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Feine Sahne Fischfilet: Präsentkorb für den Verfassungsschutz

Feine Sahne Fischfilet | Foto: owieole

Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern sind eine Band mit Haltung. Wo andere Pop- und Rocktruppen Probleme verschweigen oder erst gar nicht thematisieren, sprechen Feine Sahne Fischfilet Missstände direkt an. Da geht es um Staatsgewalt, Nazis in ihrer Heimat, Abschiebung, Alltagsrassismus, Homophobie, Sexismus und den IS.


Ihr kratziger Punkrock mit den melodiegebenden Bläsern trifft einen Nerv, den nicht nur die Landjugend abzufeiern weiß: Ausverkaufte Shows in ganz Deutschland sprechen eine deutliche Sprache. Haben sie ihre ersten beiden Alben noch auf dem kleinen Label Diffidati Records veröffentlicht, brachten Feine Sahne Fischfilet ihr drittes Album „Scheitern & Verstehen“ auf dem Hamburger Ausnahmelabel Audiolith heraus, auf dem die ebenfalls explizit antifaschistischen Egotronic zu Hause sind, was ihnen einen Haufen neuer Fans bescherte.


Seit 2011 hat der Verfassungsschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern ein äußerst wachsames Auge auf die Truppe, der sie wegen ihrer „explizit antistaatlichen Haltung“ auf knapp zwei Seiten in seinem Bericht erwähnt. Doch anstatt nachzugeben, veröffentlichen sie den Fall und machten ihn sich zu Nutze: Feine Sahne Fischfilet sind nämlich seitdem presseübergreifend im Gespräch. Und überreichen dem Landesamt für Verfassungsschutz zum Dank einen Präsentkorb für diese unentgeltliche Pressearbeit. Doch werden ihnen dank der Erwähnung für geplante Auftritte auch immer wieder Steine in den Weg gelegt. Trotzdem lässt das Sextett nichts unversucht, immer wieder in Gegenden aufzutreten, die manch anderer wegen dem Druck von rechts bereits abgeschrieben hat.


Für Feine Sahne Fischfilet gibt es nur eine Antwort auf die Frage des aktuellen Albumtitels: „Bleiben oder Gehen“? Trotz struktureller Schwäche, rechten Gruppierungen und Perspektivlosigkeit bleiben sie. Es geht darum, kulturelle Freiräume zu schaffen, wo dank Landflucht immer weniger zu holen ist. Auf die Situation in Mecklenburg-Vorpommern angesprochen, sagt Monchi, Sänger der Band: „Es ist dieser Alltagsrassismus, den es natürlich nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern gefühlt überall gibt, aber in Mecklenburg-Vorpommern ist es neben Sachsen eben nochmal was anderes, weil die Nazis dort gut organisiert sind und seit Jahren eine Infrastruktur aufgebaut haben. Wenn man da sein Bewusstsein ein wenig geschärft hat, dann kommt man da gar nicht mehr dran vorbei. Das hat uns auf jeden Fall geprägt. Das ist jetzt nicht nur so, weil wir dort geboren sind. Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“

(Marc Braun)


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