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Künstler Dietmar Brixy - zu Besuch im alten Pumpwerk

Brixy mannheim 0057

Eines der schönsten und außergewöhnlichsten Gebäude Mannheims, vielleicht sogar das Schönste, liegt in unmittelbarer Nähe zum Großkraftwerk mit seinen rauchenden Schlöten. Also dort, wo ich so etwas eher nicht erwartet hätte. Die Rede ist vom alten Pumpwerk in Neckarau. Viele haben davon sicherlich mal gehört, haben es jedoch noch nie in real gesehen. So ging es auch mir. Doch das alte Pumpwerk ist nicht nur irgendein Gebäude, sondern seit 2001 Wohnhaus und Atelier des Mannheimer Künstlers Dietmar Brixy.

Nachdem uns Brixy in sein Atelier eingeladen hat, stehen Tim, Sebastian und ich ehrfürchtig vor dem großen schwarzen Tor, hinter dem schon der neogotische Giebel des alten Pumperks hervorragt. Einen Druck auf die Klingel später werden wir von Brixy, seinem Partner David und zwei Hunden herzlich begrüßt.

Bevor ich mich auf irgendetwas anderes konzentrieren kann, muss ich erstmal staunen: das alte Pumpwerk sieht von außen fast ein bisschen aus wie eine Kirche mit seinen verzierten Backsteingiebeln und Blendwerken. Als studierte Kunsthistorikerin stellen mir sich natürlich einige Fragen zu dieser außergewöhnlichen Architektur, die mir David jedoch später alle beantworten wird.

Das Gebäude ist von einem paradiesischen Garten umgeben, indem die exotischsten Pflanzen wohnen. Kein Wunder, denn Pflanzen und die Natur generell spielen eine große Rolle in den Werken Brixys. Doch David leitet uns erstmal ins Gebäude. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich bei meinem Besuch staunen muss, da die Architektur und die Einrichtung so beeindruckend sind. Natürlich hängt an jeder Wand ein Werk Brixys, da Teile des Wohnhauses gleichzeitig zu den Ausstellungszeiten als Galerie genutzt werden.

David erzählt uns die spannende Geschichte des Gebäudes, das 1903 erbaut wurde und nur unter strengen Denkmalschutzauflagen umgebaut werden konnte. Am spannendsten finde ich, dass das Gebäude so umgebaut wurde, dass es jederzeit wieder als Pumpwerk funktionieren könnte. Im Keller wurden beispielsweise die alten schwarzen Pumpen erhalten, die sich perfekt in die Innenarchitektur eingliedern und einen interessanten Kontrast zu Brixys bunten Bildern ergeben.

Der hintere Teil des Gebäudes dient Brixy heute als Atelier. Ich kann mir kaum vorstellen, dass vor nicht einmal dreißig Jahren hier noch die Abwässer vieler Mannheimer Stadtteile gereinigt wurden. Schließlich begleitet uns David in den Keller, der ebenfalls als Ausstellungsraum genutzt wird und mindestens genau so spektakulär ist wie der Rest des Gebäudes.

Eine enge Treppe führt zum Schluss direkt zur Kanalisation, denn hier ist der einzige Ort in Mannheim, von dem man einfach so Zugang zur Kanalisation hat. Bei Hochwasser kann es schon mal sein, dass sich das Grundwasser seinen Weg in den Keller bahnt.

Nachdem wir wieder über der Erde angekommen sind, erzählt uns Brixy noch einiges zu seiner Kunst. Das Besondere an seiner Kunst ist für mich, dass sie im ersten Moment sehr abstrakt wirkt. Doch je länger ich mich mit den einzelnen Bildern beschäftige, desto mehr erkenne ich Formen und Figuren und erdenke so meine eigene Geschichte zu jedem Bild.

