Gerd Blank

Journalist, Autor, Redakteur, Hamburg

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Sportgeräte im Test: So wird das Homeoffice zum Fitnessstudio

In meiner Wohnung wohnt auch ein Schweinehund. Er liegt meistens vor den Sportklamotten, hindert mich aber leider nicht daran, den Kühlschrank nach Leckereien zu durchforsten. Um es kurz zu machen: Ja, ich habe eine Corona-Plauze. Keinen Bierbauch, sondern einfach ein paar Kilo zu viel, weil ich eben ein paar Kilometer zu wenig gelaufen bin. Der Weg vom Schlafzimmer ins Heimoffice ist halt nicht so weit.

Doch irgendwann wird die Pandemie - hoffentlich - vorbei sein. Aber mir geht es nicht nur um eine perfekte Bikinifigur fürs Freibad. Vor zwei Jahren hatte ich einen leichten Bandscheibenvorfall, ich muss meinen Rücken stärken. Da ich nicht gern ins Fitnessstudio gehe und durch Kontaktbeschränkungen kein Trainer ins Haus darf, habe ich mir fürs heimische Sportprogramm ein bisschen technische Unterstützung besorgt:

Die getesteten Produkte im Überblick So haben wir getestet

Verarbeitung: Wie gut sind die Produkte verarbeitet?

Aufbau und Betrieb: Wie schnell kann man loslegen - und was bringt's?

Preis-Leistung: Lohnt sich die Anschaffung?

Aquon Waterflow von Finnlo

Schon lange habe ich mit einer Rudermaschine geliebäugelt. Allerdings war mir so ein Gerät immer zu teuer. Nachdem ich aber zwei Jahre lang stiller Teilhaber in einem Fitnessklub war und Mitgliedsgebühren fürs Nichterscheinen zahlte, relativierte sich der Anschaffungspreis. Wenn ich dann doch mal im Klub war, habe ich vor allem eine Rudermaschine genutzt. Doch dafür muss ich kein Mitglied sein, sondern kann den gesparten Beitrag lieber in ein eigenes Gerät investieren.

Meine Wahl fiel auf den Aquon Waterflow von Finnlo. Ich wollte unbedingt ein Rudergerät mit Wassertank haben. Außerdem sollte es leicht auf- und abzubauen sein, damit es nicht im Weg steht. In meiner Nachbarschaft ist ein Händler, bei dem ich verschiedene Rudermaschinen ausprobieren konnte, der Aquon gefiel mir - auch optisch - am besten. Die schwarzen Schienen, auf denen der bequeme Sitz sanft gleiten kann, und das dunkle Holz über dem großen Wassertank verleihen dem Rudergerät einen modernen Look.

Der Aufbau geht relativ schnell von der Hand. Wer schon mal einen Ikea-Schrank aufgebaut hat, wird auch mit der Rudermaschine keine Probleme haben. Im Prinzip müssen nur zwei große Teile miteinander verschraubt werden. In den Tank wird durch eine kleine Öffnung Wasser bis zur Markierung eingefüllt. Und damit es nicht verkeimt und unansehnlich wird, kommt noch eine der mitgelieferten Chlortabletten hinein. Am Wassertank befindet sich zudem ein Regler, mit dem in vier Stufen der Wasserwiderstand festgelegt wird.

Der Trainingscomputer wirkt wie aus der Zeit gefallen. Immerhin zeigt das Display in großen Zahlen Trainingsstrecke, Trainingszeit, Schlagfrequenz, Gesamtstrecke, Kalorienverbrauch und die erzielte Watt-Zahl an. Auch die Herzfrequenz wird angezeigt, wenn man entsprechende Sensoren nutzt, aber dazu später mehr.

Theoretisch lassen sich die Trainingswerte auch mit einem Computer auslesen, dafür hängt ein kurzes USB-Kabel am Trainingsgerät. Aber das ist mir zu umständlich, ich hätte lieber eine Verbindung per Smartphone-App. Auch hätte ich irgendwo gern persönliche Werte wie Gewicht, Größe und Alter angegeben.

Der Trainingscomputer gibt lediglich Anhaltspunkte über die Trainingserfolge, ganz genau kann er das nicht abschätzen, was dem Konzept einer Wasserrudermaschine geschuldet ist. Wo andere Rudergeräte Onlinewettkämpfe ermöglichen, ist beim Aquon aufgrund des fehlenden Web-Anschlusses digital Detox angesagt. Für mich ist das kein Problem, denn beim Rudern auf der Elbe habe ich auch keine Computer an Bord. Mir ist wichtiger, dass ich mit meinen fast zwei Metern Körpergröße genug Platz für ausholende Bewegungen habe und das Zugseil dafür lang genug ist.

Wer sich für Rudermaschinen interessiert oder sie sogar nutzt, kennt die Vorteile und weiß, dass beim Training rund 80 Prozent der Muskulatur beansprucht werden. Das ganzheitliche Training ist schonend für die Gelenke, man kann auf Kraft oder auf Ausdauer trainieren. Eine Wasserrudermaschine hat aber über den sportlichen Wert hinaus noch einen großen Bonus: das Geräusch. Mit jedem Zug wird das Wasser verwirbelt, mit geschlossenen Augen erinnert das ein wenig an eine Tour auf dem Fluss oder See.

