Jasmin Jouhar

Freie Journalistin und Moderatorin, Berlin

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Herz aus Stahl: Warum Hannah Kuhlmann gerne schweißt

„Schweißen ist so satisfying", sagt Hannah Kuhlmann. „Man beobachtet die ganze Zeit die kleine Schweißblase und verschmilzt die beiden Metalle miteinander." In voller Montur, mit Helm und Handschuhen, steht die Kölnerin im Keller unter ihrem Studio und schweißt Rohre zusammen. „Das mag ich, es ist nicht schwierig und auch nicht heiß, wie viele immer denken." Unter dem Label Studio Kuhlmann fertigt sie Objekte aus Stahl, Leuchten, Bänke, Hocker oder auch mal einen Brunnen. Die Formen sind einfach, häufig biegt sie die Rohre zu Bögen oder fügt zwei oder drei Rohrstücke über Kreuz zusammen. Alles entsteht in Handarbeit in ihrer Werkstatt. „Jedes Objekt hat eine Aura, wenn man selbst produziert", sagt sie. Und, so Kuhlmann weiter: „Wenn man mit einem Material arbeitet, dann erfährt man neue Sachen darüber." Das passiere nicht, wenn man nur am Computer sitze. So experimentiert sie gerade mit Schweißnähten aus Messing.



Was Hannah Kuhlmann nicht so gerne mag: die eigene Arbeit definieren müssen. „Wenn mich jemand fragt, bist du Designerin, dann sage ich Ja! Wenn mich jemand fragt, bist du Handwerkerin, sage ich Ja! Und wenn mich jemand fragt, bist du Künstlerin, dann sage ich auch Ja!" Es gehe ihr einfach nur um schöne, ästhetische Objekte, die man gerne bei sich zu Hause habe, so die Kölnerin. Studiert hat Kuhlmann an der Kunstakademie Maastricht. Nach der Einführungsphase entschied sie sich für Produktdesign, einfach weil sie dadurch den besten Zugang zu den Werkstätten der Hochschule hatte. Anders als bei vielen deutschen Studiengängen war der Unterricht nicht auf die Industrie ausgerichtet. Entsprechend hatte sie nach dem Studium auch nicht die „Skills", wie sie es nennt, um sich bei einem Produktdesign-Studio zu bewerben. Stattdessen wagte sie die Selbständigkeit und setzte sich die 30 als Ultimatum. „Bis dahin wollte ich davon leben können." Heute ist sie 33, und seit zwei Jahren kann sie sich komplett durch ihre eigenen Entwürfe finanzieren.


Doch alleine in der Werkstatt Leuchten zusammenschweißen, das reicht Hannah Kuhlmann nicht. Unter dem Label „101PS“ kuratiert sie auch ein- bis zweimal im Jahr eine Ausstellung, entweder in ihrem eigenen Studio oder an einem anderen Ort in Köln. Dazu lädt sie junge Designer:innen und Künstler:innen ein. Nach Ende des Studiums habe sie gemerkt, dass ihr der Austausch fehle, sagt Kuhlmann. „Wenn ich Ausstellungen mache, dann lerne ich immer wieder neue Leute kennen“, so die Kölnerin weiter. „Ich lerne die Persönlichkeiten kennen, ihre Herangehensweisen, was sie inspiriert.“ Ein weiterer Fixpunkt: Multilogue, eine Arbeitsgruppe von zehn Frauen, die sich während der Pandemie gefunden hat. Zuletzt haben sie eine gemeinsame Ausstellung präsentiert. Unter anderem mit einer Hommage von Kuhlmann an ihre Heimatstadt Köln: ein Herz aus Stahl, an das man Liebeschlösser hängen kann – anstatt an die mit Schlössern längst überladene Hohenzollernbrücke am Rhein.


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