Bemerkenswert ist außerdem Brixys Malweise. Wer genau hinsieht, erkennt die einzelnen Schichten, die Brixy aufträgt und dann teilweise wieder abträgt. Hier wird gespachtelt, gemalt und gedrippt wie im Action Painting. Bei manchen Bildern habe ich fast den Eindruck, dass er hier einen Kampf ausführt, aus dem schließlich diese einzigartigen Bilder entstehen. Auch die Farbe spielt eine wichtige Rolle für Brixy. Bunt sind die Bilder fast immer, doch in vielen Werkreihen dominieren gewisse Farben oder Farbspektren, die sich zu einem stimmigen Ganzen fügen.

Nach unserem Besuch bin ich nicht nur überwältigt von diesem Paradies in Neckarau, sondern stelle fest, dass Brixy ein Gesamtkunstwerk ist: das Gebäude, der Garten, die Kunst - all das gehört zusammen und nimmt Bezug aufeinander.

Lest in unserem spannenden Interview mit Brixy, wie er zur Kunst gekommen ist, warum er sich Mannheim so verbunden fühlt und wo er noch gerne hinreisen möchte.

Wie bist Du zur Kunst gekommen?

Brixy: Die Kunst ist vielmehr zu mir gekommen (lacht). Ich habe schon sehr früh auf die Frage „Was willst Du später mal werden?" „Maler" geantwortet. Damit habe ich tatsächlich Maler im Sinne von Künstler gemeint, obwohl ich den Begriff Künstler damals noch gar nicht richtig kannte. Ich bin nicht den traditionellen Weg im Sinne von Grundschule - Gymnasium - Studium gegangen, sondern habe einen kleinen Umweg gemacht. Als Kind war ich sehr verträumt, war jedoch schon immer künstlerisch sehr interessiert und begabt. Nach der Grundschule bin ich erstmal auf die Hauptschule gegangen, danach bin ich dann auf die Fachschule und habe dort meinen Abschluss gemacht. Danach habe ich meine Fachhochschulreife und dann schließlich mein Abitur gemacht. Es gab glücklicherweise schon immer Menschen, die erkannt haben, dass ich künstlerisch begabt bin und ich habe auch schon als Jugendlicher Angebote für meine Kunstwerke bekommen.

Wie gehst Du vor: weißt Du vorher schon ganz genau, wie ein Bild aussehen soll oder entwickelt sich das während des Schaffensprozesses?

Brixy: Ich habe zu Beginn keine konkrete Vorstellung. Meistens weiß ich jedoch, dass ein Bild z.B. eher von Rot dominiert werden soll. Das kann sich aber im Laufe des Malens ändern, sodass das Bild am Ende doch von Blau oder Lila dominiert wird. Die Ausnahme machen dabei natürlich Auftragsarbeiten, da bekommt der Auftraggeber, was er möchte. Auftragsarbeiten sind bei mir jedoch eher eine Ausnahme. Ich bewege mich in verschiedenen Serien und Zyklen wie „Discover" oder „Surprise" und bin darin was die Gestaltung angeht sehr offen.

Auf deiner Homepage steht, dass Mannheim Dir viel gegeben hat. Was genau gibt Dir Mannheim und warum hast Du Dich für Mannheim als Wohn- und Arbeitsort entschieden?

Brixy: Ich bin auf der Rheinau geboren und groß geworden und liebe diese Stadt. Die Art der Menschen in Mannheim hat mir von Anfang an sehr zugesagt. Meine Eltern kamen 1958 aus Oberschlesien nach Mannheim und wurden hier sehr gut aufgenommen. Ich habe mich hier immer wohl und vor allem integriert gefühlt. Ich mag die direkte Art der Mannheimer und auch der Dialekt gefällt mir sehr gut, obwohl ich ihn nicht dauerhaft spreche. Hinzu kommt, dass ich nun durch meine Kunst die Möglichkeit habe, an diesem einzigartigen Ort zu leben. Ich hätte mir das früher nie vorstellen können, da ich aus sehr einfachen Verhältnissen komme und bin jedem dankbar, der meine Bilder kauft.

