Jakob Vicari

Wissenschaftsredakteur, Lüneburg

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Artikel

Werkstatt: Ideen-Sprint. Neue Kreativmethoden für Journalisten

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Ran an die Post-its! Ihre Ideen für neue Medienformate können nur etwas bewirken, wenn Sie sie in die Tat umsetzen. Dabei helfen Journalismus-Sprints. Zusammen mit Astrid Csuraji habe ich diese Werkstatt geschrieben.

Erst war es nur eine Idee, jetzt hängt er da: Dieser schlaue Spiegel, der mir Nachrichten passgenau in meiner Zahnputzzeit präsentiert und die Kalendereinträge des Tages vorliest. Und das auf Augenhöhe. 50 Zentimeter weiter unten läuft ein Clip der Sendung mit der Maus. Lang genug, damit meine Kinder ihre Milchzähne ordentlich schrubben. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Zumindest als Betaversion. Und jederzeit testbereit. Sie müssen nur nach Lüneburg kommen. Das Glücksgefühl ist kaum zu beschreiben, wenn aus einer Idee Wirklichkeit wird: Man möchte Geburtsanzeigen verschicken, wenn die neue Software oder das Nachrichtenmöbel das Licht der Welt erblickt. Mit innovativen Ideen für neuen, anderen Journalismus sollte man aber möglichst nicht neun Monate schwanger gehen.

“Fail fast to innovate faster” lautet ein Motto im Silicon Valley. Wer schnell auch schlechte Ideen entwickelt, kommt zügiger zu den guten. Und wenn Sie erst 499 Mal scheitern müssen, um einmal Erfolg zu haben, sollte der Prozess dahin nicht möglichst schnell ablaufen? Wer aus einer Idee zügig einen ersten Entwurf macht, kann diesen schnell mit Nutzern testen. Sei es das neue Format für Instagram, ein neuer Webauftritt, ein ganz neuer Ausspielkanal. Fragen Sie Ihre Nutzer: Passt das Format? Die Webseite? Der Kanal? Stille ich ein echtes Bedürfnis oder habe ich am Bedarf meiner Nutzer vorbei entwickelt?

Alles, was man braucht, um aus einer Idee einen Prototypen zu entwickeln, sind sehr viele Post-its, zwei Whiteboards und ein Team, das kreativ zusammen arbeiten kann, ohne sich zu zerfleischen.

Die Idee, in fünf Tagen Neues zu entwickeln, geht auf Jake Knapp zurück. Der US-Amerikaner hat sich 2009 den Design-Sprint ausgedacht, um mit seinen Kollegen bei Google schneller kreativ zu sein – und das mit Struktur und Methode. Sein Handbuch “How to solve big problems and test new ideas in just five days” ist inzwischen ein Klassiker, auch für viele Startups in Deutschland. Vielleicht reicht aber schon diese Werkstatt mit fünf Schritten, um die nächste geplante nervenaufreibende Brainstorming-Sitzung in der Redaktion abzusagen und stattdessen einen Sprint hinzulegen. Denn der ist gar nicht so schwer: Damit Redaktionen oder Journalisten als Gründer zügig aus den Ideen-Puschen kommen, haben wir die Sprint-Vorlage auf den Medienbetrieb angepasst.

Der Journalismus-Sprint ist eine Methode in fünf Schritten. Sie können sie an fünf Tagen oder schneller ausprobieren oder nur einen Teil daraus an einem Tag wagen. Hauptsache Sie tun es!
Sie starten, in dem Sie den Sprint ordentlich vorbereiten …

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