Jennifer Ilona Lange

Politik- und Wirtschaftsjournalistin, Hamburg

1 Abo und 6 Abonnenten
Video

Homeschooling - Wie ohne Laptop, Drucker, Internet?

Wird geladen ...

Schulunterricht übers Telefon. Noufal ist 12. Und versucht seine Aufgaben zu erledigen.

Seit einem Monat sitzt er nicht in der Schule, sondern hier. Das Wohnzimmer ist der größte Raum im Haus. Dank seiner vier jüngeren Geschwister aber auch der lauteste.

O-Ton Noufal Alhussein, Schüler, 5. Klasse
„Ich benutze mein Mutters Handy, weil mein Handy kaputt gegangen ist. Und wir müssen ja zu dritt auf dem Handy arbeiten und meine Mutter braucht es manchmal. Deswegen ist es dann schwer.“

Die Familie hat keinen Computer, keinen Drucker, kein WLAN – nutzt das Datenvolumen des Handys.

Da es bei vielen seiner Klassenkameraden Zuhause ähnlich aussieht, läuft das meiste analog - auf Papier. Zu Beginn der Schulschließungen haben Noufal und seine Geschwister einen großen braunen Umschlag mit Schulheften bekommen.

Wenn Noufal etwas nicht versteht, kann er seinen Lehrer anrufen. Er will was lernen.

Noufal: „Herr Pegesa, / ja hallo,/ ich habe eine Frage, bei Seite 68, das habe ich nicht verstanden, ich lebe. / Perfekt schreib mal auf. / L-i-e-b-t – / Wie bitte? L-e-b-t – ne?/ Aber liebe schreibt man doch mit „ie“ / Aber es ist nicht lieben. Es ist leben.

O-Ton Noufal
„In der Schule ist es besser, weil dann steht der Lehrer daneben. Dann kann er es dir zeigen.“

Wenn es Noufal zu viel wird, geht er nach oben in sein Zimmer. Das teilt er sich mit seinem jüngeren Bruder. Platz für einen Schreibtisch gibt es nicht. „Also ich lerne schon was. Besser als nix. Aber in der Schule ist es eigentlich immer besser.“

//

Währenddessen in Hamburg in der Notbetreuung. Julian ist eines von drei Kindern, das heute in die Schule kommt. Seine Eltern arbeiten im Krankenhaus, sind also systemrelevant.

O-Ton Yvonne Dannenberg, Schulleiterin Grundschule Vizelinstraße
„Die Kinder werden, wenn sie zurückkommen einfach sehr unterschiedlich auf dem Lernstand sein.“

Bei so wenigen Kindern gibt es eine eins-zu-eins Betreuung.
Noch wichtiger als Lesen, Schreiben, Rechnen, findet sie jedoch gerade das Soziale, die Situation emotional aufzuarbeiten.
Die Lehrer rufen die Schüler aus bildungsfernen/sozial schwachen Haushalten daher jeden Tag an.

Zudem gibt es in Hamburg eine Sonderregel. Zur Notbetreuung dürfen auch Kinder, die Zuhause schwierige Lernbedingungen haben.

O-Ton Yvonne Dannenberg, Schulleiterin Grundschule Vizelinstraße
„Und da haben wir uns alle Familien, die wir kennen einzeln im Grunde angeguckt und besprochen mit den Klassenlehrern, macht es Sinn, die Kinder phasenweise hierherzuholen. Ist es vernünftig für die Kinder. Sind die hier teilweise besser aufgehoben über den Tag, zwischendurch, um die Situation Zuhause auch für alle anderen zu entlasten. Im Moment haben wir die Kapazitäten dafür, weil einfach noch nicht so viele da sind, die den Bedarf auf Grund der Arbeit so viel, so dringend brauchen.“

Genutzt werde es bisher selten. Eltern hätten zu große Angst, dass ihr Kind sich dann vielleicht in der Schule anstecke.