Gerd Blank

Journalist, Autor, Redakteur, Hamburg

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Sennheiser CX 400BT im Test: Top-Sound unter 180 Euro

Anfang Design Bedienung App Sound Akku Preis Fazit Kommentare Ausgewogener Klang Einfache und individualisierbare Bedienung Gute Verarbeitung Bei den neuen True-Wireless-Kopfhörern von Sennheiser müssen Käufer auf die Geräuschabschirmung ANC verzichten. TechStage zeigt, was das Budget-Modell in der Praxis leistet. Kein ANC Keine IPX-Zertifizierung ab 165,90 Euro

Sennheiser hat mit den Momentum True Wireless 2 (Testbericht) überzeugende Kopfhörer produziert. Sie erhielten im Einzeltest nicht nur die Bestnote, sondern sind auch im Vergleich mit den Modellen anderer Hersteller die verdienten Testsieger. Nun hat Sennheiser mit den CX 400BT ein deutlich günstigeres Modell kabelloser In-Ear-Kopfhörer auf den Markt gebracht.

Optisch unterscheiden sich die CX 400BT recht deutlich von den Sennheiser-Flaggschiffen - angefangen bei der nur 37 g leichten Ladebox. Die Form erinnert an eine Kühlbox oder einen Werkzeugkasten im Miniaturformat. Der verwendete Kunststoff wirkt nicht sehr hochwertig, außerdem ist die Box schon fast zu groß für die Hosentasche. Die Ohrhörer wiegen jeweils 6 g, auch hier fühlt sich der Kunststoff bei Weitem nicht so hochwertig an wie bei den teureren Familienmitgliedern. Statt auf eine runde Bauform setzt Sennheiser bei den CX 400BT auf eine rechteckige Rückseite - die gleichzeitig als berührungsempfindliches Bedienfeld dient. Die Seiten sind leicht mattiert und enthalten die Mikrofone für Telefonate und Sprachbefehle.

Technisch unterscheiden sich die Kopfhörer allerdings kaum von den Momentum, denn Treiber, Bedienung und App-Erweiterung sind nahezu identisch. Dafür fehlen den CX 400BT mit ANC und Transparent Hearing zwei wichtige Hauptfeatures. Da ist es fast schon zu vernachlässigen, dass auch kein Schutz vor Wasser und Schweiß nach IPX-Standard an Bord ist. Aber irgendwoher muss der günstigere Preis ja herkommen.

Die Ladeschale der CX 400BT.

Die CX 400BT gibt es in den Farben Weiß und Schwarz. In der Verpackung sind neben der Ladebox und ein USB-C-Ladekabel und vier Ohradaptersets in den Größen XS, S, M und L.

Trotz des klobigen Looks lassen sich die CX 400BT gut ins Ohr setzen, wo sie nach einer leichten Drehbewegung mit genügend Halt bequem sitzen - sofern der richtige Silikons-Aufsatz gewählt wurde. Und es zeigt sich auch ein Vorteil von Silikon-Stöpseln: So werden Umgebungsgeräusch bereits physikalisch gut abgeschirmt. Allerdings gibt es bei den CX 400BT keine Möglichkeit, diese Abschirmung zu umgehen. Will man den keinen akustischen Hinweis verpassen, muss man die In-Ears herausnehmen.

Das Herstellerlogo prangt auf dem Touchfeld zur Steuerung.

Die Touchbedienung reagiert sensibel, ein leichter Tipp genügt, um die gewünschte Funktion aufzurufen. Manchmal wäre es ein Tick mehr Trägheit lieber gewesen: Im Test hatte eine Wollmütze, die über die Ohren reichte, wiederholt einen Befehl aktiviert. Generell funktioniert die Bedienung aber sehr gut. In der Voreinstellung genügt ein Tipp auf die linke Rückseite, um Audiodateien zu starten oder zu stoppen. Mit einem Doppeltipp auf der linken Seite geht es einen Track zurück, auf der rechten Seite geht es einen Track nach vorne. Bleibt der Finger auf der Touchfläche, wird die Lautstärke verändert: links wird es leiser, rechts lauter.

