Jennifer Ilona Lange

Politik- und Wirtschaftsjournalistin, Hamburg

1 Abo und 6 Abonnenten
Artikel

Der schwierige Start in die Karriere danach

Für den sportlichen Erfolg muss der 23 Jahre alte Tobias Franzmann viel Aufwand betreiben: Der amtierende Ruder-Weltmeister im Leichtgewichtsachter fährt zwei- bis dreimal am Tag zum Training in den Olympiastützpunkt in Hamburg. Klar, dass da für sein Bachelor-Studium im Wirtschafts-Ingenieurswesen oder Praktika wenig Zeit bleibt: "Wenn ich im Trainingslager bin oder bei Wettkämpfen wie einer Weltmeisterschaft, dann habe ich überhaupt keine Chance, Berufserfahrung zu sammeln."

Sportler wie Franzmann sollen von der neuen Praktikantenbörse der Sporthilfe profitieren. Nachdem er dort vor Kurzem ein Profil von sich angelegt hat und Bewerbungen geschrieben hat, wartet er nun darauf, dass sich Unternehmen bei ihm melden. "Man muss den Unternehmen erst einmal vermitteln, dass man ja nicht wie jeder Student bei einem Praktikum 38 Stunden in der Woche arbeiten kann", sagt Franzmann. Das Problem sei, jemanden zu finden, der dafür Verständnis hat.

Sportler bringen Leistungsbereitschaft und Teamgeist mit

Mehrere Hundert Unternehmen haben sich bisher bereit erklärt, Spitzensportlern ein Praktikum zu ermöglichen. Zwar müsse ein Betrieb viele Kompromisse eingehen, wenn er mit einem Sportler zusammenarbeitet. Aber es komme auch viel zurück, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Vorstellung der Praktikantenbörse in Berlin: "Die Sportler bringen vielleicht nicht aus dem Stand die Fachkenntnis mit, die man braucht. Aber sie bringen Schlüsselqualifikationen mit, die im Laufe eines beruflichen Lebens immer wichtiger werden, zum Beispiel Leistungsbereitschaft. Sie können sich zusammenreißen, sie wissen, was ein Team ist. Sie wissen, wann es drauf ankommt."

Franzmann hofft, dass eine seiner Bewerbungen für ein Praktikum erfolgreich ist. Im Moment ist er im neunten Semester, in einem Jahr will er seinen Abschluss in der Tasche haben. Und sein nächstes großes sportliches Ziel visiert er ebenfalls im kommenden Jahr an: Im Sommer 2016 will er bei den Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im deutschen Vierer rudern. Klappt es trotz vollem Einsatz im Training nicht mit dem Sprung in den Olympia-Kader, dann will er sich ganz seiner beruflichen Karriere widmen.

Van Almsick: "So viel Hilfe gab es früher nicht"

So viel Hilfe wie heute gab es früher nicht, sagt die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin Franziska van Almsick bei der Vorstellung der Praktikantenbörse in Berlin. Im Alter von 35 Jahren macht sie gerade ihr Abitur nach. "Ich bin eigentlich ein gutes Beispiel dafür, wie es eigentlich nicht laufen soll oder wie es schlecht laufen kann. Dass man nach einer erfolgreichen Sportkarriere ohne etwas Richtiges, ohne einen richtigen Abschluss dasteht", sagt das Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Sporthilfe.

Berufliche Karriere rechtzeitig planen

Hockeyspieler Jonas Swiatek vom Bundesligaklub Uhlenhorster HC in Hamburg will bei seinem Karriereende nicht unvorbereitet dastehen. "Grundsätzlich kann man sagen, man kann von dem Sport später nicht leben. Man muss sich also nebenher eine berufliche Karriere aufbauen, eine Ausbildung machen", darüber ist sich der 24 Jahre alte Nationalspieler im Klaren. Wann der Übergang von der sportlichen zur beruflichen Karriere erfolgt, sei ganz verschieden: "Manche Leute spielen mit über 30 noch, andere hören mit Anfang 20 auf. Ich spiele so lange, wie es mir Spaß macht und ich es nebenher noch schaffe."

Swiatek hat gerade einen Job bei einem Bauunternehmen im Projektmanagement begonnen. Er merkt, dass es sehr schwer und anstrengend ist, Leistungssport und Arbeit miteinander zu verbinden. Aber er hat auch aus den Erfahrungen seiner Hockey-Kollegen gelernt: Wer nebenher keine Berufserfahrung sammelt, hat es später schwer.

Zum Original