Jennifer Ilona Lange

Politik- und Wirtschaftsjournalistin, Hamburg

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Radio-Beitrag

Iranabkommen: Viele deutsche Firmen stehen in den Startlöchern

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Wer mit dem Iran Geschäfte machen will, hat es schwer. Das liegt an den internationalen Wirtschaftssanktionen wegen des iranischen Atomprogramms. Doch das könnte sich jetzt ändern. Die Politiker haben im Juli ein Abkommen unterzeichnet und wollen die Sanktionen gegen den Iran schrittweise aufheben. Darauf haben viele Firmen in Deutschland nur gewartet. Der Iran ist ein Milliardenmarkt. Jennifer Lange hat mit zwei Unternehmern gesprochen.

Es geht ums große Geld. Wie viele iranische Milliarden schlummern wohl auf ausländischen Bankkonten? Und was könnten die 80 Millionen Iraner damit wohl alles aus Deutschland importieren? Das fragen sich Ahad Rashidi-Azar und Abbas Shirazi – beide aus dem Iran, seit Jahrzehnten in Deutschland und Geschäftsführer zweier Import-Export Firmen mit Sitz in Hamburg.
„Der iranische Markt ist ziemlich lukrativ und auch ziemlich groß und deswegen ist auch das Interesse enorm,“ sagt Shirazi, der vorwiegend die iranische Großindustrie, etwa Raffinerien, beliefert. Aufgrund der jahrelangen Sanktionen hat der Iran einen großen Nachholbedarf. Es fehlen Ersatzteile für die Eisenbahn, die Flugzeugflotte ist veraltet, und Industrieanlagen müssen auf den neuesten Stand gebracht werden. Allein für den Wiederaufbau der iranischen Ölindustrie sind 100 Milliarden Dollar nötig, so der iranische Industrieminister. Viele Unternehmen mussten in Folge der Sanktionen Konkurs anmelden.

„Schätzungsweise zwischen 40 und 50 Prozent der Industriebetriebe haben zugemacht“, sagt Shirazi. Doch jetzt wittern die iranischen Unternehmer neue Chancen. Viele suchen derzeit Geschäftspartner in Deutschland, sagt Ahad Rashidi-Azar, der Maschinen für die Eisenbahn- und Zuckerindustrie in den Iran exportiert. Einmal im Monat fliegt er nach Teheran. „Iranische Leute kennen Deutschland sehr gut. Normalerweise, iranische Leute, wenn das made in Germany, Preis und alles, akzeptieren sie so.“ Der Bundesverband der Deutschen Industrie schätzt, dass die deutschen Exporte nach Wegfall der Sanktionen schnell auf zehn Milliarden Euro steigen könnten – das wäre vier Mal so viel wie heute.
Bisher haben die beiden Unternehmer allerdings noch mit den internationalen Wirtschaftssanktionen zu kämpfen, vor allem mit dem Geldtransfer über die Banken. „Konkret ist das Problem so, wenn die Kunden Waren bestellen, in dem Moment, wo sie bezahlen wollen, bekommen sie Probleme. Aufgrund diese Sanktionen sind Transaktionen erschwert, das heißt unmöglich gemacht worden. Die Banken arbeiten nicht mit uns,“, sagt Shirazi. Jede Transaktion wird genauestens geprüft. Nach drei/vier Wochen kommt das Geld dann an – oder es wird zurückgeschickt bzw. eingefroren. Das bestätigt auch Rashidi-Azar: „Wir haben keine Problem mit Ware exportieren, aber wir können nicht Geld kriegen.“

Manchmal wollen Kunden sie daher mit Bargeld bezahlen. „Aber dann kriegen wir Probleme mit dem Finanzamt“. Sie umgehen das Problem, indem sie Waren und Gelder über ein drittes Land wie die Türkei oder Dubai schicken. „Aber durch diese Umwege, das wird immer teurer“. Sie müssen den Zwischenhändler zahlen, aber auch für die teuren Wechselkurs-Geschäfte und höheren Transportkosten aufkommen. Importe lohnen sich unter den Bedingungen fast nicht. Im vergangenen Jahr hat Deutschland lediglich Waren im Wert von knapp 300 Millionen Euro gekauft. Aber das wird sich bald ändern, hofft Rashidi-Azar: „Wir haben das viele Anfragen, von das deutsche Firma, das europäischen Firma. Wir können viele Teile verkaufen.“

Der Prozess dafür ist losgegangen. Der Iran hat in Berlin ein großes Kontaktbüro für deutsche Firmen eingerichtet. Die Regierung will im kommenden Jahr 90 Flugzeuge bei Airbus und Boeing kaufen. Siemens hat gerade einen neuen Großauftrag an Land gezogen. Und auch die deutschen Autobauer stehen schon Schlange.