Fritz Letsch

Gestalt- und Theaterpädagoge, Supervisor, München

3 Abos und 0 Abonnenten

Bayern im Wandel: Zeit wirds!

Bayern im Wandel: Zeit wirds!
Die Gewohnheiten der alten Zeit sind eingeschliffen, und auch wenn die Verhältnisse unpassend sind - die wirkliche Veränderung ist dann doch erst einmal erschreckend. Vor der Entscheidung stehen jetzt viele Traditionalisten.
Bayern verlässt allmählich den Post-Faschismus,
der so bequem autoritär und mackerhaft zu Bier und Brotzeit passte, im Oktoberfest einen pervers überdrehten Gemeinschaftsrausch der korrupten Brauerei-Konzerne und Wiesn-Wirte abfeiert.

Zum Post-Faschismus gehört auch die Rolle der Kirchen, die vor 100 Jahren gegen die Revolution und den Sozialismus, für Monarchie und Obrigkeit eintraten, bis diese Obrigkeit in die Falle gelockt hatte.

Die Falle der staatlichen Finanzierung hält im Augenblick die kirchlichen Hierarchien immer noch gefangen:

Hatten sie 1936 nicht nur den Religionsunterricht und ihre Bischofs-Gehälter gesichert, sie hatten sich auch das Schweigen zu Euthanasie und Judenverfolgung eingehandelt, wie die mangelnde Solidarität mit den Hunderten von Kaplänen, Priestern und Pfarrern im Konzentrationslager.

Der Antisemit Kardinal Faulhaber wollte mit den ungläubigen Juden nichts zu tun haben, empfing aber den katholischen Burschenschafter der Rhaetia, den Eisner-Mörder Anton Arco, Jura-Student und wohl Zuhörer des Faulhaber-Spruches "Es muss Blut fließen, bevor wieder eine Ordnung kommt" www.faulhaber-edition.de
Die Wirklichkeit im Land sieht anders aus:

Die Kirchen sind meistens nicht mehr die CSU-Prediger, sondern eher an der Seite der Geflüchteten, und die rücksichtslose Abschiebe-Politik wie die geheim-erlass-gesteuerte Verweigerung von Ausbildungs- und Arbeitsverträgen in den Landratsämtern hat Tausende von Flüchtlings-Helfern über die "Rechtstreue" der "Ordnungskräfte" nachhaltig aufgeklärt.
Das arrogante Polizeiaufgabengesetz
bringt türkische Verhältnisse, über die wir grade in den Nachrichten erschrecken: Unbegrenze Untersuchungs- und Unterbindungshaft, Beton-Politik mit Gewalt durchzusetzen ... das weckte nun auch die Bauern, die zu vielen Tausenden in München demonstrierten.
Die Beerdigung des Parlaments
Die einstimmige Annahme eines noch gar nicht vorliegenden MASTER-Planes des „Bundes-Innen-Heimat-Bau-Ministeriums“ durch die CSU bei empörten Protesten der anderen Parteien:

Das Papier des Bundes-Innen-Heimat-Bau-Ministerium wurde durch Faxgeräte, Drucker und Scanner zum CSU-Papier, eine alt-gewohnte Benutzung der Ministerien für die Staatspartei, auch in der DDR nie ein Problem, wie im Bayern der CSU.

Die von Markus Söder gewünschte „starke Demokratie“ war eine vermeintliche Staatspartei, deren Willkür nun grade mit 30 Millionen die Polizei neu bewaffnet, mit Inszenierungen, als wäre Schießen die zentrale Aufgabe der Polizei. Diese Sorte der Bürgerwehren, Schützen- und Trachtenvereins-Finanzierung war schon einmal der Versuch, Regierungs-Veränderungen zu verhindern.

Das Polizei-Aufgaben-Gesetz wird auch schon eingesetzt: Zu den Demonstrationen in Salzburg gegen den „Gipfel“ der reaktionären Flüchtlings-Politik …noPAG-Bündnis verurteilt Verletzung von Demonstrationsrechten
Postfaschismus
Postfaschismus ist die Zeit nach dem Faschismus, der in Bayern nach der Räterepublik in einer bürgerlich-klerikalen "Ordnungszelle" der gelenkten Unrechts-Justiz aufwuchs, der die Revolutionäre zu irren Strafen verurteilte und die Mörder - oft mangels Lust auf Beweise - frei sprach. Der Mathematiker Emil Julius Gumbel stellte die Urteile und Strafen der Jahre in Bänden zusammen: Zwei Jahre politischer Mord / Vier Jahre politischer Mord.

Postfaschismus ist die Zeit nach dem Faschismus, der mit dem verlorenen Krieg ja nicht plötzlich vorbei war: Er war gut 12 Jahre in alle Überlebenden eingeprägt worden, als Befürchtung, als Hoffnung, als Utopie ...

und dann waren ab 1950 wieder alle regionalen Nazis in den Positionen, die sie errungen hatten, mit ihrem rassistischen Treiben, und führten es freundlich lächelnd weiter. Manche unserer Lehrer prügelten allerdings auch ...
Die klerikale Ordnung
ist auf dem Land noch immer tief verwurzelt, nicht nur in der Richtung Niederbayern in vielen alten magischen Verrichtungen wie Gelöbnissen, Wallfahrten, Weihwasser, und erwischt mindestens bei Beerdigungen alle Beteiligten:
Brechende Verbindungen
Bisher konnte MANN sich darauf verlssen, in allen Ebenen der JU und der CSU eingeladen zu werden und saufen zu können, so lange man sich an die Hausregeln der Wortwahl hält.

