Julia Henys

Freie Journalistin , Hamburg

1 Abo und 0 Abonnenten
Artikel

Planinsolvenz: Experte zweifelt an Crocodiles-Rettung

Die spieler der crocodiles bitten fans und unterstuetzer um spenden
Die Rettungs-Aktion der Crocodiles Hamburg ist gestartet. Bis zum 15. Januar sollen für den in finanzielle Schieflage geratenen Eishockey-Oberligisten durch Spenden 200.000 Euro zusammenkommen. Die MOPO hat bei dem renommierten Hamburger Steuerberater und Finanzexperten Hans-Jürgen Beil (71) nachgefragt: Wie steht es um die Zukunft der „Crocos"? MOPO: Herr Beil, wie schätzen Sie die Planinsolvenz der Crocodiles Hamburg ein?

Hans-Jürgen Beil: Eine Planinsolvenz ist keine schlechte Art, weil der Verein wirtschaftlich überleben kann.

Aber?

Ich halte solche Planverfahren eher für eine Beruhigungspille. Es wird versucht, die Gläubiger und die Fans erst einmal ruhig zu stellen, um dann nach einer gewissen Zeit festzustellen, dass die Planzahlen gar nicht erfüllt werden können.

Die Crocodiles bauen jetzt auf eine Sammelaktion. Wie stehen Sie dazu?

Realistisch gesehen glaube ich nicht, dass in knapp vier Wochen die 200 000 Euro zusammenkommen. Aber ich hoffe es natürlich.

Also ist das Ihrer Meinung nach eine Ankündigung des Untergangs?

Natürlich muss der Verein alle möglichen Register ziehen, um gewisse Hoffnungen zu erhalten. Wenn diese Sammelaktion jedoch in die Hose geht, ist das Thema auch erledigt.

Kann ein Verein denn auch gestärkt aus einer Insolvenz herausgehen?

Eine Insolvenz ist nie positiv!

Inwieweit wirken sich auch die Zuschauerzahlen auf die Lücke aus?

Die Zuschauer spielen natürlich eine Rolle für die laufende Liquidität. Jedoch wird es schwer für den Verein, diese während einer Insolvenz aufrecht zu erhalten.

Wieso?

Es darf im Sport eigentlich nichts mehr passieren, was einen negativen Einfluss hat. Der Sport definiert sich nach wie vor über Erfolg. Nur mit Erfolg kann ein Verein nachhaltig Gewinne generieren.

Sie gehen also auch davon aus, dass Spieler weggehen werden?

Die Spieler wollen auch nur sehen, wo sie ihr Geld verdienen. Und da ist die Loyalität unter Profis nicht groß.

Abschließend: Hat Eishockey in Hamburg überhaupt noch eine Chance?

Es wäre schade, wenn es nicht so wäre. Doch die Summe ist nicht ohne. Da müssen einige Leute schon mal ordentlich Geld abgeben.

Zum Original