Franziska Pröll

Freie Journalistin, Berlin & anderswo

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Antisemitismus: Wenn Schüler einander als "Du Jude!" beschimpfen

Im Schulalltag sind viele Lehrer mit antisemitischen Äußerungen ihrer Schüler konfrontiert. Doch wo lernen sie, darauf angemessen zu reagieren? © Thomas Barwick/​Getty Images

Die letzte Stunde vor den Sommerferien sollte lustig werden. Holger Kemmerzell hatte Tabu mitgebracht, das Ratespiel, bei dem einer Begriffe beschreibt und die anderen sie erraten. Die Stimmung in der Klasse beschreibt der Berufsschullehrer rückblickend als fröhlich, sich selbst als entspannt und gut gelaunt. Bis er hört, wie ein Schüler den Begriff Baracke beschreibt. "Dort, wo die Juden wohnen", habe der etwa 20-Jährige zu seinen Mitschülern gesagt, erinnert sich Kemmerzell an die Situation. Und an den darauffolgenden Schreck: "Ich bin zusammengezuckt und konnte erst mal gar nichts sagen", sagt er.


74 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind solch antisemitische Äußerungen in deutschen Klassenzimmern alltäglich. In jeder Art von Schule treten sie auf. Zu diesem Ergebnis kommt die Soziologin Julia Bernstein von der Frankfurt University of Applied Sciences, die mit einem Team von Forschern 170 Schülerinnen, Lehrer und Sozialarbeiter aus allen Bundesländern befragte.

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