5 subscriptions and 5 subscribers
Article

Happy Birthday, Sailors!

Happy Birthday, Sailors!

Der berühmteste Segelclub der Welt feiert Segelgeschichte: 2019 begeht der New York Yacht Club sein 175-jähriges Bestehen. Seine Historie ist untrennbar mit dem America's Cup und seinen Helden verbunden. Der Pott, der Club und seine Menschen sind ein Mythos.

Muss man den America’s Cup noch erklären? Die bedeutendste Segelregatta ist zugleich die älteste der Welt und der AC-Silberpott eine Trophäe, der Heilige Gral für die internationale Runde der Segelritter, die auf ihrer Heldenreise mitunter Kopf und Kragen, Geldbörse und Boot riskieren. Seine Anfänge gehen mit der Gründung des traditionsreichen New York Yacht Club (NYYC) einher, der gleichzeitig den Yachtsport beständig weiterentwickelte. Die hehre Mission seit Gründungstagen: dem windbetriebenen Wassersport zu frönen – und auf Hochsee-Regatten den Rest der Welt aus dem Rennen zu schlagen. Im Sommer 2019 feiert der New York Yacht Club (NYYC) sein 175-jähriges Jubiläum.

DIE GRÜNDUNGSVÄTER UND DIE GESCHICHTE DES NYYC
Die ein ussreiche Familie Stevens p egte bereits einen Ruf als » e First Family of In- ventors«, als John Cox Stevens 1785 auf die Welt kam. Zu seinen Vorfahren zählten In- genieure und Pioniere der Dampfschi fahrt. Urgroßvater John Stevens kau e einst den Mohawk-Indianern ein Stück Land im nördlichen Gebiet von New York ab und begründete mit seiner Familiendynastie eine Art amerikanischen Adel. John Cox Stevens junior liebte den Segelsport, betrieb eine Wer in Hoboken und baute dort Yachten. Und er hatte eine Idee: Am 30. Juli 1844 lud Stevens acht Freunde auf seine Yacht Gimcrack ein, die im Hafen von New York ankerte. Dort beschloss die neunköp ge Herrenrunde, einen privaten Verein namens New York Yacht Club zu gründen und Cox zu ihrem Kommodore zu machen – eine alte Bezeichnung für einen O zier, der einen Schi sverband führt. Das Clubprogramm: »Great cruising and racing in the company of friends.« Gesagt, getan: Schon drei Tage spä- ter, am Freitag, den 2. August 1844, kündigte der neue Kommodore den ersten Sommertörn des jungen Yachtclubs mit einer Flotte von acht Booten mit Zielhafen Newport an. Schon in der Geburtsstunde des Clubs blühte die historische Verbindung mit Newport, Rhode Island. Bis heute ndet einmal im Jahr der sommerliche Aus ug nach Newport statt.

