Jordan Raza

Volontär @Deutsche Presse Agentur (dpa)

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Sorgen für Sportler: Olympia-Vorbereitung "beeinträchtigt"

Die Coronavirus-Pandemie ist auch das dominierende Thema für die Sportler in der Hauptstadt. Wie steht es um die Berliner Vereine, Olympia-Athleten und Freizeitsportler?

Berlin. Fußballplätze und Trainingsstätten sind gesperrt, Fitnessstudios und Schwimmhallen geschlossen - ein ganz normaler und geordneter Trainingsbetrieb ist in Berlin aufgrund der Coronavirus-Krise derzeit kaum möglich. Die Sorgen sind groß. "In den vergangen Tagen sind über einhundert Anfragen von Vereinen sowie von einzelnen Sportlerinnen und Sportlern eingegangen", teilte der Landessportbund Berlin der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit.

Die Herausforderungen für Vereine sind immens und in ihrer Dimension wie in anderen Bereichen der Gesellschaft laut LSB auch noch nicht absehbar. Die Vereinssorgen umfassten aktuell vor allem drei Bereiche. Zum einen geht es um die Nutzung der Sportinfrastruktur. Außerdem bewegt viele Clubs besonders "die Bezahlung von haupt- und nebenberuflichem Personal wie Übungsleitungen, Trainerinnen und Trainer". Dritter wichtiger Punkt sind die finanziellen Regelungen für Veranstaltungen und Trainingsfahrten. "Also wer zahlt bei Absage was", teilte der LSB mit.

Ausnahmen gebe es momentan wenige - im Wesentlichen nur für Profi-Mannschaften oder Kaderathleten mit Olympia-Perspektive. Diese Anträge würden kurzfristig bearbeitet, hieß es vom Verband, der trotz Ausnahmeregelung die Vorbereitung der Athleten auf die Spiele in Tokio "im hohen Maße beeinträchtigt" sieht. Alle gemeinsamen Anstrengungen seien darauf ausgerichtet, für sehr kleine Trainingsgruppen abgeschlossene Bereiche zu entwickeln. So wolle man Infektionen in der Gruppe und Übertragungen von Infektionen nach außen weitgehend geschlossen halten, hieß es.

Um sich trotzdem fit zu halten, müssen viele Olympia-Athleten improvisieren - so auch Kanu-Olympiasieger Max Hoff (37), der sein Krafttraining im Wohnzimmer mit ein paar Hanteln und an einer Klimmzugstange absolviert. Ein Boot, das in Berlin liege, könne er einem Bericht der "Berliner Zeitung" zufolge nicht nutzen. Zum Ruder-Stützpunkt in Tegel habe Hoff auch keinen Zutritt. Wenn in Europa für ein oder zwei Monate der Trainingsbetrieb ausgesetzt werde, "dann brauche ich im August nicht gegen den Rest der Welt anzutreten", sagte Hoff und sprach von Wettbewerbsverzerrung.

Wie viele andere Athleten in der Olympia-Vorbereitung hofft Hoff, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ein von den Behörden genehmigtes Trainingszentrum in Kienbaum bei Berlin einrichtet. Sie versprechen sich dadurch trotz der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus eine vernünftige Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio. Bestätigt ist dies bislang noch nicht.

Weitere Sonderregelungen vor allem für Freizeit- und Amateursportler sind derzeit bis 19. April nicht vorgesehen. Die Sondergenehmigung wird von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport erteilt. Es gebe sie nur, "wenn die beantragten Trainingseinheiten - in Abstimmung mit dem DOSB - zwingend erforderlich sind", sagte Martin Pallgen, der Pressesprecher der Senatsverwaltung, der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die Hauptstadt-Clubs Hertha BSC und 1. FC Union Berlin haben mit der aktuellen Situation zu kämpfen. Aufgrund eines positiven Befunds auf das Coronavirus bei einem Spieler befinden sich Mannschaft, Trainer- und Funktionsteam der Herthaner derzeit sogar in häuslicher Quarantäne.

Die Unioner verschoben den für diesen Freitag geplanten Start ihres Mannschaftstrainings. "Bis zum 31. März machen wir jetzt erstmal Individualtraining. Die Spieler bleiben zuhause, bekommen individuelle Pläne", sagte Geschäftsführer Oliver Ruhnert am Donnerstag in einer Videobotschaft des Vereins auf Twitter. Die Entscheidung sei gemeinsam mit dem Präsidium und dem Cheftrainer Urs Fischer getroffen worden. Der Spielbetrieb in der Bundesliga ist bis zum 2. April ausgesetzt, in Berlin darf bis zum 19. April nicht gespielt werden.

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