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Das müssen Sie zur großen Umstellung wissen

Zum ersten Mal weltweit hat ein Gesetzgeber eine Vorgabe gemacht, welcher Standardanschluss bei elektronischen Geräten zukünftig genutzt werden muss. Die EU-Mitgliedsstaaten sowie die EU-Abgeordneten verständigten sich am Dienstag auf USB-C als Standard-Ladebuchse. Die Einigung muss nur noch formell beschlossen werden.

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Voraussichtlich ab Sommer oder Herbst 2024 werden in der Europäischen Union bestimmte elektronische Geräte nur noch mit USB-C-Anschluss verkauft. Bei diesem Stecker ist es egal, wie herum er eingesteckt wird und er ist auch heute schon in vielen Geräten verbaut. Margrethe Vestager, Vizepräsidentin der Kommission und zuständig für Digitales, sagte dazu bereits im September vergangenen Jahres in einer Pressemitteilung der Europäischen Kommission : „ Wir haben der Industrie viel Zeit gegeben, um eigene Lösungen zu finden, und jetzt ist die Zeit reif für legislative Maßnahmen für ein gemeinsames Ladegerät."

Ab dem Datum der Verabschiedung der neuen Gesetzgebung gilt ein Übergangszeitraum von 24 Monaten, für Laptops 40 Monate. Das soll der Industrie ausreichend Zeit geben, um sich anzupassen.

Der USB-C-Anschluss ist praktisch, da es keine Rolle spielt, wie herum der Stecker eingesteckt wird. Foto: Georg Hilgemann/dpa-Zentralbild/dpa

Zu den Geräten, die zukünftig alle mit dem gleichen Ladekabel geladen werden können, unabhängig vom Hersteller, zählen kleine und mittelgroße elektronische Geräte. Sie müssen nur groß genug sein für den entsprechenden Anschluss.

Darunter fallen Handys, Tablets, Digitalkameras, tragbare Spielkonsolen, Headsets, tragbare Lautsprecher und Navigationssysteme, Computermäuse, Tastaturen, Laptops und E-Reader.

2020 wurden etwa 420 Millionen Mobiltelefone und andere tragbare Geräte in der EU verkauft. 38 Prozent der Käufer sagten, dass sie mindestens einmal Probleme damit hatten, ihr Handy zu laden, da die Ladegeräte nicht kompatibel waren.

Mittlerweile besitzt jeder Konsument durchschnittlich drei Ladegeräte, zwei davon werden regelmäßig genutzt.

„Die europäischen Verbraucher waren lange genug frustriert über inkompatible Ladegeräte, die sich in ihren Schubladen stapeln", sagte Vestager in der Pressemitteilung. Künftig soll der Normalfall also darin bestehen, dass unterschiedliche Geräte mit dem gleichen Kabel geladen werden können.

Das Gesetz soll unter anderem dazu dienen, Produkte in der EU nachhaltiger zu machen, Elektroschrott zu reduzieren und den Umgang mit unterschiedlichen Geräten zu erleichtern.

Durch die Vereinheitlichung soll der Elektroschrott um etwa 1000 Tonnen pro Jahr reduziert werden. Die EU möchte den ökologischen Fußabdruck, bezogen auf die Produktion und Entsorgung der Ladegeräte, verringern und die grüne und digitale Transition unterstützen.

Zusammen mit anderen Maßnahmen könnten Verbraucher rund 250 Millionen Euro sparen, schreibt die Europäische Kommission in einer Informationsbroschüre.

Was ändert sich künftig beim Kauf?

Künftig soll die Wahlmöglichkeit bestehen, ob man ein neues Gerät mit oder ohne Ladeadapter kaufen möchte.

Das dazugehörige Kabel wird aber weiterhin jedes Mal mitgeliefert, da dieses zum Beispiel auch für den Transfer von Daten zuständig ist und eine Komponente darstellt, die häufig kaputt geht.

Die EU-Kommission hat einen entsprechenden Vorstoß bereits vor mehr als zehn Jahren gestartet, nachdem Nutzer von iPhones und anderen Handys sich über die Notwendigkeit verschiedener Ladekabel und dem damit verbundenen sogenannten Kabelsalat beschwerten.

Zuvor scheiterten die Unternehmen daran, selbst eine einheitliche Lösung für die Ladebuchsen von Elektrogeräten wie Smartphones, Tablets oder Kameras zu finden.

Margrethe Vestager, Vizepräsidentin der Kommission, spricht von „lange genug frustrierten Verbrauchern". Foto: John Thys/AFP

Kritik gibt es unter anderem vom Branchenverband Bitkom. Er spricht davon, dass Innovationen ausgebremst würden. Außerdem laufe die Neuregelung dem „wichtigen Prinzip der Technologieoffenheit massiv zuwider", sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder laut der Tagesschau.

Nach Tagesschau-Informationen kritisierte auch Apple das Vorhaben der EU bereits in der Vergangenheit und warnte vor der Gefährdung von Innovationen sowie der Verursachung, und nicht der Reduzierung, von Elektroschrott.

Laut EU-Kommission könnten etwa 1000 Tonnen Elektroschrott eingespart werden. Foto: Christian Charisius/dpa

Anna Cavazzini (Grüne) sagte dazu gegenüber der dpa: „Die Europäische Kommission soll Maßnahmen ergreifen, die zu einem Standard für das kabellose Laden führen."

Thierry Breton betont, dass die nun beschlossenen Standards je nach technologischer Entwicklung in der Zukunft anpassbar seien.

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