Gabriel Rinaldi

Freelance Journalist and Reporter, Berlin & Milan

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Russlands Invasion der Ukraine: Lage des Krieges

Am 24. Februar startete Russland seine Invasion in der Ukraine. Im weiten Teilen des Landes wurden innerhalb weniger Stunden zahlreiche Ziele angegriffen. Auch die Hauptstadt Kiew wurde aus der Luft und mit Raketen attackiert. Beobachter der NATO rechnen damit, dass Russland in den kommenden Tagen verstärkt zivile Ziele angreifen könnte. Ukrainische Beobachter berichten von zahlreichen Opfern unter der Zivilbevölkerung. Russland behauptet dagegen, lediglich militärische Einrichtungen anzugreifen. Die Vereinten Nationen sprechen bislang von mehr als 100, die Ukraine meldete am Mittwoch 2000 tote Zivilisten. Mehr als eine Million Menschen ist ins Ausland geflohen.

Dieser Artikel wird täglich ergänzt. Aktuelle Informationen erhalten Sie zudem im Ukraine-Liveblog der F.A.Z. 4. März 2022 Satellitenbilder zeigen über 60 Kilometer langen russischen Militärkonvoi

Auf die ukrainische Hauptstadt Kiew rollt ein großer russischer Militärkonvoi zu. Ein Video der US-amerikanischen Satellitenfirma Maxar zeigt in einem Überflug Teile der über 60 Kilometer langen Kolonne. Zuletzt hat sie sich kaum weiter bewegt. Laut Maxar erstreckt sich der Militärkonvoi von der Ortschaft Iwankiw bis zum Antonow-Flughafen bei Hostomel, rund 25 Kilometer vom Zentrum Kiews entfernt. Die Aufnahmen wurden am 28. Februar erstellt, starke Bewölkung verhindert momentan die Erstellung aktuellerer Bilder.

4. März 2022 Russische Truppen nehmen ukrainisches Atomkraftwerk ein

Am frühen Freitagmorgen meldeten die ukrainischen Behörden, dass ein Gebäude des Kernkraftwerks Saporischschja nach dem Beschuss durch russische Streitkräfte in Flammen stand. Das Feuer konnte mittlerweile gelöscht werden, Russland kontrolliert nun das Gelände. Im Norden von Kiew treffen russische Truppen weiter auf entschlossenen Widerstand der ukrainischen Armee. In ihrem Versuch Kiew zu umkreisen, weichen die russischen Streitkräfte nun weiter nach Westen aus. Nordwestlich von Kiew eröffneten sie eine neue Vorstoßlinie von Belarus in Richtung Schytomyr.

Im Osten befindet sich die Stadt Charkiw weiter unter starkem Artillerie- und Raketenbeschuss. Mariupol ist nun vollständig umgeben, nach Angaben der Ukrainer jedoch unter ihrer Kontrolle. Russische Truppen greifen die Hafenstadt brutal an, um ihre Kapitulation zu erzwingen. Die Stadt Cherson im Süden ist nun weitestgehend unter russischer Kontrolle, was den russischen Streitkräften erlaubt, ihren Vormarsch auf Mykolayiv fortzusetzen. Berichten zufolge konnte das ukrainische Militär dort jedoch einen versuchten russischen Angriff auf einen Flugplatz abwehren. In der Nähe von Odessa hat Russland eine beträchtliche amphibische Landungsschiffflotte zusammengezogen.

3. März 2022 Große Mehrheit für UN-Resolution, die den russischen Angriff verurteilt

Mit einer historisch großen Mehrheit hat die Weltgemeinschaft den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilt. 141 Staaten stimmten am Mittwoch in der Dringlichkeitssitzung der UN-Vollversammlung in New York für eine Resolution, die den Abzug aller russischen Truppen aus dem Nachbarland fordert - weit mehr als bei früheren Konflikten ähnlicher Art. 35 Länder enthielten sich, nur 5 lehnten den Textentwurf ab. Die dreitägige Dringlichkeitssitzung war erst das elfte Treffen dieser Art bei den UN in mehr als 70 Jahren.

In der vergangenen Woche hatte Russland mit seinem Veto eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zum Ukraine-Krieg verhindert. In der Vollversammlung kann jedoch kein Staat allein einen Beschluss verhindern. UN-Generalsekretär António Guterres sagte nach der Abstimmung „Die heutige Entschließung spiegelt eine zentrale Wahrheit wider: Die Welt will ein Ende des enormen menschlichen Leids in der Ukraine." Der britische Premier Boris Johnson sagte, der „Kontrast zwischen richtig und falsch" sei noch nie so deutlich gewesen.

