Henry Steinhau

Medienjournalist & Autor, Berlin

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Artikel

Ein Reim aufs Grundgesetz

Der deutsche Folksänger Bodo Wartke vertont das Grundgesetz, und das Publikum singt mit. Ein Liebeslied übersetzt er in diverse Sprachen, darunter Klingonisch und Schwyzerdütsch. Und er tritt da auf, wo er gebraucht wird

Das kommt überraschend. Eben noch reimt sich Bodo Wartke im Song „Bei schönen Frauen bin ich kompromiss­bereit“ durch ein missglücktes Date und nun das: „Weil es in diesem Jahr 70. Geburtstag feiert, singen wir jetzt das deutsche Grundgesetz“, verkündet er auf der Bühne der Berliner Kabarett-Anstalt. Und schon jammen sich er und seine „SchönenGutenA-Band“ durch die ersten fünf Artikel unserer Verfassung. Mitunter im genauen Wortlaut, auf einen treibenden Bluesrock gelegt. Zwischendurch betont Wartke die Schönheit des Gesetzestexts mit Zeilen wie „Ist die Grundordnung freiheitlich und demokratisch, ist uns das nicht unsympathisch!“. Er reimt, und rappt Dinge wie „Die FDGO ist der Chef, Digger! Yo!“ oder ernsthafter: „Gleich­berechtigung zwischen Mann und Frau. (Zumindest auf dem Papier.)“ Dazu sitzen die vier am vorderen Bühnenrand, der Schlagzeuger klöppelt auf einem Holzstuhl – ein akustisches Werkstatt-Setting. Spätestens wenn Wartke beim Refrain – „Say what? Das deutsche Grundgesetz!“ – die Mundharmonika rockt, hat er das Publikum für seine Idee gewonnen.

Einen Nerv getroffen

Der tosende Applaus hält so ungewöhnlich lang an, dass Wartke sichtlich gerührt dasteht und strahlt. Er hat einen Nerv getroffen. Gerade die Auftritte in kleinen Theatern sind ihm herzlich willkommen, um neue Lieder live auszuprobieren, erzählt er im Interview. Hier kann er …

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