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Fußball-Cup mit Mädchenpower

Foto: dkjs/Sebastian Gabsch

Als die ersten Bässe aus den Musikboxen über die Fußballfelder klingen und bereits beim Aufwärmen immer wieder getanzt wird, ist schnell klar: An diesem Samstag steht nicht nur der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund, sondern auch jede Menge Spaß. Etwa 150 junge Frauen und Männer schwärmen auf dem Gelände des SC Siemensstadt aus. Zusammen mit ihren Betreuerinnen und Betreuern sind sie aus den in ganz Deutschland verteilten Bündnissen angereist, um am 15. Juni 2019 am zweiten „Willkommen im Fußball"-Cup in Berlin teilzunehmen. Nicht nur 23 Profi-Clubs sind seit 2015 in diesen Bündnissen aktiv und unterstützen durch den Sport die gesellschaftliche Teilhabe von jungen Geflüchteten. Hinter den Bündnissen steht in der Regel auch die Kooperation eines Clubs der 1. oder 2. Bundesliga mit lokalen Bildungsträgern, bürgerschaftlichen Initiativen oder kommunalen Akteuren sowie Amateurfußballvereinen.

„Bei Willkommen im Fußball gibt der Sport Anstoß für gelebten gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn in den langfristigen Partnerschaften mit Profi- und Amateurvereinen können wir nicht nur Spielgelegenheiten, sondern echte Integrationsmomente ermöglichen", fasst Dr. Heike Kahl von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, die Idee zusammen. Willkommen im Fußball ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, initiiert und gefördert von der DFL Stiftung und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Mädchen und Frauen durch Fußball stärken

Schon der erste „Willkommen im Fußball"-Cup in Berlin 2017 kam bei den Teilnehmenden gut an. Nun hat die DKJS das Konzept des Turniers weiterentwickelt: In diesem Jahr sind auch Mädchen und junge Frauen in Berlin zu Gast und erproben sich bei einer Frauenfußball-Olympiade. Sie können an diesem Tag nicht nur Fußball für sich entdecken, sondern auch Tennis, Skateboard oder Selbstverteidigung. „Ich freue mich, dass in diesem Jahr geflüchtete Mädchen und Frauen beim Cup mitspielen. Der Fußball ist eine große Chance für sie, ihren Weg in Deutschland zu gehen und auch überkommene Rollenbilder über Bord zu werfen. Auf dem Platz können sie zeigen, was in ihnen steckt. Und das ist eine ganze Menge", erklärt Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Den symbolischen Anstoß für den Willkommen im Fußball-Cup gaben Mariama und Belend, zwei Teilnehmende des Programms aus Bremen und Bielefeld. Mariama hat nach ihrer Flucht aus Sierra Leone selbst als Spielerin beim Bündnispartner Werder Bremen mit Fußball angefangen, mittlerweile engagiert sich die 19-Jährige als Trainerin in mehreren Sportarten und hat erfolgreich ihre C-Lizenz bestanden. Über den Verein habe sie zudem viele Freundschaften geschlossen und ihre Deutschkenntnisse vertieft.

Kompetenzen und Teilhabe entwickeln - nicht nur mit Sportangeboten

Das Beispiel der jungen Frau zeigt auch, wie sich das Programm insgesamt weiterentwickelt. Zu Beginn wurden in erster Linie offene Trainings angeboten. Seit 2018 unterstützen die Bündnisse die Jugendlichen verstärkt bei der Qualifizierung für das Ehrenamt im Sportverein sowie bei der Berufsorientierung. Mädchen und Frauen mit Fluchterfahrung für den Sport zu gewinnen, ist nun ein weiterer Schwerpunkt. „Wir nutzen den Fußball als Zugang für junge Menschen mit Fluchthintergrund. Seit 2015 zeigt unser Leuchtturmprojekt Willkommen im Fußball, wie sehr junge Geflüchtete von der Zusammenarbeit der Fußball-Clubs mit lokalen Organisationen profitieren.", sagt Stefan Kiefer, Vorstandsvorsitzender der DFL Stiftung.

Die jungen Fußballbegeisterten reisten bereits am Donnerstagnachmittag an. Denn - typisch für Willkommen im Fußball stand nicht nur Fußball auf dem Plan: Es gab verschiedene Workshops zu „Umgang mit Social Media", „Gesundheit/ Ernährung im Sport" und „Teamgeist, Fairplay & Co." und Zeit, Berlin kennenzulernen, z.B. bei einem Besuch im Bundestag oder der Gedenkstätte Berliner Mauer. Doch das Highlight blieb für alle das Turnier, denn auch das Wetter spielte, bei heißen 34 Grad, mit. Für die Abkühlung zwischendurch werden Rasensprenger und Planschbecken aufgestellt, immer wieder kommt es am Spielfeldrand zu kleinen Wasserschlachten. „Die Stimmung ist sehr gut und es ist einfach interessant, so viele Kulturen auf einem Haufen zu erleben", sagt eine 20-jährige Berlinerin, die in einem der Frauenteams antritt. Einige Teilnehmerinnen sind besonders auf die Einheiten in Tennis und Selbstverteidigung gespannt. „Das wollte ich schon immer mal ausprobieren", sagt eine von ihnen.

„Ohne Fußball kein Spaß"

Damit sich die Teilnehmenden besser kennen lernen, wurden die Teams durchmischt, denn der Cup ist schließlich auch dafür da, Kontakte zu Spielerinnen und Spielern zu knüpfen, die man noch nicht kennt. „Ohne Fußball kein Spaß", meint ein 17-jähriger Teilnehmer aus Wolfsburg, der im Team „Beckenbauer" antritt. Ihm habe es zu Beginn seiner Zeit in Deutschland sehr geholfen, weiterhin wie in seiner Heimat Syrien Fußball spielen zu können.

Alle Mannschaften erhielten übrigens Namen von erfolgreichen Spielern bzw. Austragungsorten der Frauen-WM. Bei vielen Spielerinnen und Spielern kommt dementsprechend schnell der sportliche Ehrgeiz durch. Am Ende kann sich bei den Männern das Team „Beckenbauer" gegen die Konkurrenz durchsetzen, bei den Frauen schneidet das Team „Montpellier" am besten ab. Doch ob Siegerin bzw. Sieger oder nicht: Am Abend feiern alle gemeinsam bei der Abschlussparty.

Text: Kristin Hermann

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