Jennifer Ilona Lange

Politik- und Wirtschaftsjournalistin, Hamburg

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Brexit-Vorbereitungen von Unternehmen

Packhalle bei Tchibo in Hamburg

Kommt es zum Brexit am 29. März - oder werden die Pläne noch einmal durcheinander gewirbelt? Im Moment scheint alles möglich. Bereits seit Monaten rüsten sich auch viele Unternehmen in Norddeutschland für den Tag des Austritts Großbritanniens aus der EU - und die möglichen Folgen von diesem Schritt. NDR Info hat unter anderem in Hamburg bei einem Kaffeeproduzenten und in Niedersachsen bei einem Gewürzhersteller nachgefragt.


Bei Tchibo in der Packhalle duftet es nach gerösteten Kaffeebohnen. "Hier auf der Linie läuft heute ein Produkt, was auch nach England geliefert wird: Cafe Crema, 500 Gramm", sagt Unternehmenssprecher Arnd Liedtke. Versiegelte Kaffee-Beutel flitzen über ein Laufband, landen in großen braunen Pappkartons, bereit für ihre Reise nach England.

"Wir bereiten uns seit einiger Zeit auf alle Eventualitäten vor, zum Beispiel und zuallererst, indem wir die Bestände erhöhen. Das geht nur bis zu einem bestimmten Punkt, denn Kaffee muss frisch sein", sagt Liedtke.

Das Vereinigte Königreich als wichtiger Absatzmarkt

Hotels, Cafes, Büros - das sind die Tchibo-Kunden im Vereinigten Königreich - ein wichtiger Markt, wie der Sprecher sagt: "Wir haben in England selber eine Rösterei, die den englischen Markt versorgt. Wir haben aber auch hier in Hamburg einen nicht geringen Teil in unserer Rösterei. Wir produzieren jährlich über Tausend Tonnen für den englischen Markt hier aus Hamburg." Das sind umgerechnet zwei Millionen der Kaffeebeutel auf dem Fließband.

Sorgen um Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis

Für die Fuchs-Gruppe aus Dissen im niedersächsischen Landkreis Osnabrück ist England ebenfalls ein wichtiger Markt - sie produziert Gewürze, hat Ende 2017 den zweitgrößten Gewürzhersteller Großbritanniens übernommen. Geschäftsführer Nils Meyer-Pries sorgt sich nun vor allem um die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis seiner Mitarbeiter: "Sehr viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben keine britische Staatsangehörigkeit. Die unterstützen wir natürlich in ihrer gefühlten Unsicherheit und bei den Schritten, die jetzt für die Personen möglich sind."

Der britische Markt sei der drittgrößte Gewürzmarkt Europas, erklärt Meyer-Pries. Ein ungeregelter Brexit sei da sehr schlecht fürs Geschäft: "Wir investieren im Moment in die Lieferfähigkeit für den Fall, dass wirklich Grenzen geschlossen werden. Das heißt wir müssen in Vorräte investieren."

Lange Lkw-Staus an den Grenzen?

Tausende Unternehmen im Norden haben derzeit ähnliche Probleme. So stockt auch der Nivea-Hersteller Beiersdorf aus Hamburg seine Lagerbestände auf. Sogar eine eigene Task Force wurde eingerichtet, um sich auf den Austritt Großbritanniens aus der EU vorzubereiten.

Das Unternehmen Kampmann aus Lingen bereitet sich vor allem auf die neuen Zölle vor. Die Verantwortlichen vermuten, dass es zu langen Staus an den Grenzen kommen wird, da jeder Lkw einzeln abgefertigt werden muss - eine neue bürokratische Herausforderung. Das Familienunternehmen produziert seit 35 Jahren Lüftungen, Heizungen und Kühlsysteme für den britischen Markt.

Das Hin und Her erschwert die Planungen

Der Autobauer BMW sieht die mögliche Verschiebung des Brexits besonders kritisch. Die jährliche Wartung in den vier britischen Werken ist extra von Juli auf April vorgezogen worden. Durch die Produktionspause in den Wochen nach dem vermutlichen Brexit will BMW möglichen Lieferverzögerungen aus dem Weg gehen. Sollte der Brexit verschoben werden, würde dieser Plan nicht aufgehen. Eine solche Verschiebung könnte bereits diese Woche stattfinden.

Bei Tchibo teilt man den Ärger über das Hin und Her. "Für die Planer ist das ein echter Graus. Insofern kann man nur sozusagen von Tag zu Tag auf Sicht fahren und versuchen mit den Problemen umzugehen. Aber natürlich ist das ärgerlich. Klar", sagt Unternehmenssprecher Liedtke. Vieles sei einfach noch völlig ungeklärt. Man müsse flexibel bleiben und abwarten. So lange rattern bei Tchibo in Hamburg die Bänder weiter für den britischen Markt.


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NDR Info | Aktuell | 11.03.2019 | 06:38 Uhr Zum Original