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Autonomes Fahren: Freihändig vorbeigezogen

Mit dem Gesetz zum autonomen Fahren will Deutschland im weltweiten Wettbewerb die Führungsposition einnehmen. Von 2022 an sollen autonome Fahrzeuge auf deutschen Straßen rollen, ohne Fahrer und im gesamten Bundesgebiet. Bundestag und Bundesrat haben das Gesetz gerade beschlossen. Damit ist Deutschland der erste Staat auf der Welt, der fahrerlose Autos aus der Forschung in den Alltag holt. Zumindest theoretisch. Denn bisher sind autonome Autos nur auf wenigen Teststrecken unterwegs, etwa am Digitalen Testfeld Autobahn auf der A 9 in Nürnberg.

Ein Blick in die Vereinigten Staaten offenbart jedoch, dass Deutschland gar nicht so weit vorne ist, sondern vielmehr einige Runden aufholen muss. So werden dort ganze Staaten zur Teststrecke. In Kalifornien testen diverse Hersteller bereits seit 2014, seit 2018 sogar fahrerlos. Die Teststatistiken zeigen, dass amerikanische Techkonzerne den deutschen Automobilherstellern davonfahren. So­weit man von Davonfahren sprechen kann. So schnell wie gedacht kommt die Technik nämlich nicht voran.

Relativ simple Fahrassistenzsysteme sind ein fester Bestandteil vieler Fahrzeuge. Doch der Weg vom Tempomaten oder einem auch noch nicht immer zuverlässigen Spurhalteassistenten hin zum selbstfahrenden Auto ist weit. Wie kommt es, dass autonome Fahrzeuge noch in weiter Ferne scheinen? Ein wesentlicher Grund ist die Technik, die in autonomen Autos weitaus fortgeschrittener sein muss, um im Straßenverkehr sicher zu bestehen.

So wird mit Kameras und Sensoren die Entfernung zu anderen Verkehrsteilnehmern gemessen. Mit GPS-Signalen ermittelt das System die Position des Fahrzeugs, und dank moderner Radarsensoren erkennt es, auf welcher Spur das Fahrzeug gerade unterwegs ist. Das Herzstück des autonomen Autos ist seine Software, die alle Informationen sammelt und auswertet. Sie ist es, die das Auto unter Berücksichtigung der Verkehrsregeln bremst, beschleunigt oder lenkt.

Doch längst nicht alle vertrauen dieser Technologie, wie Umfragen regelmäßig zeigen. Nur knapp jeder fünfte Deutsche würde ein autonom fahrendes Auto nutzen. Dabei gibt es bemerkenswerte Unterschiede je nach Geschlecht oder Altersgruppe der Befragten. Auch in den Vereinigten Staaten sind die autonomen Autos nicht allen geheuer. Besonders viel getüftelt wird dabei in Kalifornien, dem weltweit wichtigsten Testgebiet für autonome Fahrzeuge. Gefahren wird hier nicht nur auf abgesperrten Teststrecken, sondern seit nunmehr sieben Jahren auch schon auf Autobahnen und in Städten. Rund fünfzig Unternehmen aus aller Welt sind dort unterwegs, auch deutsche Automobilkonzerne.

Die Führungsgruppe bilden dabei größtenteils Unternehmen aus der Techbranche. An der Spitze fahren Waymo und, eine kleine Überraschung, der Autobauer General Motors. Sie stehen sinnbildlich für ein Wettrennen, das zwischen dem Silicon Valley und den Autokonzernen in vollem Gange ist. Seit 2015 haben sie allein in Kalifornien mehr als elf Millionen Testkilometer gesammelt. Damit sind sie rechnerisch fast 280 Mal um die Welt gefahren.

Konkurrieren um die Teststrecke in Kalifornien

Waymo und General Motors haben nicht nur die meisten Testkilometer auf dem Tacho, sie verfügen auch über den größten Fuhrpark. Waymo kam Ende 2020 auf 239 Fahrzeuge, General Motors auf 137. Zum Vergleich: BMW war im selben Jahr mit fünf Fahrzeugen unterwegs, Nissan mit vier. Waymo wurde von Google im Dezember 2016 als Tochterfirma für selbstfahrende Autos gegründet. Früher als die Konkurrenz startete Google im Jahr 2009 mit der Entwicklung von autonomen Fahrzeugen. Die Zulassung für erste Tests auf öffentlichen Straßen erhielt das Unternehmen drei Jahre später im amerikanischen Bundesstaat Nevada. Laut eigenen Angaben soll das Auto schon 2013 sicherer gefahren sein als ein menschlicher Fahrer. Im Projekt Waymo Via arbeitet das Unternehmen sogar an autonom fahrenden Lastwagen.

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