Was ist Deiner Meinung nach das Besondere an Mannheim, gerade auch aus Sicht eines Künstlers?

Brixy: Zum einen haben wir in Mannheim die Freie Kunstakademie Rhein-Neckar, deren Förderer in auch bin. Sie ist für viele Künstler ein Sprungbrett und hat einige besondere Künstler hervorgebracht. Zum anderen haben wir hier auch die Kunsthalle, die ja gerade einen tollen Neubau erhält, auf den ich mich schon sehr freue. Außerdem haben wir hier viele weitere Angebote in der Region wie die Reiss-Engelhorn-Museen, den Kunstverein Mannheim, das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen und auch in Heidelberg gibt es künstlerisch gesehen Einiges zu entdecken. Die Metropolregion ist in dieser Hinsicht sehr stark aufgestellt.

Du engagierst Dich auch für junge Künstler und ermöglichst ihnen Ausstellungen im Pumpwerk. Was muss ein Künstler haben, damit er Dich berührt und begeistert?

Brixy: Authentizität ist für mich das wichtigste bei einem Künstler. Nicht unbedingt die spontane Begeisterung für die künstlerische Position, sondern eher die Nachhaltigkeit, die mich nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren berührt! Seit 2012 habe ich eine Kooperation mit der Galerie Tammen und Partner aus Berlin, die auch mich vertritt. Mit der Galerie zusammen wähle ich jedes Jahr Künstler aus, die ich hier im Pumpwerk ausstelle. Die meisten davon haben einen Bezug zu meiner Kunst. Ich könnte mir auch vorstellen, das Pumpwerk irgendwann in ein Künstlerhaus umzuwandeln und Stipendien oder Preise zu vergeben.

Ich habe gelesen, dass Du auch sehr gerne reist. Welches Ziel würdest Du gerne noch bereisen und warum?

Brixy: Ich würde sehr gerne nach Australien reisen! Dafür möchte ich mir allerdings Zeit nehmen, denn ein Zwei-Wochen-Trip wäre mir dafür zu kurz.

Welcher Ort hat Dich am meisten inspiriert?

Brixy: Schottland und Irland haben mich sehr inspiriert. Außerdem hat mich meine Reise nach Malaysia sehr inspiriert und auch meine Kunst verändert. Vor allem die Vegetation dort hat mich nachhaltig verändert und sich auf meine Kunst ausgewirkt.

Natur spielt eine große Rolle in Deinem Werk. Hast Du einen Geheimtipp für uns, wo Du hingehst, wenn Du in Mannheim schnell in die Natur möchtest?

Brixy: Ich habe das Privileg, dass ich einen kleinen Luisenpark vor der Haustür in meinem Garten habe (lacht). Wenn ich in der Natur sein möchte, öffne ich meine große Flügeltür und gehe in den Garten. Oft lege ich mich auch direkt auf den Boden und blinzle in die Sonne, um der Natur ganz nah zu sein. Früher war ich im Sommer immer am Stollenwörthweiher. Inzwischen reicht mir das Plätschern meines kleinen Brunnens - wenn ich das höre, träume ich meine 100-m Staffel (lacht).

WICHTIG: Das Atelier und die Galerie sind nur zu den Ausstellungszeiten geöffnet. Für Sonderführungen bitte vorher ankündigen und bei info@brixy.de oder per Telefon melden.

Fotos: Sebastian Weindel ( www.sebastian-weindel.de)

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Altes Pumpwerk Neckarau Aufeldstrasse 19 68199 Mannheim

Telefon 0621 - 1561436 Email: info@brixy.de

Ausstellung: BRIXY - TOMORROW. NEUE ARBEITEN23.09.16-15.10.16 Special Guest - Sabine Ostermann (Linolschnitte) Galerie Tammen und Partner Berlin

Öffnungszeiten während der Austellung: Freitag, 15 - 19 Uhr Samstag, 11 - 15 Uhr (u.n.V.)

Haltestelle: Friedrichstraße Straßenbahn: 1

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