Franziska Horn

Autorin. Freie Journalistin, München

7 Abos und 4 Abonnenten
Artikel

Möbel und Design aus Holz: Auf dem Holzweg

Christoph Finkel fertigt Designobjekte aus Holz. Foto: Tobias Burger

Natürlich, nachhaltig, handwerklich, regional und wertig: Design- und Wohnobjekte aus Holz sind ein Statement für sich. Wir stellen drei Macher und ihre Visionen vor.

18.03.2022 von Franziska Horn

„Der Trend zu natürlichen Materialien ist ungebrochen", sagt Edeltraud Sirch, verantwortlich für Marketing und Vertrieb der Manufaktur Sirch aus Böhen-Waldmühle im Unterallgäu. Hier, zwischen Memmingen und Kempten, liegt der weithin für seine Holzwaren bekannte Betrieb mit rund 50 Mitarbeitern, gegründet auf den Traditionen einer alten Wagnerei. „Zum Kerngeschäft zählen Paletten und Rodel, seit dem Jahr 2000 aber auch Möbel und Spielwaren". Letz­tere firmieren unter der Produktlinie Sibis - hinter dem Produktdesign stehen der Innenarchitekt Wolfgang Sirch und der Bildhauer Christoph Bitzer.

Klare Linien aus Holz

Die Hauptzutat: Holz, das in elementare Entwürfe mit klaren Linien übersetzt wird. Da wäre zum Beispiel das beliebte Kinder-Rutschfahrzeug „Max" aus Esche, in der alten Technik des Dampfbiegens gefertigt, ein wohltuender Kon­trast zum billigbunten Plastikkram aus Fernost, der die Kinderzimmer von heute überschwemmt. Das Motto „Natur pur" gilt ebenso für das originelle Ar­chitekten-Puppenhaus namens „Maison Rive Gauche", das von vier Seiten bespielbar ist und mit stilgetreuem Inventar aus Hockern, Betten und einer Küchentheke überrascht.

Spaß an den Hausaufgaben dank ,Vaclav'

Ganz nebenbei schult es den Sinn für gute Gestaltung bei den lieben Kleinen. „Sehr beliebt ist auch der dreifach höhenverstellbare Schreibtisch ,Vaclav'", berichtet Edeltraut Sirch. Das Erfolgsgeheimnis: Der Kindertisch aus rohem, fein geschliffenem Birkensperrholz mit weiß gewachster Platte besticht sowohl mit inneren als auch mit äußeren Werten. Ob's dann besser klappt mit den Hausaufgaben? Ein Blick in die User-Bewertungen eines Online-Händlers (Skandic) verrät: „Unsere Jungs sitzen gern an ihren Schreibtischen. Wir haben für jeden einen bestellt", bestätigt Nutzerin Claudia und Kunde Kay findet: „Schlichter, zeitloser, sehr schöner Tisch aus hochwertigem Material. Meine Tochter liebt ihn."

Rund 30 Kilometer südlich nähert sich der freischaffende Bildhauer Christoph Finkel dem Material Holz auf künstlerische Weise: Ver­ortet zwischen Kunst und Design, zwischen Ästhetik und Funktion, kreiert Finkel an der Drehbank seines Ateliers in Bad Hindelang charakterstarke Objekte, die Skulptur und Schale in einem sind, jede einzelne mit Schauwert und Persönlichkeit. 1971 im Allgäu geboren, studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Das Material für seine künstlerischen Werken findet er vor der Haustür: Im Frühjahr sucht er die Berghänge nach „Lawinenholz" ab und sammelt an Altersschwäche gefallene Bäume der Umgebung.

Das Holz verstehen

Wichtig dabei sind stets Wuchs, Geschichte und Charakter des Baums, ob Eiche, Bergahorn, Buche oder Kiefer. An einer speziellen Drehbank entstehen eigenständige Unikate. „Meist arbeite ich mehrere Wochen bis Monate an einer Schale. Ich versuche, das Holz zu verstehen, mich hineinzudenken. Ein Zustand, der sich laufend verändert, während das Holz seine Geheimnisse preisgibt." So folgt er den Strukturen, die die Natur vorgibt, befreit Schritt für Schritt die später perfekte Form, im steten Dialog mit der pflanzlichen Materie: „Erst wenn ein Werk fertig bearbeitet und getrocknet ist, merke ich, ob ich den Baum verstanden habe. Das dauert sehr lange und das ist auch gut so."

Showrooms weltweit

Ein riskantes und ergebnisoffenes Arbeiten, ein Experimentieren, das einer großen handwerklichen Präzision bedarf. Finkel verkauft seine Werke längst in der ganzen Welt und zeigt sie in Showrooms in Europa, Asien und den USA - natürlich auch daheim in Bad Hindelang. Auch zum Stein hat Finkel einen besonderen Bezug: Als ehemaliger Extremkletterer und Sportkletterer trainierte er den Nationalkader im Bouldern. „Nach einigen Jahren habe ich diese Tätigkeit aufgegeben, gehe aber sehr gerne mit meiner Familie zum Klettern."

Hutschn heißt Schaukel

In Bischofswiesen bei Berchtesgaden fertigen drei Oberbayern cool designte Schaukeln aus Holz, die Generationen überdauern - nachhaltig, stylish, traditionell. „Hutschn" heißt das 2017 gegründete Label, auf Bayerisch bedeutet das: Schaukel. Drei Modelle gibt es, gedacht für Groß und Klein, haltbare Generationenstücke zum Vererben: Neben dem klassischen Grundmodell „Hutschn" gibt es die „Launtsch" in Form einer Hängematte und einen tellerförmigen Einpersonensitzer namens „Della", allesamt von Hand gefertigt und indoor wie outdoor einsetzbar.

Drei Macher, viel Holz

Das Schaukelbrett besteht aus regionalem, rund zehn Jahre gelagertem, massivem Eichenholz rund 200 Jahre alter Bäume. Die Form wird aus dem Material herausgearbeitet, die Oberfläche mit kalt gepresstem Leinöl behandelt. Handgespleißte Seile aus Franken dienen als Aufhängung. Eine Idee, die ankommt, dafür gab es den begehrten German Brand Award 2018 als „Sustainable Brand of the Year". Hinter dem Label stehen die drei Macher Andreas Baumann sowie An­dreas und Matthias Bunsen. Noch immer feilen die drei an den Modellen, veredeln zum Beispiel die Außenfläche mit der japanischen Shou-Sugi-Ban-Technik. „Die Hutschn ist ein Projekt und ein Real-Labor, um Dinge auszuprobieren. Bei dem es natürlich auch um Lebensfreude geht", sagt Andreas Bunsen.

Perspektivwechsel mit Spaß

Er weiß: Dahinter steht mehr als nur Spielerei. Schaukeln sind in allen Kulturen der Welt bekannt, und zwar seit der Antike. Das Schwingen belebt und beruhigt gleichermaßen, setzt Glückshormone frei - und hilft beim Perspektivenwechsel. Was wiederum die Urlaubsregion Damüls Faschina überzeugte. Dort wurde ein Schaukelpfad mit vier Hutschn in alpinen Lagen kreiert, Bergblick inklusive. „Das Land der Schaukeln" heißt das Projekt. Einen europäischen Schaukelwanderweg über die Alpen können sich die Hutschn-Macher auch vorstellen.

Zum Original