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Bayern: Morden, ohne erwischt zu werden?

Stirbt ein Mensch, wird ein Arzt zur Leichenschau gerufen, häufig der zuständige Hausarzt. Doch nicht alle erkennen die wahre Todesursache.

Bayern ist das einzige Bundesland, in dem es keine zweite Leichenschau gibt, bevor ein Toter eingeäschert wird. Experten warnen: Viele Tötungsdelikte bleiben unentdeckt.

Als der Mainzer Arzt die Leiche eines 74-jährigen Mannes vor der Einäscherung noch einmal untersucht, fällt auf: Um den Hals des Mannes spannt sich ein Gummiband, es ist achtmal eng um den Hals geschlungen. Das Blut hat sich im Kopf gestaut, es tritt aus Mund und Ohren aus, es sind massenhaft stecknadelkopfgroße Einblutungen zu erkennen. Jedoch fiel all das dem ersten Arzt bei der Leichenschau nicht auf. Obwohl dieser als erfahren galt, bescheinigte er dem Mann einen natürlichen Tod infolge von Herzrhythmusstörungen. Wahrscheinlich auch, weil der Mann schon 74 war und zu Hause in seinem Bett gefunden wurde. Erst jetzt, bei der erneuten Leichenschau vor der Feuerbestattung, bemerkte der zweite Arzt das Drosselwerkzeug und verständigte die Polizei. Die Obduktion ergab: Der Mann hatte Suizid begangen. (...)

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