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Kollege verloren, Chance verschenkt

Kündigt ein Mitarbeiter seinen Job, verlaufen die Gespräche über die Motive meist oberflächlich. Dabei geht enormes Potenzial verloren: Unternehmen könnten von Abgängern lernen, um Fluktuation zu verringern.

Unternehmen gehen mit Kündigungen ganz unterschiedlich um, je nach Situation und Person. Manche Mitarbeiter werden kommentarlos verabschiedet, um andere wird noch gebuhlt, in der Hoffnung, sie bleiben. Je nach Branche ist es üblich, dass der Chef ein förmliches Gespräch anberaumt. Und fast immer, wenn ein solchen Trennungsgespräch stattfindet, ist von vornherein klar: Auf die Fragen nach dem "Warum" erhält das Unternehmen eine verzerrte Auskunft. Betroffene zögern, ehrliches Feedback zu geben und suchen häufig Ausreden.

Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktkonstellation wäre es für Personaler allerdings wichtiger denn je, die wahren Kündigungsgründe zu kennen, sagt Sabine Kirchhoff vom Marktforschungsinstitut Kantar. Ist die Fluktuation hoch, steigen auch die Kosten. Außerdem leidet die Arbeitgeberreputation und die Akquise von Nachwuchsmanagern oder Fachkräften wird immer schwieriger, wenn eben erst eingearbeitete Talente beziehungsweise Spezialisten nach kurzer Zeit wieder gehen wollen. Und sie leidet umso mehr, je unergiebiger das Ausstiegsgespräch für beide Seiten verläuft. Nicht nur, dass der Arbeitgeber eine miese Bewertung bei Kununu und Co. fürchten muss. Er verschenkt auch einen Lerneffekt.

Tatsächlich besteht in vielen HR-Abteilungen der Eindruck, freiwillige Kündigungen nähmen zu. [...]


Auszug aus: Personalwirtschaft, Ausgabe 09/2019