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Die Partykolumne - Staubschneisen

Bedeutsame Szenen der Filmgeschichte: Zauberer Schmendrick versucht, das letzte Einhorn zu retten. Auf seiner verzweifelten Suche gerät er in die missliche Lage, an einen Baum gefesselt zu werden, woraus er sich zu befreien versucht, indem er selbstverständlich Magie anwendet. Leider ist Schmendrick ein kleiner Tölpel, und so findet er sich anstatt in Freiheit unversehens im wogenden Dekolleté einer riesenhaften Baumdame wieder, die ihn herzt und anhimmelt und flötet „Ich liebe dich! Ich lieeeeeebe dich! Ich liebeliebelieeeeebe dich!“ Ganz ähnliche Szenen haben sich in den vergangenen Tagen bei mir zu Hause abgespielt, nur mit dem Unterschied, dass ich alles andere als unglücklich darüber war. Nein, ich habe mich hineingesuhlt in die Liebeswoge und das Gesicht versenkt im Busenglück und selbst ewige Treue geschworen und mich tausendfach entschuldigt für die schändliche Vernachlässigung. Meiner Couch. Der Erstkontakt war ein bisschen holprig weil als ich mich habe drauffallenlassen ist links und rechts von mir und überall um mich herum ein solchenes Staubgewölk aufgestiegen, dass ich dann erst einmal mit schwerem Gerät anrücken hab müssen und mir wenigstens eine kuschlige Schneise hineinmähen. Aus Gründen der allgemeinen Bequemlichkeit hab ich den wolkigen Mähabfall einfach direkt links und rechts von der Schneise belassen, halt ein bisschen so wie du jetzt draußen plötzlich überall die Laubberge entlang von Wegen aufgetürmt siehst, da sagst du ja auch „Mei schau wie schön!“ und springst lieber mit Anlauf ganz oben hinein in den Berg oder manchmal nimmst du ganz vielleicht ein bis drei Arme voll und verteilst sie wegen Laubkonfettieffekt wieder auf der Wiese, weil die ist eh nichts in so sauber, und dann vergisst du vielleicht schon einmal, dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass das ein oder andere Hundstrümmerl miteingearbeitet ist in den Laubberg, weil da ist er für gewöhnlich nicht ganz so pingelig, der Laubzusammenrecher. Ob man das Kind auch auf Zecken untersucht hätte nach dem Laubbergbad, wollte die Tage so ein Strebervater wissen, und da hab ich milde gelächelt und gedacht, dass die Zecke vielleicht eher das geringste Übel ist, und dem Kind unauffällig einen kleinen dunklen Batz aus dem Mundwinkel gekratzt. Also jedenfalls thron ich da grad so in meiner verliebten Staubcouch, und jetzt stell dir vor: Springt nicht plötzlich der Fernseher auf meinen Schoß, wickelt sich um meinen Hals und im Schlepptau alle über die Monate hinweg angereicherten Zeitungen und Magazine und Bastelarbeiten, die haben sich auch erst einmal so wie ein Hund nach dem Schwimmen sauberschütteln müssen, und jetzt liegen wir also alle miteinander eng umschlungen herum, während auf dem Herd die Suppe köchelt, die aus dem reflex- bis zwanghaft erworbenen Kürbisdreierlei erstellt worden ist. Hier bleib ich. Und ihr? „Bada Bing“ (Stereo, Klaragasse), „Decadance“ (Zwinger, Lorenzerstr), „Pon Di Attack“ (Z-Bau, Frankenstr), „Trippin Out“ (Rakete, Vogelweiher), „Here“ (Kantine, Bauhof) und am Samstag „Küsse am Pier“ (MUZ, Fürther Str), „Monsters of Jungle“ (Z-Bau), „Rosa Hirsch“ (Vogelweiher), „Schwarz Tanz“ (Cult, Dooser Str), „Reggae hit the Town“ (Kantine), „80er/90er“ (T90, Flughafen), „14 Jahre Go Gitarre! Go!“ (Stereo). Man muss die (Regen)Tropfen feiern, wie sie fallen. Nächste Woche nerven sie dann bestimmt schon wieder ganz unerträglich schlimm.