fairfax.

Den Großteil ihres Vermögens verdankt Rinehart jedoch nach wie vor kostbarem Eisenerz, das Bergleute mit Hochdruck Tag und Nacht aus der westaustralischen Pilbara schaufeln. Schnell, doch irgendwie nicht schnell genug für Australiens eiserne Lady: Noch mit ihrem Vater überlegte sie seinerzeit, das rote Gold per Nuklear-Explosion aus dem Boden zu bomben. Diese Idee allerdings kam selbst im Rohstoff-verliebten Australien weniger gut an.

Gina hat viel, nur was andere Australier Spaß oder Entspannung nennen, ist in ihrer Nähe schwer zu finden. Ihr Zuhause in Perth ähnelt einer Festung: "Gefahr Hochspannung" warnen Schilder vor Mauern, hinter denen es privat eher unspannend zugeht. "Sie kennt kein Sozialleben", sagt Werbemillionär Singleton, "nur Arbeit." Einen Leibwächter soll sie immerhin gemocht haben. Doch der musste gehen, so die örtliche Presse, als er sich 1997 weigerte, die Chefin zu heiraten. Er hatte schon eine Freundin. In Queenslands Hauptstadt Brisbane kaufte sie diesen Monat für 14 Millionen ein Anwesen am Fluss, vier weitere Millionen gab sie für das Nachbargrundstück aus, weniger um auch dort zu bauen, sondern um mit insgesamt 4000 Uferquadratmetern mehr Abstand zur Nachbarschaft zu genießen.

Denn je mehr Geld Rinehart hat, umso weniger gern teilt sie. Mit einer gewaltigen Werbekampagne kämpfte sie 2012 gegen Labors Bergbausteuer, die Gewinne aus Rohstoff-Förderungen besser verteilen wollte. Nach Wahlsieg des konservativen Tony Abbott 2013 kam sie ihrem Ziel näher.

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