Morgens geht es gleich nach dem Aufwachen für 20 bis 30 Minuten auf den Aquon Waterrower, mal mit hohem Tempo, mal langsam, dafür mit mehr Kraft. Und ganz gleich, wie stark ich das Zugseil strapaziere und damit die Wasserturbine in Gang setze, hält sich der Lärmpegel in Grenzen, meine Altbau-Nachbarn hören so gut wie nichts von meinem Training. Andere Ergometer mit Schwungrad sind oft deutlich lauter.

Aber Vorsicht: Rudern stärkt nicht nur die Muskulatur und gibt dem Rücken mehr Stabilität. Wer sich eine falsche Körperhaltung angewöhnt, erreicht genau das Gegenteil. Vor dem Kauf sollte man sich mit Bewegungsablauf, Sitzposition und Haltung vertraut machen, idealerweise unter fachkundiger Anleitung.

Apple Watch Series 6

Um meine Sportergebnisse zu erfassen und so auch Fortschritte sehen zu können, wollte ich eine Smartwatch nutzen. Die sollte möglichst viel können und bestenfalls mit meiner restlichen Technik harmonieren, darum habe ich mich für die Apple Watch entschieden.

Über die generelle Technik muss ich nicht viel schreiben, das hat mein Kollege bereits ausführlich getan. Mir gefällt an der Uhr die Möglichkeit, Sport-Apps verschiedener Hersteller zu nutzen. Bereits mit der vorinstallierten Trainings-App kann ich als Gerät die Rudermaschine auswählen. Sobald ich auf dem Display das entsprechende Kärtchen drücke, zeichnen diverse Sensoren meine Bewegungen und meinen Puls auf, übersetzen das in die Anzahl der Ruderzüge und die zurückgelegte Strecke.

Das funktioniert recht gut, die Ergebnisse sind aber zum größten Teil Schätzwerte. Mir gefällt die in der Grundfunktion kostenlose App " RowingCoach " noch ein bisschen besser. Bei beiden Apps werden die ermittelten Daten mit Apple Health geteilt, quasi dem Gesundheitstagebuch der Apple-Welt.

Eine Vielzahl an verschiedenen Sport-Apps machen aus der Apple Watch einen potenten Sportpartner. Auch beim Laufen im Park macht sie einen guten Job. Hierfür nutze ich die Apps von Nike oder Runtastic. Dank GPS wird meine zurückgelegte Strecke genau erfasst und mit dem iPhone synchronisiert. Praktisch an der LTE-Version: Ich kann das Smartphone beim Laufen zu Hause lassen, bin dennoch im Notfall erreichbar und kann meine Laufmusik streamen.

Allerdings nervt es doch sehr, dass der Akku nicht einmal zwei Tage durchhält, das bekommen andere Smartwatch-Hersteller teilweise deutlich besser hin. Und etwas ärgerlich ist es, dass die Apple Watch zwar Bluetooth und WLAN an Bord hat, aber nicht ANT+, wodurch sie sich mit einer Vielzahl von Sportgeräten verbinden ließe.

Polar Herzfrequenz-Sensor H10

Um beim Rudern genau auf Puls zu trainieren, und damit ich nicht immer auf die Uhr schauen muss, habe ich mir den Brustgurt H10 von Polar gekauft. Der Sensor verbindet sich automatisch mit der Rudermaschine von Finnlo und kann gleichzeitig mit der Apple Watch gekoppelt werden.

Das klingt erst einmal doppelt gemoppelt, macht für mich aber Sinn. So wird mein Puls direkt auf dem Display der Rudermaschine angezeigt und zugleich von der Smartwatch aufgezeichnet. Interessant finde ich, dass der von Uhr und Gurtsensor erfasste Puls leicht unterschiedlich ist. Mit der Polar-App "Beat" kann ich meine Trainingswerte vom Gurt und der Apple Watch kombinieren. Bei entsprechender Einstellung signalisieren verschiedene Töne die Pulsstufen.

Der Gurt lässt sich einfach anlegen. Allerdings sollte man nicht vergessen, den Sensor zuvor anzufeuchten, damit die Elektroden der Hautkontakte überhaupt Werte ermitteln können. Auch nach längerem Tragen ist der Gurt kaum zu spüren. Der Sensor speichert automatisch die letzte Trainingseinheit und muss nicht permanent synchronisiert werden. So ein Gurt ist sicher kein günstiger Spaß, dafür kann er für ganz unterschiedliche Trainings und auch ohne weitere Technik eingesetzt werden, sogar beim Schwimmen könnte ich den Sensor tragen.

Hantelset "3-in-1" von Yab

Muskelaufbau hilft beim Fettabbau, und Hanteltraining ist dafür eine gute Methode. Da ich aber keine Lust habe, dass bei mir viele verschiedene Gewichte herumliegen, nutze ich ein Hantelset von Yab.

