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Warum man Menschen öfter sagen sollte, was man an ihnen mag - WELT

Im Rheinland spricht man das „ch" oft wie ein „sch" aus. Das ergibt den sympathischen Dialekt, den manche vielleicht von der Kunstfigur „Der Dennis " kennen. Böse Zungen behaupten, dass dieser Dialekt Angehörigen niedriger Bildungsschichten vorbehalten ist. Für mich ist diese Eigenart untrennbar mit meiner Freundin Linda verbunden. Linda hat beinahe schon alle Kontinente bereist, beherrscht das Einmaleins der Fotografie und erfüllt sonst alle Kriterien einer aparten Kosmopolitin. Wäre da nicht der Singsang in ihrer Stimme, der immer verrät, dass sie ein Kind des Rheinlandes ist. Ich mag Lindas herben Zungenschlag, weil er die schnörkellose Schönheit ihrer Seele unterstreicht. So wie sie spricht, ist Linda auch: nahbar, offen, direkt.

Oft kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, wenn Linda redet. Wenn sie das bemerkt, versucht sie „richtig" zu sprechen. Ich sage ihr dann, dass sie das nicht braucht, weil ich mag, wie sie spricht. Linda erstaunt das, weil ihr das vor mir noch nie jemand gesagt hat. Alle Menschen um mich herum besitzen mindestens eine Eigenschaft, die ich schön finde. Und fast alle Menschen um mich herum wissen, was ich an ihnen schön finde.

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