2. März 2022 Angriffe auf Charkiw und Mariupol

Im Osten der Ukraine werden weiter Städte angegriffen. Russische Streitkräfte führen dort vor allem drei Operationen durch, wie das Institute for the Study of War einschätzt: Eine zur Einnahme von Charkiw, eine um die Stadt Mariupol einzunehmen und die Landbrücke zur Krim zu sichern sowie eine zur Sicherung von Cherson. Letztere soll nach Angaben des Instituts den Vorstoß nach Westen in Richtung Mykolajiw und Odessa ermöglichen.

Die Operation gegen Mariupol hat zuletzt die größten Gewinne gemacht. Russische Truppen behaupteten am Dienstag, Mariupol eingekesselt zu haben und sind Berichten zufolge in die Stadt Cherson im Süden eingedrungen. Dort kam es zu Explosionen in einem Wohnkomplex. Ukrainische Streitkräfte behielten jedoch am Dienstag die Kontrolle über die Stadt. Die russischen Streitkräfte erhielten Beobachtern zufolge Nachschub und Verstärkung, die in den nächsten 24 bis 72 Stunden ein wesentlich schnelleres Vorgehen ermöglichen könnten.

Charkiw bleibt als zweitgrößte Stadt des Landes bislang in ukrainischer Hand, russische Streitkräfte zielten jedoch auf zivile Einrichtungen. Ein Verwaltungsgebäude im Stadtzentrum sowie ein Krankenhaus wurden am Dienstag zerstört. Es gab mehrere Tote und Verletzte, wie der Bürgermeister der Stadt mitteilte. Auch Universitätsgebäude wurden angegriffen. Russische Truppen bewegen sich zudem offenbar in Richtung der Stadt Saporischschja. Etwa 40 Kilometer entfernt davon finden Kämpfe mit der ukrainischen Armee statt. Das Atomkraftwerk bei Enerhodar wurde am Dienstag nach wie vor vom ukrainischen Militär kontrolliert, ist aber zurzeit von russischen Truppen umzingelt.

2. März 2022 Eine Million Ukrainer auf der Flucht

Mehr als eine Million Ukrainer sind seit der russischen Invasion aus ihrem Heimatland geflohen, berichtete das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen am Mittwoch. Mehr als die Hälfte von ihnen überquerte demnach die Grenze nach Polen, andere flüchteten nach Ungarn, Rumänien, Moldau und in die Slowakei. Wie das Flüchtlingshilfswerk einige Tage zuvor berichtete, seien zudem mindestens 48.000 Menschen nach Russland geflohen. Ein großer Teil von ihnen aus den sogenannten „Volksrepubliken" Luhansk und Donezk. Die Zahlen für die einzelnen Länder finden Sie auf unserer Karte.

Allerdings kann nicht jeder die Ukraine verlassen: Die Regierung hat das Kriegsrecht erlassen, wonach Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht mehr verlassen dürfen. Außerdem sollen nicht-ukrainische Staatsbürger im Land festsitzen. Die indische Regierung versuchte Anfang der Woche etwa 15.000 indische Studierende außer Landes zu bringen. Auch zahlreiche Studierende aus afrikanischen Ländern saßen Medienberichten zufolge in ukrainischen Städten fest. Einige von ihnen hatten laut einem Bericht der Deutschen Welle Schwierigkeiten bei der Ausreise aus der Ukraine.

Die Vereinten Nationen bereiten sich nach eigenen Angaben auf bis zu vier Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine in den kommenden Tagen und Wochen vor.

1. März 2022 Russischer Militärkonvoi vor Kiew

Vor Kiew liegt ein 64 Kilometer langer Militärkonvoi, der Schätzungen zufolge etwa 15.000 russische Streitkräfte Richtung Kiew bringen könnte. In russischen Medien wurde ein Angriff von militärischen Zielen angekündigt. Russische Angriffe halten seit Tagen an. Am Sonntag wurde ein Öldepot in Wassylkiw getroffen, am Dienstag unter anderem der wichtigste Radio- und Fernsehturm der Hauptstadt. Das russische Verteidigungsministerium gab bekannt, man habe Quellen von Informationsattacken vernichten wollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, dass fünf Personen bei dem Angriff getötet wurden.

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