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Der das Hafen-Zepter hält

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Tolle Aussichten über (und für) den Kehler Rheinhafen: Uwe Köhn, seit August der »Boss« der Anlage«, steht nicht oft hier oben. Sein operatives Geschäft führt er meistens von seinem Büro aus.

Wo Uwe Köhn arbeitet, gibt es keinen Bäcker um die Ecke, der schnell den kleinen Hunger zwischendurch stillt. Auch keinen Metzger oder Frisör. Überhaupt scheinen Menschen hier sehr rar zu sein. Man muss schon genau wissen, wo sie zu suchen sind. Zum Beispiel vor Köhns Bürofenster: Ein Güterzug rollt langsam auf den Schienen neben der Straße, ein paar Männer ziehen mit einem Kranseil die schwere Ladung vom Zug: Teile, die für den Tunnelbohrmaschinenhersteller Herrenknecht bestimmt sind, der hat ein paar Meter weiter sein Werk. 

Was Uwe Köhn hier jeden Tag sieht, ist für ihn noch ungewohnt. Früher saß er im Finanz- und Wirtschaftsministerium in Stuttgart, seit dem 1. August ist er Chef des Kehler Hafens und beschäftigt sich mit Frachtkosten,  Wasserständen, die mal sinken, mal steigen, oder muss das mit dem Schrott regeln. 

Schrott in Brand

An diesem Morgen gerät ein 15 Meter hoher Schrotthaufen in Brand. Um halb acht rückt die Feuerwehr an. Wie eine Walze bewegt sich die Rauchwolke in Richtung Hafenbecken und ist so stark, dass Uwe Köhn die Firmen im Hafen anrufen muss, »Türen und Fenster schließen«. Köhn kann sich auf seine Männer verlassen: Die Gleise werden gesperrt, die Kanalisation abgeriegelt, damit kein Löschwasser ins Abwasser kommt. Auch die Straßburger Kollegen rücken an – in ihrem deutsch-französischen Feuerlöschboot Europa 1. 

Nach 30 Jahren an der Spitze löste Köhn Hafendirektor Karlheinz Hillenbrand ab. Der Stuttgarter Ministerialbeamte Köhn ist gerade noch in der Kennenlernphase, wie er sagt. Und: »Hillenbrand hat ein gutes Unternehmen hinterlassen.« Der Rheinhafen Kehl ist Verkehrs-Drehscheibe, Industrie-Standort und Dienstleistungs-Zentrum. Hier stehen die Stahl- und Drahtwerke, Papierfabriken und Maschinenbauer genauso wie Gewerbebetriebe und Logistikdienstleister. 

"Modernste Infrastruktur"

Ein wesentlicher Kern des Hafengeschäfts ist nämlich die Vermietung und Verpachtung von Industrieflächen. »Wir haben hier modernste Infrastruktur für alle Verkehrsträger an der Rheinschiene«, so Köhn. Seit 1951 kooperiert der Kehler Hafen mit dem in Straßburg. Auf die Frage, wie der Kehler Hafen finanziell dasteht, folgt: »Eine stabile Entwicklung. Der Hafen ist zwar eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, handelt aber wie ein Unternehmen.«

Die Besonderheit des Kehler Hafens ist der eigene Umschlagbetrieb. »Das macht kaum noch ein Hafen auf eigenes Risiko. Hier sind wir sehr kompetent und ein gefragter Partner«, versichert Köhn. Aber das ist kein Selbstläufer. Digitalisierung, steigende Umweltauflagen oder hohe Investitionskosten würden eine ständige Anpassung erfordern.

Schrägufer umgestalten 

Köhn will weiterhin mehr Verkehr auf das Wasser bringen, das sei schließlich ein »nachhaltiger Umweltbeitrag des Hafens«, wie Köhn es ausdrückt. »Dafür müssen wir den Hafen permanent in Schwung halten.« Derzeit laufe ein Verfahren zur Erteilung der wasserrechtlichen Genehmigung beim Regierungspräsidium Freiburg. »Das kostet viel Geld und Zeit, aber wir wollen auf dem aktuellen Stand der Technik bleiben.« Dazu gehört auch die Umgestaltung der Schräg-ufer in den Hafenbecken. Einige davon gibt es noch im Kehler Hafen. Dort können die Schiffe nicht direkt ans Ufer anlegen, weil sich das Ufer ins Wasser absenkt. So ein Steilufer sei zwar »ein finanzieller Kraftakt«, doch auch das sei eine typische Aufgabe in den nächsten Jahren. »Wir müssen die Infrastruktur immer wieder anpassen«, so der Hafenchef.

Der Schrottbrand ist an diesem Tag zur Mittagszeit gelöscht. Schrott, davon liegt im Hafen reichlich rum. Um das zu demonstrieren, steigt Köhn in sein Auto. Fünf Minuten später steht man vor einem riesigen Berg Metallschrott. Viel davon geht an die Badischen Stahlwerke, die den Hafen als Zwischenlager nutzen. Schaut man nach oben, sieht man Kranführer  Thomas Egg in seiner Kabine sitzen, der mit seiner Kralle 200 Tonnen Schrott pro Stunde auf das Schiff verladen kann.

Sein Lieblingsplatz

Köhns Lieblingsplatz verbirgt sich übrigens am Ende der Straße, die rechts am Rhein entlangläuft. Das Land spitzt sich dort zu einer Zunge zusammen, ein ruhiges Fleckchen, umgeben von Wasser. Hier sitzt höchstens ein Angler, den, wenn die großen Schiffe in Kehl einlaufen, vielleicht das Fernweh packt.
 

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