Wie auch bei den Momentum TW 2 (Testbericht) sorgt die kostenlose App Smart Control beim CX 400BT für einen deutlichen Mehrwert. Natürlich lässt sich darüber die Firmware der Kopfhörer aktualisieren. Spannender ist allerdings die Möglichkeit, Touchfunktionen in einem engen Rahmen selbst festzulegen. Wer zum Beispiel kein Interesse an der Nutzung eines Sprachassistenten hat, kann diese Funktion deaktivieren. Und wer Touch generell blöd findet, kann die Bedienung komplett ausschalten. Allerdings bleibt dann nur noch die Bedienung per Smartphone. Natürlich ist ein Equalizer an Bord, mit dem der Sound den eigenen Wünschen entsprechend angepasst werden kann. Für den Test haben wir die Einstellungen auf Neutral belassen.

Die App erlaubt eine Individualisierung der Bedienung.

Die Sennheiser CX 400BT haben die Codecs SBC, AAC und aptX an Bord. Je nach Zuspieler sollte so eine sehr hohe Soundqualität zur Verfügung stehen. Das probieren wir gerne mit unserer Test-Playlist aus. One More Second von Matt Berninger beginnt mit zarten Gitarrenläufen, einem dezenten Bass im Hintergrund und leichten Schlägen auf den Drums. Die sonore Stimme des The National-Sängers legt sich warm und weich über den Sound. Die tiefen Töne bieten ein feines Fundament, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Höhen geben dem Klang eine Kontur, in den Spitzen bricht nichts aus. Und trotz der Klarheit wirkt es luftig und leicht. Die Mitten geben dem Song halt, auch wenn sie wenig Charakter haben. Einen Tick zu dumpf, als wäre bei einem Bild der Kontrast nicht perfekt ausgewogen.

Die Ladeschale ist verhältnismäßig leicht.

Alchemy von Manik MC beginnt mit einem netten Groove, der leicht an alte Warren G-Zeiten erinnert. Es ist einer dieser Kopfnickersongs, den man mit einem süffisanten Lächeln immer wieder hören kann. Richtig cool wird es, wenn der Slow Down-Sänger Maverick Sabre seinen Soul über den Refrain legt. Der Sound ist warm, die Bässe sind kraftvoll, die Höhen sorgen wir eine feine Klarheit in den Spitzen, die Differenzierung der vielen Klänge gelingt vorzüglich. Die Mitten sind perfekt ausbalanciert, die CX 400BT geben dem Song eine gute Bühne.

Von smooth zu rotzig: Culk hat mit Nacht einen Song veröffentlicht, der mehr nach Berlin als nach deren Heimatstadt Wien klingt. Die Drums beginnen scheppernd, die Gitarre legt wie mit einem dicken Pinsel gemalte Klanglinien darüber. Sängerin Sophie Löw singt in ihrem typischen, gelangweilt klingenden Stil ihre Textzeilen. Aus jeder Pore klingt es nach 80er-Jahren, angedickt mit moderner Würze. Leicht dumpf wummert es durch die True-Wireless-Kopfhörer in die Ohren, aber das ist hier Stilmittel und kein Defekt. Sobald die Lautstärke maximal ausgereizt ist, entführt der Song direkt in den kleinen Club, ganz nah an die Bühne. Die Vibrationen wandern vom Kopf in den Bauch, die Höhen und Mitten sind mit der Nebenrolle zufrieden und unterstreichen so das Live-Feeling.

Die Ohradapter sind in vier Größen im Lieferumfang enthalten.

