Jennifer Ilona Lange

Politik- und Wirtschaftsjournalistin, Hamburg

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CO2 Ampeln im Klassenzimmer

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Mathelehrer Martin Friedemann hält ein kleines eckiges weißes Gerät in die Luft. Es ist eine CO2-Ampel.

O-Ton Martin Friedemann, Mathelehrer Heinrich-Heine-Gymnasium Hamburg
„Ich muss das jetzt an den Strom anschließen. Und dann wird hier angezeigt wie groß der CO2 Gehalt in der Luft ist.“

Das Umweltbundesamt empfiehlt solche Geräte für Schulen oder Büros. Denn von der CO2 Konzentration in der Luft, lässt sich auf die Menge schwebender Aerosole schließen. Und diese kleinsten Partikel gelten als einer der Hauptüberträger des Corona-Virus.

Morgens um acht sind die Fenster im Heinrich-Heine-Gymnasium in Hamburg-Poppenbüttel noch zu. Die Werte klettern schnell nach oben. Nach bereits 15 Minuten ist ein kritischer Wert erreicht.

O-Ton Martin Friedemann, Mathelehrer Heinrich-Heine-Gymnasium Hamburg
„Wir müssen jetzt also bitte mal kräftig lüften. Alle Klappen, die es irgendwie gibt, bitte mal aufmachen.“

Bis zu einem Wert von 1000 ppm – was für ein Millionstel Teilchen steht – ist die Luft gut, sagt das Umweltbundesamt. Hier im Klassenzimmer ist der CO2 Wert in 15 Minuten auf knapp das doppelte angestiegen.

Aber das Stoßlüften hilft. Der Wert sinkt schnell wieder auf gut 400. Das ist so viel wie in der Außenluft.

Die Schüler beobachten das Gerät auf dem Lehrerpult genau.

Thore Gebien, Schüler
„Ich finde das spannend, weil man dann auch wirklich mal sieht, wie viel wir hier in der Klasse an CO2 ausstoßen, weil man das vorher gar nicht so richtig untersucht hat.“

O-Ton Josephine Gösch, Schülerin
„Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell hoch geht und dass so schnell die Luft verbraucht ist.“

O-Ton Krischan Liedtke, Schüler
„Aber dann geht’s ja auch schnell wieder runter, wenn man die Fenster aufmacht und durchlüftet.“

Doch was ist gutes Lüften? Professor Martin Kriegel von der Technischen Universität Berlin forscht seit knapp zehn Jahren zur Verteilung von Partikeln in Räumen.

O-Ton Martin Kriegel, Professor Technische Universität Berlin
„Wenn nach ein paar Minuten die Temperatur dann kalt ist, dann denken wir oder die Laien denken dann oh, jetzt ist ja überall frisch die Luft, und die Luft ist ausgetauscht und frei von solchen Aerosolen und das stimmt eben nicht. Wir müssen viel länger lüften, damit tatsächlich die Luftqualität in den Räumen auch gut ist und die Aerosol Konzentration damit niedrig.“

Er empfiehlt: 15 Minuten mit Durchzug.

Als nächstes steht Englisch auf dem Stundenplan der zehnten Klasse. Die Fenster stehen dieses Mal auf Kipp. Es dauert doppelt so lang bis die CO2-Ampel einen kritischen Wert anzeigt. Lehrer Christian Borck fordert die Schüler auf, die Fenster zu öffnen.

O-Ton Christian Borck, Schulleiter Heinrich-Heine-Gymnasium Hamburg
„Es ist eine große Hilfe, wenn man, man gewöhnt sich an, ab und an zur Seite zu sehen, wo stehen, denn die Werte, und dann kann man sich eben überlegen, wann passt es in meiner Stunde, wann ich unterbreche.“

Denn eine Unterbrechung des Unterrichts ist es. Das Umweltbundesamt empfiehlt alle 20 Minuten die Fenster zu öffnen. Für mehrere Minuten. Doch das wird im Winter bei Sturm und Schnee ungemütlicher.

Martin Wesselmann vom Umweltbundesamt sitzt hinten im Klassenzimmer und beobachtet den Test.

O-Ton Martin Wesselmann, Kommission Innenraumlufthygiene Umweltbundesamt
„Das ist typisch für solche Szenarien. Es gibt auch Grenzfälle, wo es noch viel viel mehr werden kann. Bis zu drei, vier, 5000 ppm in Unterrichtsräumen.“

Er würde sich daher festinstallierte Filteranlagen in Schulen wünschen. Doch die sind schlichtweg zu teuer. Da bleibt weiterhin nur: regelmäßig Lüften.

Das schützt nicht nur von einer Ansteckung mit dem Corona-Virus, sondern fördert auch die Konzentration.