Jennifer Johnston

(geb. Lange) Crossmediale Reporterin, Hamburg

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Baustelle Digitalpakt

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Digitale Tafeln, Computer, Laptops. Diese Hamburger Grundschule ist verhältnismäßig gut ausgestattet. Was fehlt sind Lehrer, die sich mit der Technik auskennen. Mit dem neuesten Gerät - bezahlt mit Geldern aus dem Digitalpakt – fremdelt auch die Schulleiterin noch.

Yvonne Dannenberg, Schulleiterin Grundschule Vizelinstraße
„Die Schwierigkeit, die wir haben, ist einfach fehlendes Sachwissen über die Technik heutzutage. Alle Leute, die meisten Leute, die in der Schule arbeiten, sind eigentlich Pädagogen und nicht Netzwerkadministratoren.“

Laut einer Umfrage im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung haben Lehrer einen riesigen technischen Nachholbedarf. Zwei Drittel der Schulen seien nicht gut auf den digitalen Fernunterricht vorbereitet.

Sie ist an dieser Schule eine Ausnahme. Schaltet sich regelmäßig mit ihren Schülern zum Matheunterricht zusammen.

Die drei haben die Technik Zuhause

„Laptop, Mac Book, Laptop.“

Meist ausgeliehen von den Eltern. Aber immerhin – viele Schüler haben nur ein Smartphone.
Und funktioniert die Technik immer?

Cid Fiedler, Schüler
„Ab und zu bleibt man stehen, dann sieht man aus wie versteinert. Und das ist manchmal ganz schön witzig.“

Hier ist auch einiges stehen geblieben.

Maike Schubert, Schulleiterin Stadtteilschule Winterhude
„Die Ausstattung im Schulgebäude selbst ist noch nicht so dolle, wir haben hier einen Computerraum, der ist veraltet, so würde man heute einen Computerraum nicht mehr einrichten.“

Die Leiterin der Stadtteilschule hat daher 100 Tablets über den Digitalpakt beantragt. Die wollen sie einzelnen Schülern wegen Corona mit nach Hause geben. Aber

Maike Schubert, Schulleiterin Stadtteilschule Winterhude
„Auf die 100 warten wir schon seit Mitte Februar.“

Es gibt Lieferschwierigkeiten.

Die Digitalisierung in Deutschland ginge im Vergleich zu anderen europäischen Ländern viel zu langsam, sagt die Expertin.

Birgit Eickelmann, Prof. für Schulpädagogik Universität Paderborn
„Da sehen wir einfach, dass wir ein Problem in den Strukturen haben und dass wir auch da das Problem haben: Wir haben eine gute Idee. Und bis wir die umgesetzt haben, dauert es zu lange und das ist so dieses Bild, dass ich im Kopf habe, ist das Hase und Igel Spiel. Immer wenn wir denken wir haben was auf den Weg gebracht, dann sind im Prinzip andere Länder schon weiter.“

Wie bürokratisch und lang der Weg in Deutschland ist, zeigen die nackten Zahlen.
Im Digitalpakt liegen insgesamt 5 Milliarden Euro bereit. Bewilligt wurden 40 Millionen €. Das sind weniger als 1%, ein Bruchteil.
Einige Bundesländer hatten Ende des vergangenen Jahres noch keinen einzigen Cent beantragt.

Die Corona-Krise hat der Stadtteilschule dennoch einen digitalen Schub gegeben. Dank der Eigeninitiative von drei Lehrern, sind jetzt 97 Prozent der Schüler online.

Michael Pehle, Lehrer Stadtteilschule Winterhude
„Das ist absehbar, dass wir das nicht auf Dauer so leisten können, die Wartung des Systems, ich denke da müssen Profis auch in die Schulen kommen und zwar IT Profis.“

Es braucht eben nicht nur Geld, und einen Computer im Klassenraum, sondern auch das nötige Personal.