Francoise Hauser

Journalistin, Autorin, Dozentin, Heilbronn

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Hongkong: Meeresluft statt Shopping

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Die Nase im Wind, in die Sonne blinzelnd, das Tuckern eines Schiffsmotors in den Ohren - besser kann man einen Ausflug nicht beginnen. Am Hongkonger Outlying Islands Ferry Terminal ist das Programm. Schon der Name klingt nach Abenteuer, nach Meeresrauschen, nach richtig weit weg. Und gemessen an den kurzen Distanzen der Hongkonger Innenstadt sind die Outlying Islands genau das, was der Name verspricht: Abgelegen, und damit so ziemlich das genaue Gegenteil von Central und Kowloon.

Für alle, die einen Tag lang keine Shopping Center und Wolkenkratzer sehen wollen, ist das Fähr-Terminal an der Nordküste Hong Kong Islands die erste Adresse. Hier warten die Fähren in antiquiertem Look und mit genau der richtigen Portion maritimer Abnutzung: Die Farbe blättert hier und da ganz malerisch ab, die Arbeiter tragen verblichene Seemannsmützen, wie es Hobby-Fotografen lieben, aber technisch ist alles im grünen Bereich.

Die Mischung aus Meeresluft und Schiffsdiesel riecht nach Abenteuer - da fällt es leicht zu vergessen, dass die Boote diese Fahrt ziemlich oft machen und damit mehr als 50.000 Passagiere pro Tag von und zu den Inseln transportieren. Genau genommen alle halbe Stunde, was die Planung ziemlich einfach macht.

Spannender ist es, die Reise nach dem Zufallsprinzip zu gestalten: Ab zum Terminal und die nächste Fähre nehmen, egal wohin. Zum Beispiel nach Cheung Chau, auf die kleine Insel Peng Chau, nach Lamma Island oder Lantau, das trotz Disneyland noch geradezu unberührte Flecken kennt. Und das ist nur eine kleine Auswahl, eben jene der 234 „Outlying Islands", die regelmäßig per Fähre angefahren werden.

Cheung Chau lohnt schon der dörflichen Atmosphäre und der Strände wegen. Wobei man sich nicht täuschen lassen sollte: Die Hongkonger auf der Fähre wohnen entweder dort oder reisen mit leerem Magen an, um eines der vielen Restaurants zu testen. Auch Reisende nach Lamma Island wollen meist wandern und danach Seafood schlemmen, wobei der erste, ermüdende Teil beim Anblick der Restaurantterrassen auf Stelzen gerne in Vergessenheit gerät.

Die verschlafenen Inseln Peng Chau und das benachbarte Hei Ling Chau dagegen sind ideal für alle, die behaupten, Hongkong auswendig zu kennen. Die Dörfer könnten genauso gut irgendwo in der Provinz Kanton liegen. Nur die eine oder andere englische Aufschrift verrät, dass sie zu Hongkong gehören.

Egal wohin, es muss eine der langsamen Fähren sein. Denn nur hier kann man oben an Deck stehen und Meeresluft schnuppern. Die Express-Variante eignet sich eher für den Rückweg, wenn der Reisende müde und ein wenig sonnenverbrannt ist und das Kinn von selbst auf die Brust sinkt.

Francoise Hauser

Fähr-Infos Ein E-Booklet zu den Inseln gibt es in englischer Sprache beim Hong Kong Tourist Board auf der Website www.discoverhongkong.com unter „Plan your trip", „Travel Kit", „e-Guidebooks". Der Fahrplan der Fähren findet sich auf den Seiten des Transport Departments ( www.td.gov.hk/en) unter „Transport in Hong Kong", „Public Transport", „Ferries".

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