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Licht ganz neu gedacht

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Inspiriert von der Sonne: Ganzheitliche Licht-Konzepte holen die Tageslichtwirkung in Innenräume. Immer im Fokus: der gesunde Mensch.

Es ist ein alter Architektentrick, gern angewendet in öffentlichen Räumen wie zum Beispiel Hotels: Mit sanft gedimmten Lichtinseln lassen sich Ruhezonen einrichten, weil Gäste im Halbdunkel intuitiv leiser sprechen und sich verhaltener bewegen. Mit Licht lässt sich Regie führen und gestalten, Raum strukturieren und akzentuieren, Stimmung und Raumatmosphäre schaffen. Das Licht lenkt den Blick, es schafft Hierarchien und beeinflusst unser Leben und Erleben von der ersten bis zur letzten Minute. Ein optimal inszenierter Raum entsteht erst dann, wenn Architekten Hand in Hand mit Lichtdesignern und Interior Designern planen und arbeiten. Das alles ist wohlbekannt.

Seit Jahrtausenden steuert der Sonnenstand mit seiner Lichtintensität, Lichtrichtung und Lichtfarbe zeitlich unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und die „innere Uhr“. Die Lichtwirkung erfassen wir dabei auf drei Ebenen: visuell, emotional und biologisch. Tageslicht und „innere Uhr“ bestimmen und regulieren außerdem Herzfrequenz, Blutdruck und Stimmung bis hin zu Hormonausschüttungen wie Cortisol und Melatonin. Erst vor kurzem wurden in der Netzhaut des menschlichen Auges Zellen entdeckt, die nicht der Wahrnehmung dienen, sondern für die Taktung der inneren Uhr sorgen. Ist diese beispielsweise in der dunklen Jahreszeit gestört, werden wir anfälliger für chronische Müdigkeit, Schlafstörungen oder Depressionen.

Neu ist nun: Was die Sonne außen vermag, versucht der Mensch nun verstärkt in den Innenraum zu übertragen – mittels ganzheitlicher Beleuchtungssysteme. Um die natürliche Taktung zu erhalten, soll künftig biodynamisches Licht mittels Lichtmanagementsystemen wie „Human Centric Lighting“ (HCL) für motivierendes Licht im Innenraum sorgen. Die Aufgabe von HCL: die Dynamik des Tageslichts nach innen zu holen. So kann eine mit HCL ausgestattete und biologisch wirksame Leuchte Helligkeit, Intensität und Lichtfarbe im Tageslauf ändern, orientiert am natürlichen Tageslicht. Daneben verbindet das sogenannte biodynamische Licht, auch „Active Light“ genannt, Kunst- mit Tageslicht und kann so den natürlichen Biorhythmus unterstützen, die Lichtqualität gewährleisten und Wohlbefinden erzeugen, sei es in der Arbeitswelt, in Industrie, Kunst und Kultur, im Innen- wie im Außenraum. Mit entwickelt wurde das HCL vom studierten Elektrotechniker und Mediziner Herbert Plischke, Professor für Licht und Gesundheit an der Hochschule München, der schwerpunktmäßig zur Lichtwirkung auf die Gesundheit des Menschen forscht. Im Mittelpunkt des durchdachten Lichtkonzepts stehen dabei der Mensch und seine Lebensqualität.

Wie funktioniert und wirkt Human Centric Light (HCL)? Während der dunklen Winterzeit und in tageslichtschwachen Räumen soll das biodynamische Licht den natürlichen Rhythmus bestärken und für Wohlbefinden sorgen, es soll Leistungskraft, Konzentration, Vitalität und Lebenskraft fördern. Es ergänzt das Tageslicht bedarfsgerecht mit künstlichem Licht in der jeweils passenden Helligkeit und Farbtemperatur. Ähnlich dem Sonnenlicht können beispielsweise indirekte, großflächige Lichtquellen mit dem richtigen Einfallswinkel eine optimale Wirkung erreichen.

Die Dynamik während des Tagesverlaufs reicht von aktivierendem kaltweißem Licht am Morgen bis hin zu warmweißem Licht in den Abendstunden. Dahinter steht die Erkenntnis, dass das Licht am Morgen am wirksamsten zur Synchronisierung der inneren Uhr bei trägt, am Nachmittag hat es dagegen eine eher geringe Wirkung auf uns. Man versucth daher, morgens mit höheren Blauanteilen, hoher Bestrahlungsstärke, längerer Dauer der Exposition und dynamischen Lichtänderungen die biologische Lichtwirkung zu erhöhen und damit Körper, Befinden und Geist wohltuend zu stimulieren. Weniger wirksam sind eine geringere Bestrahlungsstärke, geringere Blauanteile, punktförmiges Licht und konstantes Licht; eine Blendung sollte vermieden werden.

Das Fazit? Zurück zur Natur, so lautet das Motto aktueller Lichtgestalter. Oder besser: Zurück zu einem Lebens- und Arbeitsstil, der sich dem natürlichen Rhythmus anpasst, stets mit Blick auf die drei Ebenen der Lichtwirkung und die vier Dimensionen des Lichts: Intensität, Richtung, Farbe und Zeit. Unternehmen wie Waldmann und Zumtobel setzen diesen ganzheitlichen Ansatz mit neuen Produktlinien um: Auf die extrem unterschiedlichen Lichtsituationen im Hochgebirge antwortete das neu eröffnete Gipfelrestaurant „Panorama 2962“ auf der Zugspitze zum Beispiel mit tunableWhite-Lichtern von Zumtobel, deren Farbtemperaturdynamik den natürlichen Tageslichtverlauf nachbildet. Mit dieser Serie baut der aus Dornbirn stammende Anbieter von Lichtlösungssystemen seinen ganzheitlichen Active-Light-Ansatz aus. Auch der Neubau der Doppelmayr-Unternehmenszentrale in Wolfurt glänzt mit einem ganzheitliches Licht-Ökosystem und tunableWhite-Lichtlösung. Waldmann aus Villingen-Schwenningen wiederum setzt seine biologisch wirksame HCL-Systeme seit 2014 in Büros ein, zum Beispiel bei Großprojekten wie dem Basler Firmensitz von Bayer – oder mit Produktlinien wie Stehleuchte VIVAA FREE VTL. Sobald man ihren Netzstecker einsteckt, erkennt die VIVAA FREE VTL die Tageszeit, passt Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke an und unterstützt so die innere Uhr mit ihren Schlaf- und Aktivitätsphasen.

Autor: Franziska Horn

Credits: 1-5 Zumtobel, Doppelmayr, © Doppelmayr / Hertha Hurnaus
6-8 Zumtobel Zugspitze (7)© Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG/Matthias Fend (8,9) © Zumtobel/Matthias Fend
9-12 Waldmann, Bayer Basel © Bayer Basel

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