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Starnberger See: Wasserrettung per Drohne

Rettungstaucher dürfen höchstens 30 Meter sinken, Drohnen schaffen 100 Meter. (Foto: DLRG Pöcking-Starnberg)

  • Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) testet Unterwasserdrohnen und ein Ortungssystem für Taucher am Starnberger See. 
  •  Mit dieser Technik kann die DLRG bei jedem Einsatz ein virtuelles Netz über den See auswerfen. 
  •  Doch derzeit ist noch unklar, wer die Geräte finanzieren soll.

Wenn ein Mensch am Starnberger See in Not gerät, entscheiden Minuten oder sogar Sekunden über Leben und Tod: Die Retter sind mit ihren Booten, Schwimmern und Tauchern sofort zur Stelle, doch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) will noch schneller werden. Der Ortsverband Pöcking-Starnberg testet derzeit Drohnen und ein Ortungssystem für den Einsatz unter Wasser.

Die Retter stehen derzeit vor einem Problem: Anders als Suchmannschaften an Land können Taucher unter Wasser derzeit nicht genau koordiniert werden. Wo sie sich gerade befänden und welche Strecken sie bereits abgesucht hätten, könnten die Einsatzleiter über Wasser nicht exakt nachvollziehen, erklärt Walter Kohlenz, Vorsitzender der DLRG Pöcking-Starnberg. Wertvolle Zeit kann dabei verloren gehen.

Nun experimentieren die Retter mit einer Technologie, die es ihnen erlaubt, bei jedem Einsatz ein virtuelles Netz über dem See auszuwerfen. Die DLRG hat an zwei Tagen ein Ortungs- und Kommunikationssystem der finnischen Firma Uwis Oy getestet. Damit könnte zum Beispiel die Suche nach Ertrinkenden beachtlich beschleunigt werden. Dieses Netz wird mithilfe von drei Bojen gespannt, die bei jedem Einsatz ins Wasser gesetzt werden und durch Infraschall die Positionen der Taucher genau bestimmen können. Die Retter führen einen sogenannten Tracker mit sich, der als Ortungsgerät fungiert, durch das die Position an die Einsatzleitung vermittelt wird. Bewegen sich die Taucher, wird auf einem Bildschirm die Route markiert, das Netz entsteht.

Diese Tracker können auch an den Tauchrobotern der Firma Globe Flight angebracht werden, welche die DLRG derzeit am Starnberger See testet. Einsatztaucher dürfen nach den Regeln der Berufsgenossenschaft am Starnberger See nicht tiefer als 30 Meter sinken - die Unterwasserdrohnen, die im Moment im Einsatz sind, dringen hingegen bis in 100 Meter Tiefe vor.

Außerdem könne man eine Drohne bei einem Notfall schon einsetzen, während die Taucher sich noch fertigmachen, sagt Kohlenz. Auch das spart entscheidende Minuten. Behilflich sein könnten die Tauchroboter, die eine Kamera mit LED-Beleuchtung mit sich führen, auch bei anderen Einsätzen, beispielsweise beim Bergen gesunkener Boote vom Seegrund oder für Hilfestellungen bei Tauchnotfällen mit technischen Problemen.

In der Wasserrettung am Starnberger See arbeitet die DLRG eng mit der Polizeiinspektion Starnberg zusammen. Diese besitzt zwar bereits einen Tauchroboter in Form eines ferngesteuerten U-Bootes, jedoch lagert dieses bei der Bereitschaftspolizei in Dachau, wodurch sich Einsätze eher auf nachträgliche Leichensuchkommandos beschränken. DLRG und Wasserwacht besetzen jedoch Wasserrettungsstationen rund um den Starnberger See und können schneller mit ihren Rettern und Einsatzgeräten vor Ort sein.

Beim Unterwasserortungssystem, das mit Infraschall arbeitet, seien gesundheitliche Risiken für Menschen und Tiere nicht zu befürchten, wie sie bei beispielsweise bei Windrädern in der Diskussion sind, sagt Kohlenz. Da die Bojen nur einen Radius von 500 Metern abdecken, sei die Frequenz dementsprechend niedrig und unschädlich.

Noch steht allerdings nicht fest, ob die Bojen und Tracker am Starnberger See auch dauerhaft eingesetzt werden. Das System sei zwar vielversprechend, erklärt Kohlenz, allerdings sei unklar, wer die Anschaffung finanzieren könnte. Noch sei kein Kostenträger gefunden. Denkbar wäre es, die Summe von 18 000 Euro für drei Bojen und sechs Tracker aus Spendengeldern zu finanzieren. Mit den sechs Trackern wäre die DLRG Pöcking-Starnberg auch ausreichend ausgerüstet, erklärt Kohlenz, da bei den Einsätzen normalerweise nie mehr als drei bis vier Tauchtrupps parallel unterwegs seien, also auch nur drei bis vier Tracker benötigt würden.

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