Diese Hanteln sehen ein bisschen aus wie Bügeleisen, doch die seltsame Bauform hat viele Vorteile, da man die Gewichte auf unterschiedlichen Arten halten und nutzen kann. In der leichten Stufe hält man den Griff und das Gewicht liegt auf dem Handrücken. In der mittleren Stufe hängt das Gewicht unten und die bei der schweren Stufe wird das Gewicht so gedreht, dass es nach vorne ragt. Man muss sich das so vorstellen, als würde man einen vollen Maßkrug nur am Griff von sich weghalten.

Der Unterschied bei der Handstellung ist selbst bei dem mit vier Kilogramm relativ leichten Hanteln deutlich spürbar. Die große Öffnung zwischen Griff und Gewicht hat zudem einen weiteren Vorteil: Die Hantel kann mit einer Schlaufe auch mit dem Fuß genutzt werden. Im Gegensatz zu klassischen Hanteln lässt sich das Gewicht allerdings nicht durch zusätzliche Scheiben erhöhen. Wer hier Varianz will, muss zusätzliche Sets kaufen - und das wird dann schnell teuer.

Widerstandsband-Set von Bemaxx

Statt Gewichte zu stemmen, ziehe ich in letzter Zeit häufig an den Gummibändern von Bemaxx. Das Set besteht aus fünf Widerstandsbändern unterschiedlicher Stärke, zwei Handgriffen, zwei Fußschlaufen und einem Türanker.

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Der Anker wird über der Tür eingeklemmt, an die Haken werden die Bänder der gewünschten Stärke befestigt und zu guter Letzt kommen noch die Handgriffe oder Fußschlaufen dran - fertig ist das Fitnessgerät.

Der Anker kann oben über der Tür oder an der Seite angebracht werden. Je nach Position und Standpunkt kann ich meine Zugkraft oder Presskraft stärken. Reicht mir das Gewicht nicht, kombiniere ich mehrere Gummis. Oder ich nutze die Gummis wie die klassischen Deuserbänder ganz ohne Anker, indem ich sie zwischen die Griffe spanne, mich dann mit meinen Füßen darauf stelle und schließlich, wie beim Gewichtheben, die Arme nach oben ziehe.

Mir gefällt an diesem Konzept besonders, dass ich das Set auch unterwegs nutzen kann, wenn mich mit meinem Wohnmobil auf Tour bin. Dann hänge ich den Anker einfach an Fahrradträger und kann so auf dem Stellplatz meine Übungen machen. Zu dem praktischen Set gehört auch ein Trainingsleitfaden mit mehr als 70 Übungen. Wer noch mehr will, kann die kostenpflichtige Summfit-App ( Android/ iOS) nutzen.

Sportkopfhörer T5 II von Klipsch

Beim Sport höre ich gern Musik oder Podcasts über Kopfhörer. Zum Glück sind inzwischen die meisten In-Ear-Kopfhörer dank hoher IPX-Klassen gegen Schweiß geschützt und lassen sich daher auch gut beim Training tragen. Doch was macht man, wenn man sich beim Sport so richtig verausgabt hat und der Kopfhörer feucht geworden ist?

Der Audiohersteller Klipsch hat sich dafür eine besondere Lösung ausgedacht. Die Ohrstecker werden in der Ladebox getrocknet. Man kennt das Prinzip von Verpackungen, in denen kleine Beutel mit weißen Kristallen liegen. Die dienen dazu, Feuchtigkeit aufzunehmen. Und genau das passiert auch in der großen Schatulle dieser Kopfhörer.

Die voluminöse und kabellos aufladbare Box ist wasserdicht (IP67). Sobald die In-Ears eingesetzt und der Kasten verschlossen wird, saugen sich die darin eingesetzten Kristalle mit der Flüssigkeit voll, die an den Ohrhörern haftet - jedenfalls in der Theorie. In der Praxis dauert es sehr lange, bis die Ohrhörer von jeglicher Flüssigkeit befreit sind. Und irgendwann ist die Kapazitätsgrenze der Kristalle erreicht. Um sie wieder saugfähig zu machen, müssen sie kurz in der Mikrowelle erhitzt werden. Dumm nur, wenn man keine Mikrowelle besitzt.

Noch ein paar Worte zum Sound: Die T5 II klingen sehr gut. Der Bass nicht sonderlich dominant, sondern eher gefällig. Die Mitten geben dem Sound formidablen Halt, und die Höhen wirken nicht klinisch. Für Sportkopfhörer ist der Klang allerdings einen Tick zu sanft, es fehlt der Wumms, den man bei schnellen Bewegungen häufig braucht. Der Sitz ist passabel und kann durch verschiedene Silikonaufsätze und -Flügel angepasst werden. Der Preis ist im Vergleich zu ähnliche guten True-Wireless-Kopfhörern allerdings zu hoch. Mein Kollege Matthias Kremp hat eine Übersicht mit aktuellen Alternativen zusammengestellt.

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