Jakob Vicari

Freelance Creative Technologist & Wissenschaftsjournalist, Lüneburg

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Held und König

Held der Steine: Thomas Panke in sienem Ladne in Frankfurt | Fotografie: Ramon Haindl, Charlotte Schreiber

Man muss als Einzelhändler keinen Onlineshop haben, um erfolgreich zu sein. Das zeigen zwei Unternehmer, die das Gleiche verkaufen: Lego. Der eine auf 120 Quadratmetern, der andere auf 4.

Text: Jakob Vicari Fotografie: Ramon Haindl, Charlotte Schreiber

* Manchmal wacht Nils Hartfelder in der großen Ritterburg auf. Wenn es wieder spät geworden ist, übernachtet er in einer seiner Spielzeugwelten. Und spät wird es oft, denn Hartfelder ist ein Chef, der sich in seinen Spielwarenläden um jedes Detail kümmert: „Ich mache vieles am liebsten selbst, von der Planung bis zur Gestaltung", sagt er. Von ihm stammt auch die Idee mit den sogenannten Schüttenregalen: sechs Etagen, gefüllt mit bunten Klötzen. Alles einzelne Legosteine, die Kunden sich selbst abfüllen können - wie anderswo Bonbons. Lose Steine bekomme man sonst nur für deutlich mehr Geld in den Lego-Flagshipstores, sagt Hartfelder und ergänzt: „Lego wüsste gern, wo wir die Regale herbekommen." Der weltgrößte Spielzeughersteller ist nicht dafür bekannt, es kleinen Händlern leicht zu machen. Und doch hat der 31-Jährige etwas getan, das manche für unternehmerischen Selbstmord halten: Mit „Stein auf Stein" hat er im Oktober 2018 seine siebte Filiale eröffnet - und statt einen umfangreichen Spielwaren-Mix anzubieten, verkauft er dort auf 120 Quadratmetern ausschließlich Lego-Artikel.

Hartfelder schwimmt seit Langem gegen den Branchenstrom, denn 40 Prozent der Spielwaren werden inzwischen online gekauft, der stationäre Fachhandel erwirtschaftet nur noch 30 Prozent. Gemeinsam mit seiner Frau Julia Hartfelder hat er in den vergangenen neun Jahren einen Laden nach dem anderen eröffnet, alle in Hamburger Einkaufszentren und dort in bester Lage. Wenn mal keine Neueröffnung anstand, hat er bestehende Läden vergrößert. „Spielzeugkönig" nennt ihn die Lokalpresse.

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