Jennifer Ilona Lange

Politik- und Wirtschaftsjournalistin, Hamburg

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Umweltminister: Diesel aus, Landstrom an!

Kreuzfahrtschiffe und Containerriesen im Hamburger Hafen verschmutzen die Luft

Saubere Luft in den Häfen wünscht sich Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck: "Dass Schiffe im Hafen Dieselmotoren laufen lassen, ist schlecht für die Luft und fürs Klima und nicht mehr zeitgemäß."

Zusammen mit seinen norddeutschen Kollegen aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen will der Grünen-Politiker auf der derzeit laufenden Umweltministerkonferenz in Potsdam für umweltfreundliche Alternativen werben, beispielsweise Landstrom.

Nur ein Schiff nutzt Landstromanlage

Die einzige Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe in Deutschland bietet derzeit Hamburg-Altona: Sie läuft seit April dieses Jahres im Regelbetrieb. Seitdem hat nur ein einziges Schiff das Terminal angefahren: die "AIDAsol". Zwölf Mal hat sie sich bisher mit dem dicken Landstromkabel verbunden.

Es dauert eine knappe halbe Stunde, bis die Motoren abgestellt werden und der Ökostrom fließen kann. Ungefährlich sei das nicht, sagt Hansjörg Kunze, Sprecher von AIDA Cruises. Es bestehe jedes Mal die Gefahr, dass ein Kurzschluss entstehe und die Landstromanlage oder das Schiff beschädigt werden. AIDA sieht sich hier nach eigenen Worten als "Pionier" einer neuen Technologie.

So viel Energie wie eine Kleinstadt

Landstrom ist derzeit jedoch mehr als drei Mal teurer als Schiffsdiesel. Daher sei es für Reeder wirtschaftlich nicht interessant, darauf umzusteigen. Das liegt unter anderem an der EEG-Umlage, die auch für diese Stromart fällig wird.

Die norddeutschen Umweltminister können sich daher vorstellen, sie für Landstrom zu verringern. Das könnte Landstrom attraktiver machen. Zum Beispiel müssen Schienenbahnen schon jetzt nur 20 Prozent der Umlage zahlen.

Flüssiggas LNG als Alternative

Der Verband Deutscher Reeder sieht die Zukunft jedoch im Flüssiggas LNG. Das reduziere die Schadstoffemissionen nicht nur im Hafen, sondern auch auf See. "Das ist so sauber, dass man gar nicht mehr über Landstrom nachdenken muss", sagt Sprecher Christof Schwaner. Flüssiggas sei zudem günstiger und ermögliche eine flexiblere Route.

Landstromanlagen gibt es bisher nur in sehr wenigen Häfen. Sie ergeben nur dann Sinn, wenn eine Reederei einen festen Kurs hat und immer die gleichen Häfen ansteuert, wie beispielsweise die Stena-Fähre zwischen Rostock und Trelleborg. Seit Oktober dieses Jahres gibt es auf der schwedischen Seite eine kleine Landstromanlage. Hier gibt es eine kleine Anlage für die Stena-Fähren, die regelmäßig zwischen Rostock und Trelleborg pendeln. Die Hamburg Port Authority (HPA) sucht Möglichkeiten, Landstrom-Anschlüsse auch für Containerschiffe anzubieten. Der Hamburger Terminalbetreiber HHLA sieht das Projekt jedoch mit einiger Skepsis: Es gebe weder einheitliche Anschlüsse auf Containerschiffen noch sei die Frage geklärt, wie Starkstromkabel durch den Hafen verlegt werden könnten.

Zweite Landstromanlage in der Hafencity

Die Stadt Hamburg und der Hafen setzen auf den Landstrom. Ein zweiter Terminal mit einer Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe wird derzeit in der Hafencity gebaut. Es soll 2021 fertig sein. Die bestehende Landstromanlage in Altona soll im kommenden Jahr neben der "AIDAsol" auch von der "Europa 2" angefahren werden. Für die bestehende Anlage in Altona laufen Gespräche mit mehreren Reedereien. Die Stadt hofft, dass im kommenden Jahr weitere Schiffe das Terminal anfahren. AIDA Cruises will ihre Besuche am Landstrom-Terminal Altona nach eigenen Angaben im kommenden Jahr verdoppeln.

Neue Rabatte für besonders saubere Schiffe

Damit in Zukunft mehr Schiffe auf Landstrom oder umweltfreundlichere Treibstoffe wie LNG umsteigen, will die HPA diesen Reedern einen besonderen Rabatt geben. Das Hafengeld kann um rund 15 Prozent gekürzt werden. Als Beispiel: Die "AIDAsol" zahlt rund 24.000 Euro Hafengeld. Mit dem Rabatt müsste sie nur noch knapp 21.000 Euro zahlen, erklärt Jens Meier, Geschäftsführer der HPA. Insgesamt seien dieses Jahr schon rund 30 Prozent der Kreuzfahrtschiffe im Hamburger Hafen mit alternativen Energien wie Landstrom oder Flüssiggas versorgt worden.


Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 17.11.2017 | 14:00 Uhr
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