Auf Jeanie von Jim-E Stack und Bon Iver darf der CX 400BT noch einmal alle Register ziehen. Der Klang ist vollgepackt mit allen möglichen Spielereien: fette Bassläufe auf dem Synthie, hintergründige Drums, verzerrte Stimmen. Das hätte mit weniger guten Kopfhörern massiv scheitern können, doch die Sennheiser-In-Ears bringen den Sound virtuos in die Zielgerade. Jeder Klang sitzt, die Bässe haben fast ein Club-Feeling, ohne aber den Rest zu dominieren. Die Mitten bringen klanglichen Reichtum in die Stimmen, die Höhen runden das Spektrum optimal ab. Will man einen Makel finden, dann wäre es in einigen Momenten die fehlende Dynamik und der leicht dumpfe Klang, der sich immer mal wieder über einzelne Passagen legt.

Der Sound der CX 400BT kommt dem unserer Testsieger Momentum TW 2 sehr nahe - wenn er ihn auch nicht in allen Aspekten vollumfänglich erreicht. Das mag an etwas anderen Bauform liegen oder an dem eben nicht identischen Innenleben. Doch die Unterschiede sind verschmerzbar, der Klang ist insgesamt warm und rund - was man bei dem Preis auch erwarten darf.

Telefonate hören sich gut an, auch Gesprächspartner haben in mehreren Tests positiv über deren Klangerlebnis gesprochen. Die Tonspur von Filmen wird ohne spürbare Verzögerungen übertragen, auch bei mobilen Games gab es keinerlei Probleme.

Laut Sennheiser hält der nicht wechselbare Akku - abhängig von der gewählten Lautstärke - sieben Stunden durch, im Test kamen wir auf etwa sechs Stunden. Die Ladebox bietet noch einmal Strom für maximal 13 weitere Stunden. Eine vollständige Aufladung dauert etwa 1,5 Stunden, zehn Minuten an der Steckdose reichen für eine weitere Stunde Musikgenuss. Diese Werte sind inzwischen eher als durchschnittlich anzusehen und deutlich geringer, als bei den Momentum TW 2, die auf insgesamt 28 Stunden kommen.

Der UVP der CX 400BT liegt bei 199 Euro, damit sind sie 100 Euro günstiger als die Momentum TW 2. Der Marktpreis ist mittlerweile auf knapp 180 Euro gesunken. Dafür muss man allerdings auf ANC und Spitzwasserschutz verzichten, auch beim Design und dem Material gibt es ein paar Abstriche. Der Klang ist zweifelsfrei gut, aber in dieser Preisklasse gibt es viel Konkurrenz von anderen Herstellern mit teilweise sogar besserer Leistung und mehr Funktionen.

Sennheiser hat mit dem CX 400BT sehr ordentliche In-Ear-Kopfhörer produziert. Der Klang ist toll, die Bedienung einfach und das Design kann sich sehen lassen. Es ist verständlich, dass Sennheiser darauf verzichtet hat, den Kopfhörern alle Features des Top-Modells mitzugeben, schließlich möchte man keine Konkurrenz im eigenen Haus haben. Dennoch vermissen wir ANC und mehr noch Transparent Hearing - Funktionen, die es bereits bei vielen guten Modellen anderer Hersteller gibt. Unverständlich ist der Verzicht auf Schutz vor Wasser und Schweiß.

Die App bringt sinnvolle Erweiterungen, der Akku ist allerdings nicht stark genug, um die Kopfhörer auf einen Spitzenplatz zu heben. Die CX 400BT müssen sich trotz guter Werte bei Qualität, Sound und Funktionen in diesem Preissegment einer sehr starken Konkurrenz stellen - und wahrscheinlich häufig den kürzen ziehen. Es sind gute Kopfhörer, ohne Frage - aber sie hinterlassen keinen bleibenden Eindruck.

Wer trotz des ordentlichen Abschneidens eine Alternative sucht, sollte einen Blick auf unseren Testsieger-Artikel zum Thema Kopfhörer werfen.

Übrigens: Alle Testtracks sind auf der Spotify-Playlist In the name of the review zu finden.

Permalink: https://techstage.de/-4920106

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