DER NYYC UND SEINE CLUBHÄUSER
Ein Jahr nach der Gründung erö nete der Club am 15. Juli 1845 sein erstes Clubhaus auf der anderen Seite des Hudson River. Errichtet im neugotischen Stil mit viktorianischen Verzierungen und 27 mal 21 Fuß groß, stand das von Architekt Alexander J. Davis entwor- fene simple Häuschen an der Tenth Street auf einem Grundstück der Familie Stevens in Elysian Fields, Hoboken, New Jersey. Obwohl die Liste der Segler, die dem Club als Kom- modore vorstanden, insgesamt kurz ist, bleibt ihr Vermächtnis für den Club und den Sport enorm. Da ist zum Beispiel J. Pierpont Morgan, der als 17. Kommodore von 1897 bis 1899 diente und als ein ussreichster Privatbankier seiner Zeit galt: J. P. Morgan Chase ist heute das größte Bankhaus der USA. Er unterbrach die Hauptversammlung im Oktober 1898 mit einer dramatischen Ankündigung. Er beabsichtigte, ein Grundstück an der West 44th Street in Manhattan zu kaufen und es dem Club zu überlassen, als erste beständige Loca- tion für ein eigenes Clubhaus.
Nach zwei Jahren Bauzeit wurde am 20. Januar 1901 der blau-rot-weiße Stander am Neubau zum ersten Mal gehisst. Entworfen vom damals unbekannten Architekten Whit- ney Warren, der später die Fassaden des Grand-Central-Terminal-Bahnhofs gestaltete, ist der sechsstöckige repräsentative Beaux-Arts-Bau in Midtown heute ein Wahrzeichen der Stadt. Warren verstand den Zweck des Clubs sowohl auf praktischer als auch auf symboli- scher Ebene. Der New York Yacht Club, so schrieb er später, solle sich nicht als »gewöhnli- che soziale Einrichtung« präsentieren, sondern als ein Gebäude, dessen Mission »die För- derung des Schi sbaus aus Amateursicht« ist. »Amateure romantisieren ihre Interessen, die meisten Pro s tun dies nicht«, schrieb Warren und konzentrierte sich auf den »Model Room«, in dem rund 300 Leute Platz nden: »Dieser Modellraum ist im Wesentlichen der Club.« Dieses Herzstück umfasst 350 Quadratmeter und wird heute als »Kathedrale des Rennsports«, »Schrein des Yachtbaus« oder auch »Tempel der Vergnügungsyachten« bezeichnet wegen seiner bedeutenden Sammlung von Voll- und Halbmodellen. Wohl keine Institution weltweit zeigt mehr visuelle Entwicklungsgeschichte des Yachtdesigns als der Modellraum des NYYC. »Diesen Raum muss man gesehen haben, um es glauben zu können«, schrieb die »New York Times« einmal. Rund 1.350 maßstabsgetreue Schi smodelle be- sitzt der Club. Der Modellbau war damals Teil des Bootsbauprozesses, das älteste Modell ist eine Austern-Slup aus Maryland von 1819, doch natürlich bilden die gloriosen Verteidiger und Herausforderer des America’s Cup einen Eyecatcher. Dazu gibt es hier eine Kunst- und eine Büchersammlung mit 15.000 Exemplaren und einen Kartenraum, in dem Skipper ihre Törns für den Sommer planen können.

Nach den ersten 50 Jahren zählte der NYYC rund 1.000 Köpfe, und 1903 erreichte er die 2.000-Mitglieder-Grenze. Um diese Zeit entstanden vier weitere Clubhäuser, zwei in Manhattan und zwei auf Staten Island. Zu einem gewissen Zeitpunkt besaß der Club so- gar fast ein Dutzend Dependancen, kleine Außenstellen, »Stations« genannt, wo sich die Clubmitglieder mit Freunden tre en, telefonieren oder Briefe verschicken konnten. Kleiner Zeitsprung: Am Freitag, dem 10. Juni 1988, freuten sich 1.500 Clubmitglieder und Gäs- te über die Erö nung von Harbour Court, erste beständige Club-Erweiterung direkt am Wasser. Harbour Court in Newport verfügt über 19 Schlafzimmer und fünf Apartments für Mitglieder, die formal gehaltenen Gärten wurden von Frederick Law Olmsted, Land- scha sdesigner des Central Park, entworfen.

DER NYYC UND DER AMERICA’S CUP
Bereits im Gründungsjahr 1844 nahmen die Clubmitglieder an Rennen auf allen Ozeanen teil. Im Juli 1845 starteten erstmals neun Yachten zur von nun an jährlichen Regatta in Hoboken, New Jersey, beobachtet von Tausenden Zuschauern. Sechs Jahre später schick- te der NYYC den Schoner America nach Cowes, England, den ein Syndikat rund um Gründer und Kommodore John Cox Stevens hatte bauen lassen – als Exempel amerikani- scher Bootsbaukunst. Geführt von Captain Richard Brown, sollte die America beim »One Hundred Sovereign Cup«, einer Regatta rund um die Isle of Wight, teilnehmen. In die- sem 53-Meilen-Rennen besiegte der 30-Meter-Schoner am 22. August 1851 eine Flotte von 14 britischen Yachten des Konkurrenz-Clubs Royal Yacht Squadron (RYS) und gewann mit 18 Minuten Vorsprung. Legendär ist jene Anekdote, die von der Queen überliefert ist. Königin Victoria weilte auf ihrer royalen Yacht unter den Beobachtern und fragte: »Wer ist der Erste?« Die Antwort darauf: »Die America.« Worauf die Königin nachfrag- te: »Und wer ist Zweiter?« Die allseits bekannte Entgegnung: »Ah, Ihre Majestät, es gibt keinen Zweiten.« Der Satz machte das Rennen für immer berühmt, es war der Au akt für eine Siegesserie mit erstaunlicher Kontinuität.
Ab 1870 fand die Wiederau age des Rennens unter dem Namen America’s Cup statt. Stolze 132 Jahre lang wehte die NYYC-Flagge von einer amerikanischen Siegeryacht. (....)