Auch in der Bayrischen Vertretung in Berlin gibt es in der "Herren"-Toilette einen "Bullen" oder "Ochsen", wie bei manchen Studentenverbindungen das besondere Becken neben der Tür heißt, in das man mit zwei Griffen sicheren Halt findend, hineinreihern kann, was beim Fressen und Saufen nicht im Magen bleiben will.

Nach Fressen und Saufen, vom Oktoberfest zur Jagd in Regensburg, verließ uns vor grade 30 Jahren am 3. Oktober ein Ministerpräsident, dem seitdem mit einem Nationalfeiertag gedacht wird, hatte er doch noch mit Milliardengeschäften ...
Studentische Verbindungen
sichern im Hintergrund die alte obere Klasse der "Gstudierten",  und die "humanistischen Akademiker" haben mit ihren Seilschaften nun im Nachbarland Österreich die Macht übernommen, was auch dort zu heftigen Demonstrationen und Auseinandersetzungen um ihre rechten Treiben führt.

In Bayern handeln sie eher versteckt, hat die Oberschicht ihre Kreise,und in der naiven Hoffnung, dass von dort was abfällt, haben alle ländlichen Vasallen immer brav mitgespielt, zum Teil mit Wissen der ganzen Gemeinde: Der Bürgermeister, sein Bruder oder Schwager hat die Bauunternehmung, die Kiesgrube, den Auftrag ... und alle lächeln dazu, denn es war schon imer so, Tradition. Die Wertstoff-Höfe und manche Müllgeschäfte stinken eher moralisch zum Himmel ...
Die ersten Migranten: Siebenbürgen, Sudeten, Ostpreußen ...
Die ersten Migranten-Gruppen konnten sich im Postfaschismus so weit integrieren, als sie zu den autoritären - und Nazi-Strukturen passten.

Die alten Oberschichten konnten sich schnell wieder organsieren: Die bayrischen Vertriebenen-Verbände nahmen in den obersten Politik-Rängen ihre "Extra-Wurst" und blieben dort unter sich, mit Sonderrechten und Heimat-Häusern bis heute. Teilweise blockierten sie mit ihren gleichzeitigen Rückkehr-Ansprüchen die Versöhnung mit den alten Nachbarn und früheren Auswanderungs-Staaten auf Jahrzehnte.
Die ersten "Gast"arbeitenden
Brett vor'm Hirnsollten ja eigentlich, wie ihre ersten "Generationen" aus Italien und Portugal nur ein paar Jahre bleiben und sich etwas verdienen, um dann zu Hause etwas aufzubauen. Bei manchen Türkischen Arbeitern hatte es auch noch geklappt, aber dann waren neben den anatolischen Bauern auch politisch verfolgte Kurden und Kurdinnen zugewandert, die solche Chancen nicht hatten. Ihre Verfolgung betreibt die deutsche Polizei auf Wunsch des türkischen Mackers bis heute, und die Richter urteilen aktuell über Weiterleitungen von Facebook-Beiträgen der Süddeutschen Zeitung mit YPG-Flagge, die Verbündeten der USA, weil sie dabei an PKK denken.
Postfaschismus will nur Anpassung
Für die Kriegsgeneration, die Nachkriegskinder und die Kriegsenkel war das Thema Anpassung durchgehendes Programm, bis ausgerechnet über die amerikanischen "Befreier" auch die widerständigen Bewegungen über die Musik daher kamen: SDS und Hippies und bürgerliche Vietnam-Kriegs-Gegner, das Musical Hair, die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen, die auch im Militär mit gewachsen war.

Die Bewegung gegen die Wiederbewaffnung mit ihrem ersten Polizei-Mord an dem jungen Aubinger Vater Philipp Müller in Essen, später die Anti-Atom-Bewegung, die Schwulen- und später die Lesben-Bewegung, es gab immer Austausch und Vorbilder, die bei der Trikont-Bewegung auch noch aus dem Süden kamen: Bis zur Tupac Amaru, den Stadt-Guerillas, die gegen die "Bleierne Zeit" der reaktionären 1960er Jahre und die Hetze der BILD zuerst den Angriff auf den grenzenlosen Kapitalismus in den brennenden Kaufhäusern, dann aber auch den bewaffneten Kampf in Solidarität mit den Befreiungsbewegungen in allen Ländern führten.
Nun machen immer mehr Frauen den Mund auf

und nach 100 Jahren Wahlrecht und dem Ende des preußischen Verbotes der politischen Betätigung kommen Generationen, die eher studieren als gehorchen.

Es hat sie immer gegeben, aber sie wurden gern in den Hintergrud abgeschoben, und erst, als der "Heimatminister" seine Riege der feisten Burschen in schlechten Anzügen vorstellte, wurde in ganzen Land offenbar: Dieser Kaiser ist nicht nur nackt und dumm, sondern auch unbelehrbar, und sein ganzer Umkreis ist es auch.
Postfaschistische Nibelungentreue
Die Männer reden wieder von Schulterschluß, und damit meinen sie ihre Riege, keine Frauen. Frau Merkel war solchen Umgang gewöhnt, sie hat aber ihre Frauenkreise beim Tee, die die nächsten Geschäfte in anderer Art vorbereiten: Liz Mohn und Friede Springer ...
Die Privatisierung der Schulen
wird auch zu Bayern passen: Das für heilig erklärte drei-gliedrige Schulsystem wird mit allen Disziplinierungen verteidigt, und die Lehrkräfte bis an die Grenzen mißbraucht: Oft fachfremd eingesetzt, mit kaum pädagogischen Hintergründen, im August ins Jobcenter entlassen. Interkulturalität nur als Anpassung gedacht. - Kann noch weiter gehen .. -

http://befreiungsbewegung.fairmuenchen.de/politischer-wechsel-in-bayern-zu-feiern/

http://raete-muenchen.de/faulhaber-21-2-ohrenzeuge-des-mordes

 

Read the full article