Jule Zentek

Freie Journalistin | Wirtschaft, Finanzen, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Dortmund

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Was die Neue Rechte so gefährlich macht

Sie treten jung und modern auf, zeigen sich als Jugendbewegung mit nationalistischen Parolen. Auch Rapper Chris Ares sieht sich als Teil der Bewegung. Über 800.000 Klicks zählen manche seiner Musikvideos auf Youtube.

Er selbst bezeichnet sich als Patriot, der seine Liebe zum Deutschtum zeigt und will "Anlaufpunkt für die deutsche Jugend in Deutschland" sein. Dabei gilt Hip-Hop eigentlich als ein Musikstil, der von verschiedenen Kulturen und ethnischen Minderheiten geprägt ist.

Gesichter wie von nebenan

Der Verfassungsschutz bezeichnet Ares als rechtsextrem. Doch er ist nur eines von vielen Sprachrohren der Neuen Rechten. Sie werben um Unterstützung mit Flyern, in Magazinen und im Netz. Die Identitäre Bewegung, die der Verfassungsschutz ebenfalls beobachtet, verbreitet ihre völkischen Parolen in modern gestalteten Videos oder durch Banneraktionen wie auf der Kölner Hohenzollernbrücke und am Brandenburger Tor. Sie warnen vor dem " großen Austausch".

Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Verschwörungstheorie. Nach Meinung der Neuen Rechten plant die Elite des Landes, die heimische Bevölkerung durch Einwanderer zu ersetzen.

Neue Rechte verschleiern ihre Ideologie

Der Verfassungsschutz sieht in der Ideologie den "Nährboden für Rechtsterrorismus". " Sie sind die Brücke zwischen dem klassischen Rechtsextremismus und der bürgerlichen Mitte", sagt Burkhard Freier, Leiter des NRW-Verfassungsschutzes. Ihre rassistische Ideologie würden sie durch Sprache und Mimikry verschleiern. Statt "Ausländer raus" sagen sie "Remigration". Ihr "Ethnopluralismus" steht für "wir wollen eine einheitliche weiße Rasse haben".

Laut dem Terrorismusexperten Peter Neumann sind die Mitglieder der Identitären Bewegung selbst keine Terroristen. " Wir wissen aber von Terroristen, die ihre Narrative als Handlungsanweisung für sich interpretieren", sagt Neumann. So lautete der Titel des Manifest des Attentäters von Christchurch "the great replacement" - "der große Austausch".

Nähe zwischen AfD und Identitärer Bewegung auch in NRW

Auch führenden AfD-Funktionären sprechen vom "großen Austausch" wie AfD-Bundessprecher Alexander Gauland in seiner Rede beim Kyffhäuser-Treffen 2018 oder der NRW-Landtagsabgeordnete Roger Beckamp auf Twitter.

Überhaupt gibt es eine große Nähe zwischen der AfD und der Neuen Rechten. Das "Arcadi-Magazin", das die Herausgeber als " heimatverbundenes" Kultur- und Lifestylemagazin beschreiben, wirbt offen für die Identitäre Bewegung. Im Arcadi Shop gibt es auch Fanartikel vom Rechtsrapper Chris Ares zu kaufen.

Gleichzeitig gibt es dort Interviews mit AfD-Landtagsabgeordneten wie Thomas Röckemann oder Rüdiger Lucassen und unter den Autoren finden sich AfD-Funktionäre. Verantwortlich für das Magazin ist Yannick Noé, Kreisverbandssprecher der AfD Leverkusen und Mitarbeiter eines AfD-Landtagsabgeordneten. Dabei hat ein Parteibeschluss die Zusammenarbeit mit der Identitären Bewegung eigentlich ausgeschlossen.

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